Jury Beschuldiger waren unglaubwürdig

Nach dem Freispruch für Michael Jackson hat die Jury erklärt, wie sie zu ihrem Urteil kam. Der Hauptgrund: Die zwölf Geschworenen hielten den 15 Jahre alten Beschuldiger und seine Mutter für unglaubwürdig. Von Jacksons Berühmtheit hätten sie sich nicht beeinflussen lassen.


not guilty: Die Geschworenen sprachen Jackson frei
AFP

not guilty: Die Geschworenen sprachen Jackson frei

Santa Maria - "Wir mussten ihn behandeln wie jeden anderen auch", sagte der 63-jährige Jury-Vorsitzende in der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz kurz nach der Urteilsverkündung. Die Entscheidung sei einvernehmlich gefallen. Dabei folgte die Jury vor allem den Argumenten der Verteidigung, die versucht hatte, die Glaubwürdigkeit des angeblichen Missbrauchsopfers und seiner Mutter in Frage zu stellen.

Die beiden hätten den Eindruck von Lügnern und Betrügern gemacht, sagte eine 45-jährige Geschworene. "Welche vernünftige Mutter würde ihr Kind im Bett eines Fremden übernachten lassen", fügte die Frau hinzu. Die Tatsache, dass Jackson zahlreiche Sexhefte zu Hause aufbewahrt habe, hätte die Vorwürfe des Missbrauchs nicht untermauert. "Jeder hat das Recht, solche Hefte zu besitzen", erklärte der Jury-Vorsitzende.

Die Juroren gaben an, dass sie strikt den Anweisungen des Richters folgten, alle Beweisstücke unter die Lupe nahmen und sich ohne Streit unter der Vorgabe "jenseits eines vernünftigen Zweifels" auf einen Freispruch einigten. Die mit 79 Jahren älteste Jurorin kritisierte den Auftritt der Mutter des heute 15-jährigen Jungen im Zeugenstand. Die Frau hätte mit den Fingern geschnalzt, die Juroren angestarrt und durch ihr seltsames Verhalten einen schlechten Eindruck gemacht, gab die weißhaarige Geschworene an.

Die Jury-Mitglieder wurden namentlich nicht genannt. Sie baten darum, so anonym in ihr Alltagsleben zurückzukehren wie sie auch in die Jury gewählt worden seien.

Die acht Frauen und vier Männer hatten Jackson nach siebentägigen Beratungen am Montag in allen Anklagepunkten frei gesprochen. Dabei mussten sie in jedem der zehn Punkte ein einstimmiges Urteil fällen. In der Hauptsache war Jackson vorgeworfen worden, im Frühjahr 2003 einen 13-jährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Zudem war er angeklagt, die Familie des Jungen unter Druck gesetzt und quasi gefangen gehalten zu haben.



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