Johann Westhausers Zustand "Er wusste, dass WM ist"

"Das grenzt an ein kleines Wunder." Johann Westhausers Ärzte sind von seinem guten Gesundheitszustand überrascht. Der Höhlenforscher meldete sich sogar selbst per Videobotschaft - trotz Schädelbruch und Jochbeinfraktur.


Murnau/Hamburg - Nach der ersten Nacht in der Unfallklinik Murnau befindet sich der verunglückte Höhlenforscher Johann Westhauser in einem "hervorragenden Zustand". Das gaben die behandelnden Ärzte des 52-Jährigen bei einer Pressekonferenz bekannt. "Der Patient hat extrem viel Glück gehabt", sagte Volker Bühren, ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Westhauser sei gut ansprechbar, orientiert. "Er wusste, dass WM ist", sagte Bühren. Die Ergebnisse habe er allerdings nicht wissen wollen, er interessiere sich nicht so für Fußball.

Den Ärzten zufolge war es ein Lehmbrocken, der Westhauser am Pfingstsonntag bei der Erkundung der Riesending-Schachthöhle am Kopf traf. Der Brocken sei aus 15 Meter Höhe gefallen. Der Höhlenforscher habe einen Helm getragen, der bei dem Steinschlag unbeschädigt blieb.

Unmittelbar nach dem Steinschlag sei Westhauser für zwei Minuten tief bewusstlos gewesen. Danach sei er zwar wieder aufgewacht, aber über den Zeitraum von 36 Stunden immer wieder weggedämmert. Den Medizinern zufolge ein Hinweis darauf, dass er ein schwereres Schädel-Hirn-Trauma mit einer Blutung erlitt.

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Johann Westhausers Zustand: Ansprechbar und orientiert
In einer solchen Situation werde der Patient normalerweise intensivmedizinisch betreut und beobachtet, sagte Bühren. Der Verletzte dürfte in einem solchen Zustand nicht einmal das Bett verlassen. Dass es den Ärzten in der Höhle gelang, Westhauser mit Medikamenten so zu stabilisieren, wie es normalerweise nur im Krankenhaus möglich ist, "grenzt an ein kleines Wunder", so Bühren. Die Retter hätten Westhauser zunächst über Infusionen mit Nahrung aufgepäppelt, später habe er die nötigen Kalorien auch oral einnehmen können. Schließlich sei er transportfähig gewesen, zwölf Tage nach seinem Unfall erreichte Westhauser schließlich den Ausgang der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands.

Schmaler Spalt im Schädel, Jochbeinfraktur im Gesicht

Demnach hatten die Mediziner Westhauser in der Höhle vor allem abschwellende Medikamente für seine Kopfverletzung verabreicht. Der Höhlenforscher erlitt durch den Steinschlag einen kleinen Schädelbruch, ein kleiner Spalt, der jedoch "nicht sehr relevant" sei. Außerdem hat er einen schmalen Bruch an der Augenhöhle, wodurch auch Nerven in der Wange temporär beschädigt wurden und Taubheitsgefühle auslösten. Eine Operation sei hinsichtlich der Kopfverletzung nicht von Nöten, erklärten die Ärzte. Die Jochbeinfraktur auf der rechten Seite des Gesichts werde in der kommen Woche operiert. Es handele sich dabei um einen kleinen Eingriff, sagte der zuständige Gesichtschirurg, Martin Gosau.

In einer Videobotschaft wandte sich Westhauser an die Außenwelt. Es gehe ihm gut, er sei dankbar für die Hilfe. Er hatte augenscheinlich noch Probleme beim Sprechen - eine Nachwirkung des Schädel-Hirn-Traumas, bei dem seine linke Hirnhälfte, die für die Muskelfunktionen verantwortlich ist, belastet wurde. Es handele sich jedoch lediglich um eine motorische Störung, die vorrübergehe. Er habe komplizierte Sätze gebildet. "Wir rechnen mit einer weitgehenden, neurologischen Wiederherstellung."

"Man muss sich von Tag zu Tag neu orientieren"

Der Transport sei äußerst schwierig gewesen, erklärten auch noch einmal die Ärzte. Westhauser habe entsprechend geschützt werden müssen, damit er keine weiteren Verletzungen erleide. das habe hervorragend funktioniert, Westhauser habe die Höhle in einem "sehr, sehr guten Zustand" verlassen.

Zum weiteren Heilungsprozess wollten sich die Ärzte nicht eindeutig äußern. "Man muss sich von Tag zu Tag, Woche zu Woche neu orientieren", sagte Bühren. Westhausers Zustand habe sich jedoch die ganze Zeit über deutlich verbessert. Allein in den drei Stunden, in denen seine Frau und sein Sohn ihn besucht hätten, habe er Fortschritte gemacht.

Laut Klinikdirektor Bühren muss Westhauser noch zwei, vielleicht auch drei oder vier Wochen im Krankenhaus bleiben. Danach werde man für den Patienten eine Reha-Behandlung organisieren. Sie soll demnach ein bis zwei Monate dauern. Eine weitere Therapie werde ambulant durchgeführt.

"Bei derartigen Störungen muss man in Monaten rechnen, nicht in Jahren", sagte Bühren abschließend. Er rechne mit einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten, bis Westhauser wieder in einen guten Zustand zurückfinde.

gam

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Thunder79 20.06.2014
1. Ich wünsche...
...Hr. Dr. Westhauser weiterhin alles Gute und eine schnelle Genesung. Lassen Sie sich nicht nicht abschrecken von den paar Spon-Foristen, denen Bildung und Forschung weniger Wert ist als die Kosten für Ihre Rettung. Alles Gute, dass Sie bald wieder Höhlen erforschen dürfen!
Biegel 20.06.2014
2. Was für eine schöne Nachricht!
Ich sende Herrn Westernhausen die allerbesten Genesungswünsche! Und Chapeau für die Retter! Wahnsinns Leistung!
n01 20.06.2014
3. SO ganz gesund wirkt er allerdings nicht.
Zitat von sysopDPA"Das grenzt an ein kleines Wunder." Johann Westerhausers Ärzte sind seinem guten Gesundheitszustand überrascht. Der Höhlenforscher meldete sich sogar selbst per Videobotschaft - trotz Schädelbruch und Jochbeinfraktur. http://www.spiegel.de/panorama/johann-westhauser-aerzte-sind-positiv-von-gesundheit-ueberrascht-a-976372.html
Schön, das er im recht guten Zustand ist. Doch so ganz ohne war oder ist die Verletzung wohl doch nicht . Die recht verwaschene Sprache weist darauf hin. Alles Gute wünsche ich.
rolo 20.06.2014
4. Eine sehr gute Nachricht!
Ich freue mich für ihn und seine Angehörigen! Und für die vielen Retter und Helfer, die nun das gute Gefühl haben können, dass ihr Einsatz wirklich etwas genützt hat! Ohne die Hilfe wäre der Mann da unten wohl verloren gewesen..
contre-la-montre 20.06.2014
5. Bedenkliche Kommentare
Die Diskussionen um diese Rettungsaktion habe ich verfolgt und die menschenverachtenden Kommentare mancher haben mich schon geschockt. Die Rettungskosten sind Peanuts und weit unter einem Cent pro Bürger. Jedes Menschenleben ist doch mehr wert als Geld. Man muss schon jeden Anstand verloren haben, wenn man die Rettung in Frage stellt. Wenn ich die Beiträge mancher Zyniker so lese wird mir aber klar warum das NS-Regime damals so viele Anhänger und Bejubler hatte. Es gibt sie also immer noch die Leute die meinen einige Leben wären weniger wert. Erbärmlich.
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