Johannes Paul II. ist tot Millionen trauern um den Papst

Die Nachricht vom Tod des Papstes ist weltweit mit Trauer und Bestürzung aufgenommen worden. Überall kamen Menschen auf Plätzen und in Kirchen zusammen, um des Verstorbenen zu gedenken. Selbst der kommunistische Diktator Fidel Castro ordnete Staatstrauer an.


Polen: Ein junges Mädchen weint im Kloster von Jasna Gora
DPA

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Rom - In Rom strömten Zehntausende zum Petersplatz, um mit Gebeten und stiller Trauer des Papstes zu gedenken. Gegen Mitternacht waren nach Polizeiangaben rund 130.000 Menschen auf dem Platz versammelt. Auch in vielen anderen Ländern läuteten nach Bekanntwerden des Todes lange die Kirchenglocken.

Die Nachricht hatte sich in Minuten um die ganze Welt verbreitet. Sie erreichte Milliarden Menschen, die den Todeskampf des Papstes in den vergangenen Tagen verfolgt hatten, die gebetet oder nur respektvoll Anteil genommen hatten. Sie versetzte die Menschen weltweit in Trauer, ließ sie innehalten, ergriffen von der Wucht der Nachricht, bevor ihnen die Tränen, Gebete oder einfach nur Momente der Stille die Verarbeitung des Schmerzes erleichterten. In Lateinamerika versammelten sich hunderttausende Gläubige. Zwischen Mexiko und Feuerland beteten sie in Kathedralen und Kirchen für den Verstorbenen. Präsidenten, Kardinäle und Menschen auf der Straße zeigten sich erschüttert. In fast allen Staaten des tief katholischen Subkontinents wurde Staatstrauer ausgerufen - selbst im kommunistischen Kuba. Präsident Fidel Castro ordnete eine dreitägige Staatstrauer vom 3. bis 5. April an. Die geplanten kommunistischen Jugend-Festivitäten wurden abgesagt. Schätzungen zufolge weit mehr als 400 Millionen Bürger Lateinamerikas bekennen sich zur katholischen Kirche.

In Argentinien und Chile erinnerten sich viele Menschen daran, dass beide Länder Anfang der achtziger Jahre nur dank der Vermittlung des Vatikans vor einem Krieg bewahrt wurden. Chiles Präsident Ricardo Lagos sprach von einem "Gefühl tiefer Dankbarkeit" seines Volkes.

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt würdigten den charismatischen und konservativen Papst, der mehr als 26 Jahre an der Spitze der 1,1 Milliarden Katholiken stand, als historische Persönlichkeit. Sie verwiesen insbesondere auf seine zentrale Rolle beim Fall des Eisernen Vorhangs in Europa Ende der achtziger Jahre. "Die katholische Kirche hat ihren Hirten verloren. Die Welt hat einen Verfechter der menschlichen Freiheit verloren", sagte US-Präsident George W. Bush. Sein Vorgänger Bill Clinton würdigte ihn als "Leuchtfeuer" für alle Menschen - über alle Glaubensgrenzen hinweg.

Indonesien: Auf der an Ostern von einem Seebeben schwer betroffenen Insel Nias beten die Gläubigen vor ihrer zerstörten Kirche
DPA

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Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte über die russische Nachrichtenagentur Interfax: "Mit seinem Namen war eine ganze Epoche verbunden." Israels Außenminister Silwan Schalom sagte: "Israel, das jüdische Volk und die ganze Welt haben einen großen Vorkämpfer der Versöhnung und der Brüderlichkeit zwischen den Religionen verloren." Die offizielle katholische Kirche Chinas, die den Papst nicht als Oberhaupt anerkennt, übermittelte ihr "tiefes Beileid".

Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte den Papst als historische Persönlichkeit: "Papst Johannes Paul II. hat Geschichte geschrieben", erklärte er. Bundesaußenminister Joschka Fischer wies insbesondere auf die Verdienste des Papstes um den demokratischen Umbruch in den ehemaligen Ostblock-Staaten und damit zur Wiedervereinigung Deutschlands hin.

