18 Jahre Gefangenschaft Dugards Entführer bekennen sich schuldig

Der Fall rief weltweit Entsetzen hervor: 18 Jahre lang hielt Phillip Garrido die US-Amerikanerin Jaycee Dugard gefangen, er missbrauchte sie und zeugte zwei Kinder mit ihr. Nun haben sich der Angeklagte und seine Frau schuldig bekannt.


Los Angeles - 18 Jahre lang wurde Jaycee Dugard von ihren Entführern in einem Versteck in Kalifornien gefangen gehalten, nun haben sich ihre Peiniger vor Gericht schuldig bekannt. Der 59-jährige Phillip Garrido, der mit seinem Opfer zwei Kinder gezeugt hatte, wird voraussichtlich den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Seine Frau muss ebenfalls mit einer langen Haftstrafe rechnen. Das Strafmaß soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft am 2. Juni verkündet werden.

Ohne das Schuldbekenntnis wäre es zu einem Prozess gekommen, in dem Dugard gegen ihren Peiniger hätte aussagen sollen. "Ich bin erleichtert, dass Phillip und Nancy Garrido endlich ihre Schuld zugegeben und ihre Verbrechen gegen mich und meine Familie gestanden haben", ließ die heute 30-Jährige durch ihre Sprecherin mitteilen. Bezirksstaatsanwalt Vern Pierson zeigte sich erleichtert, dass Dugard und ihrer Familie die Aussage erspart blieb.

Hintergrund des Schuldbekenntnisses ist eine Vereinbarung zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Demnach soll Garrido zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt werden, seine 55-jährige Frau zu mindestens 36 Jahren bis Lebenslänglich, wie eine Gerichtssprecherin des Verwaltungsbezirks El Dorado sagte.

Jaycee Dugard war 1991 als Elfjährige auf dem Weg zur Haltestelle des Schulbusses im kalifornischen South Lake Tahoe entführt worden. Garrido wird vorgeworfen, das Mädchen mit Wissen seiner Frau in Zelten und einem Schuppen in einem versteckten Teil seines Gartens in Antioch östlich von San Francisco festgehalten zu haben. Dort lebte Dugard in permanenter Gefangenschaft und brachte zwei Kinder von ihrem Entführer zur Welt. Entdeckt und befreit wurde die junge Frau erst durch Zufall im August 2009.

Phillip und Nancy Garrido wurden im Oktober vor einem Geschworenengericht in Placerville im US-Bundesstaat Kalifornien angeklagt - unter anderem wegen Vergewaltigung und Entführung.

Dugard wohnt heute gemeinsam mit ihrer Familie an einem geheim gehaltenen Ort. Der Bundesstaat Kalifornien zahlte ihr 20 Millionen Dollar (gut 13,5 Millionen Euro) Schadensersatz. Der Fall hatte heftige Kritik an den kalifornischen Justizbehörden ausgelöst. Phillip Garrido war bereits in den siebziger Jahren wegen Vergewaltigung einer Frau verurteilt worden. Während er Dugard festhielt, befand er sich nur unter Bewährungsauflagen auf freiem Fuß und hätte eigentlich von den Behörden strikt überwacht werden müssen.

Beamte hatten bei ihrer Überprüfung Garridos auch mit Dugard und der älteren Tochter gesprochen. Sie schöpften aber keinen Verdacht und versäumten es, der Identität der jungen Mutter und ihrer beiden Kinder sowie der Beziehung zu Garrido nachzugehen.

hut/afp/dpa

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