32-Jährige erstochen und von Lkw überfahren Ehemann soll seine Frau aus Rache ermordet haben

Was zunächst wie ein Unfall aussah, erwies sich als mutmaßlicher Mord: Auf der A7 bei Schleswig wurde eine Frau von einem Lastwagen überrollt – die Leiche wies 24 Messerstiche auf. Jetzt steht der Ehemann vor Gericht.
Gerichtssaal im Landgericht Flensburg (Symbolbild)

Gerichtssaal im Landgericht Flensburg (Symbolbild)

Foto: Christian Charisius / dpa

Rund ein halbes Jahr ist es her, dass die Polizei am frühen Morgen zu einem Verkehrsunfall mit einer toten Person auf der A7 nahe Schleswig gerufen wurde. Eine Frau war von einem Lkw überrollt worden. Doch schnell wurde klar: Dem angeblichen Unfall ging wohl ein Gewaltverbrechen voraus.

24 Messerstiche wies die Leiche der 32-Jährigen auf. Schnell geriet ihr 34-jähriger Ehemann unter Tatverdacht. Der Syrer, der mit seiner ebenfalls syrischen Ehefrau zuletzt im dänischen Aarhus gelebt hatte, muss sich seit Montag vor dem Landgericht Flensburg wegen Mordes verantworten.

Ehefrau wollte sich offenbar trennen

Er habe seine Frau am 20. November 2021 aus niedrigen Beweggründen getötet, sagte die Staatsanwältin bei der Anklageverlesung. Er habe aus gekränkter Ehre und aus Rache beschlossen, sie umzubringen.

Der Anklagevertretung zufolge hatte die Frau Trennungsabsichten. Der Ehemann sei bereits in der Vergangenheit gewalttätig gewesen. Aus diesem Grund habe er auch das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Söhne verloren.

Das Ehepaar war am Tag der Tat frühmorgens auf der Autobahn in Richtung Hamburg unterwegs, als der Mann nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nahe Schleswig auf dem Standstreifen anhielt und mit einem Küchenmesser mindestens 24-mal auf seine Frau einstach, um sie zu töten.

Auf die Fahrbahn gedrängt

Die 32-Jährige sei vom Beifahrersitz zunächst auf die Rückbank geflüchtet und später vom Angeklagten in Richtung Fahrbahn gedrängt worden, sagte die Staatsanwältin. Die Frau sei dann bei Lürschau nahe der Autobahnausfahrt Schleswig/Schuby von einem Lastwagen erfasst worden und noch vor Ort gestorben. Ihren Tod habe der 34-Jährige in Kauf genommen, sagte die Staatsanwältin.

Er ließ sich am Tatort widerstandslos festnehmen. Er kam zunächst in ein psychiatrisches Krankenhaus und später in Untersuchungshaft. Der Lastwagenfahrer konnte nicht ermittelt werden.

Am Montagmittag sagten zwei Ersthelfer vor der 1. Großen Strafkammer aus. Eine Krankenschwester, die von Flensburg aus auf dem Weg zur Arbeit nach Rendsburg war, kam als Erste am Ort des Geschehens an.

Sie sei gegen 6.05 Uhr an der Unfallstelle vorbeigefahren und habe ein Auto mit drei geöffneten Türen gesehen, sagte die Zeugin. Sie habe die Geschwindigkeit gedrosselt und gesehen, dass vor dem Wagen eine Person gelegen habe. Sie habe daraufhin angehalten und die Person angesprochen, dann aber gesehen, dass diese nicht mehr lebe. Dass es sich dabei um eine Frau handelte, habe sie erst nicht erkannt.

Messer auf Zeugin gerichtet

Die Zeugin setzte eigenen Angaben zufolge einen Notruf ab und bemerkte dann einen Mann, der am Auto stand und sich über den Beifahrersitz ins Auto beugte.

Sie habe ihn angesprochen und ihn mit der Taschenlampe ihres Handys angeleuchtet. Daraufhin habe er sich mit einem Messer in der Hand zu ihr umgedreht und etwas in einer ihr nicht bekannten Sprache gesagt, berichtete die Frau. Sie habe sich bedroht gefühlt, auch weil das Messer auf sie gerichtet gewesen sei.

Insgesamt habe der Mann auf sie einen abwesenden, nicht ansprechbaren Eindruck gemacht, so die Zeugin weiter. Der zweite Helfer, der wenige Minuten später den Tatort erreichte, sagte vor Gericht, der Mann habe aufgewühlt und aufgebracht gewirkt. Kontakt zu ihm habe er aber nicht gehabt.

Anwalt geht von Unschuld seines Mandanten aus

Der Angeklagte selbst äußerte sich nicht zu seiner Person oder zur Tat. Sein Anwalt stellte seinen Mandanten in einem Eröffnungsstatement als unschuldig dar. Das Statement ist den Angaben zufolge nicht als Einlassung des Angeklagten im Sinne der Strafprozessordnung zu verstehen. Was sich genau ereignet habe, sei nicht bekannt. Es seien noch eine Vielzahl an Fragen zu klären, und auch eine Anklage könne falsch sein.

Ein solches »Opening Statement« zu Verhandlungsbeginn ist eher ungewöhnlich. Gestattet ist es aber bei Verhandlungen, für die mehr als zehn Prozesstage angesetzt sind, wie der Vorsitzende Richter sagte. In diesem Fall sind bisher 22 Sitzungstage bis Anfang Oktober geplant.

ala/dpa
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