Im westpolnischen Krotoszyn soll eine 3,40 Meter große Kerze zu Ehren von Papst Johannes Paul II. mindestens 30 Tage brennen. Ein Unternehmer der Stadt wollte sie eigentlich dem Papst schenken. "Leider habe ich es nicht rechtzeitig in den Vatikan geschafft. Also zündete ich sie hier an, um seiner zu gedenken."


Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche starb nach tagelangem Todeskampf gestern Abend in Rom im Alter von 84 Jahren. Seit seiner Wahl 1978 leitete Karol Wojtyla die katholische Christenheit mehr als 26 Jahre - nur zwei Päpste regierten in 2000 Jahren Christentum länger.

Der schwer kranke Papst erlag seinen Leiden um 21.37 Uhr in den päpstlichen Gemächern im Vatikan, gab der Kirchenstaat bekannt. Nach den Worten von Vatikansprecher Joaquín Navarro-Valls starb er im Beisein seiner engsten Vertrauten. Diese hätten noch eineinhalb Stunden vor dem Tod eine Messe am Sterbebett gelesen. Dann habe der Papst nochmals die Sterbesakramente erhalten. Währenddessen hatten Zehntausende Gläubige in unmittelbarer Nähe auf dem Petersplatz ausgeharrt und in stiller Andacht für den Papst gebetet.

Der stellvertretende Dekan des Kardinalskollegiums Angelo Sodano hält heute Vormittag auf dem Petersplatz eine Messe zum Gedenken an Papst Johannes Paul II., teilte der Vatikan mit. Der Gottesdienst werde live und mit deutschem Kommentar von Radio Vatikan übertragen.

Der Leichnam des Kirchenführers soll frühestens morgen Nachmittag im Petersdom aufgebahrt werden. Dann wird auch erstmals die Kardinals-Kongregation zusammentreten, die die römisch-katholische Kirche in der Übergangsphase provisorisch leitet. Die Kongregation hat unter anderem zu bestimmen, wann der Papst beerdigt wird. Dies werde vermutlich nicht vor Donnerstag geschehen, hieß es. Bis zu zwei Millionen Menschen werden zu den Trauerfeiern erwartet.

Deutschland: Tausende singen und beten vor der Frauenkirche in MÜnchen
DDP

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Die Wahl eines Nachfolgers im Konklave soll 15 bis 20 Tage nach dem Ableben des alten Pontifex beginnen, der die Weltkirche in das dritte Jahrtausend geführt hatte.

"Die letzten Stunden des Heiligen Vaters waren von ununterbrochenen Gebeten gekennzeichnet", erklärte sein Sprecher. Schließlich stellte der Camerlengo (Kämmerer) des Vatikans, Kardinal Eduardo Martínez Somalo offiziell den Tod fest. Dann wurde Johannes Paul der Fischerring, das Symbol der päpstlichen Macht, abgenommen. Damit war das Pontifikat offiziell beendet. Alle wichtigen Amtsträger der Kurie traten damit automatisch von ihren Ämtern zurück.

Seit Donnerstag hatte sich der Gesundheitszustand des Papstes dramatisch verschlechtert. Zuletzt hatte der Pontifex hohes Fieber.

