Betonplatte auf A3 Behördenfehler sollen tödlichen Unfall mitverursacht haben

Bei Köln wurde eine Frau in ihrem Auto von einer herabfallenden Betonplatte erschlagen. Laut einem Bericht waren Regelverstöße der Baufirma ursächlich – aber auch Versäumnisse der Behörden.  
Arbeiter entfernen am 19. November potenziell gefährliche Betonplatten an der A3

Arbeiter entfernen am 19. November potenziell gefährliche Betonplatten an der A3

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Behördenfehler sollen laut Erkenntnissen des NRW-Verkehrsministeriums mindestens »mitursächlich« für einen Unfall auf der Autobahn 3 bei Köln gewesen sein, bei dem eine Frau starb. Laut einem Bericht an den Landtag kam es beim Landesbetrieb Straßen.NRW zu Fehlern bei Prüf- und Abnahmeprozessen der Schallschutzkonstruktion.

So hätte die Platte laut Ministerium nie eingebaut werden dürfen. Auch danach sei es zu Fehlern gekommen. Die Betonplatte hatte Mitte November eine 66-jährige Kölnerin in ihrem Wagen erschlagen.

Das Verkehrsministerium hatte bereits kurz nach dem Vorfall eine fehlerhafte Verankerung der Betonplatte in der Schallschutzkonstruktion als Ursache ausgemacht. »Anders als zunächst nach dem Unfall angenommen, musste nach Auswertung der Bauakten festgestellt werden, dass diese nicht richtlinienkonforme Befestigung einiger Lärmschutzelemente der örtlich zuständigen Bauüberwachung des Landesbetriebes bekannt gewesen war«, heißt es im aktuellen Bericht des Verkehrsministeriums.

Die improvisierten Verankerungen seien im Juli 2008 vier Wochen vor dem Einbau der Platten aufgefallen und die Baufirma per E-Mail gefragt worden, ob sie die sichere Statik nachweisen könne. Ohne eine Antwort darauf wurden die Betonplatten in der Nacht zum 28. August 2008 eingebaut und die Strecke Stunden später feierlich eröffnet.

»Irgendwann nicht mehr nachgefragt«

Die Abnahme sei nur unter Vorbehalt erfolgt. Nachdem die Firma nicht antwortete, habe man – so das Fazit des Berichts – irgendwann auch nicht mehr nachgefragt. Eine Prüfung durch Dritte habe es nicht gegeben. Die Firma meldete 2013 Insolvenz an.

In den Jahren danach sei es zu weiteren Fehlern gekommen: So habe der Landesbetrieb bei den betroffenen Stützwänden »die Hauptprüfungen nach DIN 1076 nicht regelkonform durchgeführt«, schreibt das Ministerium. Weder im Herbst 2008 noch 2013 habe man die fehlerhaften Verankerungen bemerkt, da man nicht – wie vorgeschrieben – auch hinter die Platten geguckt habe.

Betonplatte zuletzt mit »sehr gut« bewertet

Dennoch war die Platte laut einem Bericht der Landesregierung Nordrhein-Westfalen an den Verkehrsausschuss des Düsseldorfer Landtags bei ihrer letzten Untersuchung im Jahr 2013 mit »sehr gut« bewertet worden. Demnach waren die Mängel an der Halterung allerdings nicht sichtbar.

»Es ist davon auszugehen, dass auch bei der kommenden Prüfung die fehlerhafte Konstruktion nicht aufgefallen wäre, weil sie versteckt hinter der Lärmschutzplatte liegt«, schreibt das Verkehrsministerium in dem Bericht.

ala/dpa
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