Schuldig in 129 Fällen 45-Jähriger wegen Kindesmissbrauchs zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt

In seiner Wohnung in Ulm missbrauchte ein Mann seine Halbschwester und vier weitere Mädchen. Mehr als 15 Jahre nach den Übergriffen ist er nun schuldig gesprochen worden.

In Ulm ist ein 45-Jähriger zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass sich der Angeklagte in 129 Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern schuldig gemacht hatte – in zwei Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Er muss zudem eine Geldstrafe von 2400 Euro zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, in den Jahren 1996 bis 2005 in mehr als 400 Fällen sexuellen Missbrauch an Kindern begangen zu haben. In den übrigen Fällen sprach das Gericht den Mann jedoch frei. Bei der Urteilsbegründung betonte das Gericht, dass die Taten extrem lange zurücklägen und sehr viele Taten zur Anklage gestanden hätten. Die genaue Anzahl bleibe unklar und man habe im Zweifel für den Angeklagten entschieden.

Das Gericht sprach den Mann deshalb nur für die Taten schuldig, von denen mehrere der heute erwachsenen Geschädigten übereinstimmend berichtet hatten oder von denen sie bestimmte Einzelheiten auch nach so vielen Jahren erinnerten. In anderen Fällen sei ein Tatnachweis nicht möglich gewesen, hieß es zur Urteilsbegründung.

Das Gericht würdigte beim Strafmaß das Geständnis des Angeklagten, auch wenn es »vage und ohne Details« gewesen sei. Zudem kam ihm zugute, dass er sich bei den Geschädigten entschuldigt hatte. Die Richter berücksichtigten auch, dass er eine Therapie abgeschlossen habe und in einer festen Beziehung mit seiner Frau lebe.

Da sich das Verfahren gegen den Mann wegen vorrangig zu verhandelnden Haftverfahren und anderen größeren Verfahren am Landgericht Ulm um rund zwei Jahre verzögert hatte, gelten zwei Monate der Freiheitsstrafe des Mannes bereits als verbüßt, sollte er gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Taten geschahen in den Jahren 1996 bis 2005, der Mann gestand sie vor Gericht teilweise. In seiner Wohnung in Ulm hatte er seine Halbschwester und vier weitere Mädchen nach Überzeugung des Gerichts wiederholt sexuell missbraucht. Die Mädchen waren zum Zeitpunkt der Taten zwischen 6 und 13 Jahre alt, der Angeklagte 20 bis 29 Jahre.

Mann gab Mädchen Alkohol

Zu Prozessbeginn Mitte August räumte der Angeklagte einen Teil der Vorwürfe ein. Er gab an, dass sich seine Halbschwester und vier Freundinnen des Mädchens wiederholt in seiner Wohnung in Ulm aufgehalten hätten und dabei ganz oder teilweise unbekleidet gewesen seien. Seinen Angaben nach gab er den Mädchen auch Alkohol zu trinken und fasste sie an, während sie nackt waren.

Die Mädchen wohnten demnach zum Teil in der Nachbarschaft des Mannes. Zwei von ihnen waren Töchter eines Arbeitskollegen, wie der Angeklagte vor Gericht schilderte. Zum Motiv sagte der Mann, er habe sich früher für kleine Mädchen interessiert und diese gern angeschaut. Bei erwachsenen Frauen habe er wenig Chancen gehabt. Er verneinte jedoch vor Gericht, auch heute noch eine solche Neigung zu besitzen.

Das Verfahren hatte bereits Ende Juni erstmals begonnen. Wegen der möglichen Befangenheit einer Schöffin war es zunächst ausgesetzt worden. Die Schöffin hatte gleich zu Beginn mitgeteilt, mit den Eltern eines der mutmaßlichen Opfer »gut befreundet« zu sein und auch die Mutter des Angeklagten zu kennen. Vier der fünf Opfer waren Nebenklägerinnen in dem Verfahren.

kha/ptz/dpa
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