Johannes Paul II, der 264. Papst der Kirchengeschichte, war seit vielen Jahren schwer krank. Er litt an der Parkinson-Krankheit und an den Folgen eines Attentats im Jahr 1981. Er konnte nicht mehr gehen und saß zuletzt im Rollstuhl. Selbst kurze Predigten konnte er nicht mehr halten. Nach einem Luftröhrenschnitt Ende Februar verschlechterte sich sein Zustand weiter. Ostern konnte er den Segen Urbi et Orbi mit der Hand nur noch andeuten, aber nicht mehr selbst sprechen.



insgesamt 457 Beiträge
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Julia B., 11.04.2005
1. Ein großer Verlust.
Ein großer Mann ist von uns gegangen. Wie leider so häufig wurde vielen erst im Augenblick des Verlust klar, wie viel er ihnen bedeutete. Erstaunlich ist, daß Papst Johanns Paul II. gerade bei der jungen Generation so "gut ankam": Gerade die Kinder der 68er, denen welche die Friede-Freude-Eierkuchen-Scheinmoral bestenfalls als Beliebigkeit, schlimmstenfalls als Heuchelei wahrnimmt, hatte hier eine Persönlichkeit gefunden, welche "anders" war: Klar in seinen Ansichten - selbst wenn diese den jungen Menschen nicht immer gefielen. Doch "Politiker", die A sagen und B tun (und vice versa) und dieses Verhalten dann als "liberal" sublimieren, kennt die junge Generation zu Genüge. Und sucht offenbar nach Wahrhaftigkeit. Johannes Paul II. war einer, der sagte, was er meinte, und der meinte, was er sagte.
Henner Dehn, 11.04.2005
2.
Herr Merl, ich Verherrlichung des verstorbenen Papstes und die der katholischen Kirche kann man nicht mehr ernst nehmen. Da wundert es nicht, wenn immer wieder religiöser Fanatismus jedweder Art diskutiert wird. Untermauern tun Sie Ihre Haltung durch Verleugngung wissenschaftlicher Fakten.Es fehlen Ihnen dazu Gegenargumente. Wundern Sie sich also nicht, wenn ich Ihre Beitraege nicht mehr ernst nehme und Ihnen dazu auch nicht persönlich antworte.
Julia B., 11.04.2005
3. Aufgaben für die Zukunft
Eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft wird die Ökumene sein - aber nicht, wie sie in Westeuropa und insbesondere in Deutschland verstanden wird, zwischen Katholiken und Protestanten, sondern auch zwischen Katholiken und russisch-orthodoxen Christen. Es war auffällig, daß als einziger wichtiger Staatschef (außer China) der russische Präsident Putin bei den Beisetzungsfeierlichkeiten fehlte. Eine andere Aufgabe, die noch nicht hinreichend gelöst ist, ist der Kampf gegen Pädophilie innerhalb der Katholischen Kirche. Hier wurde bereits energisch vorgegangen, aber noch nicht energisch genug. Insbesondere scheint die Kurie noch nicht die Tragweite des Problems begriffen zu haben: Sonst hätte etwa Bernard Kardinal Law, der beschuldigt wird, pädophile Priester gedeckt zu haben, heute keine Novendiali-Messe zelebrieren dürfen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,350746,00.html Dieses Vorgehen zeigt, vorsichtig ausgedrückt, mangelndes Fingerspitzengefühl.
Julia B., 11.04.2005
4. Kein Fanatismus
Wenn von "Verherrlichung" des verstorbenen Heiligen Vaters Johannes Pauls II., gesprochen wird und der Gefahr des "religiösen Fanatismus", so trifft dies nicht die Sache: Viele Menschen haben schlichtweg erkannt, daß ein GROSSER MANN von uns gegangen ist. Daß unter den vielen Trauergästen nicht nur Katholiken und Vertreter anderer christlicher Konfessionen waren, sondern auch etwa Vertreter des Judentums und des Islam zeigt, daß es sich gerade nicht einfach um "fanatische Katholiken" handelte, die trauern. Fidel Castro hat übrigens auch seine Trauer bekundet.
Henner Dehn, 11.04.2005
5.
Julia B. Das bezieht sich auf eine bestimme Person Frau B. Nicht auf die Allgemeinheit. Ihnen allerdings täte eine kritischere Haltung auch ganz gut. Im übrigen ein bisschen sehr viel, was Sie einstellen. Da verliert man eher die Lust, das noch alles zu lesen.
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