43 vermisste Studenten Mexiko rollt Ermittlungen neu auf

Die offiziellen Verlautbarungen zum Verschwinden 43 mexikanischer Studenten sind fragwürdig. Nun soll neu ermittelt werden. Doch freie Hand will Mexiko unabhängigen Experten nicht lassen.

Gedenkmarsch für 43 verschwundene Studenten: Neue Ermittlungen
AP

Gedenkmarsch für 43 verschwundene Studenten: Neue Ermittlungen


Über ein Jahr nach der Entführung und dem mutmaßlichen Mord an 43 Studenten in Mexiko reagieren die Behörden auf die heftige Kritik an der bisherigen Ermittlungsarbeit. Die Aufklärung des Falls wird von der Staatsanwaltschaft für organisiertes Verbrechen an die Staatsanwaltschaft für Menschenrechte übertragen.

Darauf einigten sich die mexikanische Regierung und die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) am Dienstag in Washington. Der Wechsel solle zu einer neuen Sichtweise auf den Fall beitragen, sagte CIDH-Expertin Ángela Buitrago. Sie wird an den neuen Ermittlungen beteiligt sein. Nach den Studenten soll nun mithilfe von Drohnen und Satellitentechnologie gesucht werden. Zudem soll eine Karte von Stellen erstellt werden, an denen Menschen heimlich begraben wurden.

Eine gründliche Überprüfung der Ermittlungen scheint dringend geboten, weil es erhebliche Zweifel an der offiziellen Darstellung gibt. Demnach wurden die 43 jungen Männer am 26. September 2014 in der Stadt Iguala im südwestlichen Bundesstaat Guerrero von Polizisten verschleppt und der kriminellen Organisation Guerreros Unidos übergeben. Inzwischen wurde der mutmaßliche Hauptverantwortliche der Bande gefasst.

Igualas Bürgermeister soll den Polizeieinsatz angeordnet haben, um zu verhindern, dass die Studenten eine Rede seiner Ehefrau stören. Bandenmitglieder sollen die Studenten der linken Landuniversität Ayotzinapa getötet und die Leichen auf einer Müllkippe verbrannt haben.

Eine CIDH-Expertengruppe hatte diese Version bezweifelt und die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft als schlampig und lückenhaft bezeichnet. Die CIDH-Fachleute sahen es unter anderem als unmöglich an, dass so viele Leichen in kurzer Zeit hätten verbrannt werden können. Bisher erbrachte ein DNA-Abgleich der verkohlten Überreste nur eine eindeutige Übereinstimmung mit zwei der vermissten Studenten.

Die Angehörigen der Opfer forderten, dass die CIDH-Experten ihre Ermittlungen in Mexiko fortsetzen. Das Team will nun unter anderem die am Tatort stationierten Soldaten zu dem Vorfall befragen. Das mexikanische Innenministerium hingegen will nur eine Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft zulassen.

ulz/dpa/AP/Reuters

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