431 Jahre Haft für Peiniger Drastische Strafen für Dugards Entführer

Schlusspunkt eines grauenhaften Entführungsfalls: 18 Jahre lang wurde die US-Amerikanerin Jaycee Dugard gefangen gehalten und sexuell missbraucht - sogar zwei Kinder zeugte ihr Peiniger mit ihr. Jetzt hat ein Gericht Phillip Garrido und seine Frau zu hohen Haftstrafen verurteilt.

REUTERS

Los Angeles - Das Schicksal Jaycee Dugards rief weltweites Entsetzen hervor - nun kommen die Entführer der 18 Jahre lang als Sexsklavin gefangengehaltenen US-Amerikanerin für den Rest ihres Lebens hinter Gitter. Ein Gericht im US-Bundesstaat Kalifornien verhängte am Donnerstag das Strafmaß gegen Phillip Garrido und seine Frau Nancy, die sich im April schuldig bekannt hatten, Dugard als junges Mädchen entführt und anschließend in ihrer Gewalt immer wieder sexuell missbraucht zu haben.

Das Gericht in Placerville verurteilte den 60-jährigen Phillip Garrido zu 431 Jahren Haft. Seine Ehefrau und Komplizin Nancy wurde zu mindestens 36 Jahren Gefängnis bis lebenslänglich verurteilt. Zwar erschien das heute 31-jährige Opfer am Donnerstag selbst nicht vor Gericht, sie ließ ihre Mutter aber eine erschütternde Botschaft verlesen, in der sie sagte, "jede einzelne Sekunde" ihrer Tortur gehasst zu haben, und, an die Täter gerichtet: "Ich hoffe, Ihr habt so viele schlaflose Nächte, wie ich hatte."

Das Urteil beruht auf einer Vereinbarung zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Im Gegenzug für das Geständnis der beiden Peiniger im April einigten sich die Parteien auf das Strafmaß. Bis dahin hatte das Ehepaar alle Vorwürfe abgestritten. Durch das Schuldeingeständnis blieb dem Opfer und ihren beiden Kindern eine Aussage als Zeugen vor Gericht erspart.

Nancy Garridos Anwalt verlas eine Erklärung, in der sie einräumte, etwas "Böses" getan zu haben und sich für ihr Handeln entschuldigte. Dugard warf ihren Peinigern "verwerfliches" Verhalten vor. "Es gibt keinen Gott im Universum, der eure Taten dulden würde", hieß es in ihrer von ihrer Mutter verlesenen Erklärung. Die 18 Anklagepunkte lauteten unter anderem auf Vergewaltigung und Entführung.

Jaycee Dugard war 1991 als Elfjährige auf dem Weg zur Haltestelle des Schulbusses im kalifornischen South Lake Tahoe entführt worden. Der heute 60-jährigen Garrido gab zu, das Mädchen mit Wissen seiner Frau in Zelten und einem Schuppen in einem versteckten hinteren Teil seines Gartens in Antioch östlich von San Francisco festgehalten zu haben. Dort lebte Dugard in permanenter Gefangenschaft und brachte zwei Kinder von ihrem Entführer zur Welt. Entdeckt und befreit wurde die junge Frau erst durch Zufall im August 2009.

Der Bundesstaat Kalifornien hatte Dugard bereits im vergangenen Jahr eine Entschädigung in Höhe von 20 Millionen Dollar zugesprochen. Die Justiz hatte schwere Fehler bei den Ermittlungen einräumen müssen.

So hätten Beamte bei ihrer Überprüfung des vorbestraften Sexualverbrechers Garrido auch mit Dugard und der älteren Tochter gesprochen. Sie schöpften aber keinen Verdacht und versäumten es, der Identität der jungen Mutter und ihrer beiden Kinder sowie der Beziehung zu Garrido nachzugehen.

Dugard wohnt heute gemeinsam mit ihrer Familie an einem geheim gehaltenen Ort in Nordkalifornien. Sie will in Kürze ihre Autobiografie vorlegen - das Buch unter dem Titel "Stolen Life" soll Mitte Juli in den USA erscheinen.

fdi/AFP/dpa

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