230 gerettete Kinder Europol zerschlägt weltgrößten Kinderporno-Ring

670 Verdächtige, 230 befreite Kinder, fast 200 Festnahmen: Der europäischen Polizeibehörde Europol ist bei einer internationalen Razzia ein großer Schlag gegen einen Pädophilenring gelungen. Die Fahnder hatten jahrelang ermittelt.

Polizei-Kooperation Europol: Ergebnis rund dreijähriger Ermittlungsarbeit
AP

Polizei-Kooperation Europol: Ergebnis rund dreijähriger Ermittlungsarbeit


Den Haag - Die Befreiungsaktion hätte kaum einen passenderen Namen haben können: Bei der "Operation Rettung" ist die Polizei mit einer großangelegten Aktion in mehreren Staaten gegen einen internationalen Pädophilenring vorgegangen. Der Leiter der europäischen Polizeibehörde Europol, Rob Wainwright, sagte in Den Haag, es handele sich um das "vielleicht größte Online-Pädophilennetzwerk der Welt".

Durch die Razzien seien 230 Kinder vor weiteren schrecklichen Verbrechen bewahrt worden. Insgesamt 670 Mitglieder des Pädophilenrings boylover.net wurden bisher identifiziert.

Bei den vor drei Jahren begonnenen Ermittlungen, in die die Polizei in 25 europäischen und acht weiteren Ländern eingebunden waren, wurden 670 Verdächtige identifiziert, wie Wainwright sagte. 184 von ihnen seien bereits festgenommen worden. Die Zahlen dürften nach Wainwrights Einschätzung aber weiter steigen. Es handele sich schon jetzt um eine der größten Polizeiaktionen gegen ein Kinderporno-Netzwerk im Internet.

Die Seite diente der Kontaktanbahnung - sie hatte 70.000 Mitglieder

Die Fahnder stießen nach der Festnahme eines 37-jährigen Niederländers Ende 2009 auf den Ring. Der Mann wurde inzwischen wegen des Besitzes von Kinderpornografie und Missbrauchs von Minderjährigen zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Teil der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Der Niederländer soll einen Internetserver kontrolliert haben, über den das ganze Pädophilennetz miteinander Kontakt hielt und Materialien austauschte. Dem Netzwerk, das sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und minderjährigen Jungen anpries, gehörten laut Europol bis zu 70.000 Mitglieder an. Sie tauschten kinderpornografische Fotos und Filme nicht direkt über das Internetforum, sondern per E-Mail aus. Das Netzwerk nutzte einen Internetserver in den Niederlanden.

Die Razzien waren in Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Polen, Rumänien, Griechenland, Spanien, Italien und Island sowie in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland erfolgt. Deutschland wurde nicht genannt, allerdings wird in einigen Ländern noch ermittelt.

han/jar/AFP/dapd



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