Wetterwisser Jörg Kachelmann »Die Eisheiligen sind keine Eisheiligen«

Ab Mittwoch wird es frieren? Hier erklärt Jörg Kachelmann, was er von solchen Bauernregeln hält. Fünf Fragen an den Wetterexperten.
Jörg Kachelmann rät: Jetzt das Blühgut rausstellen

Jörg Kachelmann rät: Jetzt das Blühgut rausstellen

Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Wie sieht’s aus?

Die deutschsprachigen Länder sind die globale Zentrale für Aberglauben, was den Alltag betrifft. Nirgendwo sonst glaubt man an Biowetter, steifen Nacken durch Durchzug, Mond und Flüsse als Wettermacher, die Wirksamkeit von Hagelfliegern und die Eisheiligen gleichzeitig. Der Schwurbel hat sich im ganzen Land stark verbreitet und wird eher mehr als weniger.

Auch dieses Jahr wird es sein wie fast immer: Die Eisheiligen sind keine Eisheiligen, wie man schnell feststellen kann, wenn man die Tiefsttemperaturen zur kalten Sophie in den letzten 100 Jahren betrachtet .

Wie ist das zu erklären?

Man hat seit Beginn von Messungen nie eine statistisch signifikante Häufung von Frostereignissen zwischen dem 11. und 15. Mai gesehen, es war seit Menschengedenken eine Räubergeschichte. Wahrscheinlich war es vor vielen Jahrhunderten allenfalls zwei Jahre hintereinander zufällig so, was die Regel begründete. Das hat leider gereicht.

Wo rein zuckerhaltige Homöopathie durch Krankenkassen bezahlt wird, kann es eben schon sein, dass das bis 2022 relevant ist.

Wie geht’s weiter?

Wir laufen in eine Wetterlage mit einem blockierenden Omega-Hoch, das bedeutet ab Wochenende bis womöglich zum Monatsende kaum noch Regen, wie die 14-Tage-Trends für jeden Ort zeigen .

Was sollte ich tun?

Nicht bis zu den Eisheiligen warten, um das Blühgut rauszustellen. Machen Sie es jetzt! Das Wetter richtet sich nicht nach dem Kalender. Und wenn Sie tagsüber gießen wollen, können Sie auch das tun. Das mit den Wassertropfen als schröckliche blattverbrennende Brenngläser ist derselbe abseitige Aberglaube wie das Glas, das angeblich Waldbrände auslösen kann.

Und was tun Sie?

Der Landwirtschaft im Norden Hoffnung machen, dass es im Juni nach mehr Regen aussieht, der das Maidefizit hoffentlich zumindest teilweise kompensieren kann.