Missbrauchsvorwürfe US-Milliardär Jeffrey Epstein erneut verhaftet

Der Unternehmer Jeffrey Epstein wurde in New York verhaftet, er soll Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Ein zweifelhafter Deal hatte den Milliardär lange vor einer schweren Strafe geschützt.

Jeffrey Epstein (Mitte) auf einer Aufnahme von 2008
Uma Sanghvi/ Palm Beach Post/ AP

Jeffrey Epstein (Mitte) auf einer Aufnahme von 2008


Ihm werden Zuhälterei und sexueller Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen, die Anschuldigungen reichen bis zu 20 Jahre zurück: Der US-Milliardär Jeffrey Epstein sitzt seit Samstag in New York in Haft.

Epstein war früher für Pool-Partys berüchtigt, bei denen Minderjährige Massagedienste anboten. Daraufhin ermittelte das FBI, der heute 66-Jährige soll Dutzende Mädchen sexuell belästigt und in seinen Häusern in Florida und New York zur Prostitution angeboten haben. Theoretisch hätte dem Milliardär eine jahrelange Haftstrafe gedroht, möglicherweise auch lebenslang. Tatsächlich aber kam er damals mit 18 Monaten davon.

Grund dafür war ein außergerichtliches Abkommen, das die Ermittlungen gegen ihn beendete. Der Deal sah vor, dass sich Epstein schuldig bekennt, Minderjährige zur Prostitution gezwungen zu haben. Darüber hinaus zahlte er mehreren Frauen Abfindungen und ließ sich als Triebtäter registrieren.

Im Gegenzug dafür erhielt Epstein eine milde Strafe und entging einem Verfahren vor einem Bundesgericht, nach 13 Monaten kam er aufgrund guter Führung wieder frei. Der "New York Times" zufolge konnte er das Gefängnis außerdem sechsmal pro Woche verlassen, um in seinem Büro zu arbeiten. Schon damals gab es erhebliche Kritik an dem Vorgehen.

Zu verdanken hatte er den Deal unter anderem Alexander Acosta, der damals Oberster Staatsanwalt in Miami war und heute in der US-Regierung als Arbeitsminister tätig ist. Als in den vergangenen Monaten neue Diskussionen um den Fall aufkamen, verteidigte Acosta die außergerichtliche Einigung als unter den damaligen Umständen angemessen.

Prominente Freunde: Clinton, Trump, Prinz Andrew

Im Februar kam ein Gericht in Florida zu dem Urteil, dass das Abkommen gegen geltendes Recht verstieß. Demnach hätten Epsteins Opfer über den Deal informiert und befragt werden müssen. Offen ist noch, ob die außergerichtliche Einigung auch annulliert wird.

Mehrere Staatsanwälte riefen dazu auf, trotz der Zweifel an dem Deal von damals festzuhalten. "Die Vergangenheit kann nicht rückgängig gemacht werden, die Regierung hat sich selbst auf die außergerichtliche Einigung festgelegt", schreiben sie.

Der US-Senator Ben Sasse hingegen veröffentlichte am Samstag ein Statement, in dem er einen fairen neuen Prozess forderte. Epstein habe das letzte Mal eine traurig milde Strafe bekommen, sagte er. "Die Opfer verdienen nichts anderes als Gerechtigkeit. Diese sollte nicht von der Größe des Bankkontos abhängen."

Die aktuelle Verhaftung soll auf Anschuldigungen von Frauen zurückgehen, die Epstein als Minderjährige im Zeitraum von 2002 bis 2005 sexuell belästigt haben soll. Daneben wurden Vorwürfe bekannt, laut denen der Milliardär auch einige der Frauen dazu aufgefordert haben soll, im Umkreis, aber auch in Osteuropa und anderen Teilen der Welt nach weiteren Opfern zu suchen. Es wird erwartet, dass er am Montag in Manhattan einem Richter vorgeführt wird.

Epstein hatte an der Wallstreet ein Vermögen gemacht, vor den Affären zählten Bill Clinton, Donald Trump und der britische Prinz Andrew zu seinen Freunden. Dem britischen Royal wurde in der Vergangenheit ebenfalls vorgeworfen, in Epsteins Machenschaften verstrickt gewesen zu sein.

irb/AP

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