SEK-Einsatz in NRW Razzia nach "Hochzeitsblockade" auf A3

Sie sollen für Fotos andere Autos ausgebremst haben: Nach einer "Hochzeitsblockade" auf der A3 bei Ratingen hat die Polizei Häuser nahe Wesel untersucht - mit Spezialkräften.

Hochzeitskorso auf der A3 im März
Polizei Düsseldorf/dpa

Hochzeitskorso auf der A3 im März


Die Ermittler der Kommission "Donut" schlugen mit Bereitschaftspolizisten und einem Spezialeinsatzkommando zu: Im Raum Wesel hat die Polizei nach einer Autoblockade auf der A3 bei Ratingen sieben Wohnungen von acht Verdächtigen durchsucht, teilten die Beamten mit. Dutzende Polizisten waren im Einsatz.

Hintergrund ist ein Vorfall am 22. März. Mehrere - geliehene - Luxuswagen einer Hochzeitsgesellschaft bremsten den Verkehr auf der Autobahn aus, um Fotos auf der Fahrbahn zu machen. Eine Zivilstreife wurde zufällig Zeuge, wie ein Mercedes-Benz E 350, ein Audi R8 und ein Porsche 911 zunächst mit Warnblinkanlage den Verkehr ausbremsten.

Die Düsseldorfer Polizei gründete im Nachgang die Ermittlungskommission "Donut", benannt nach den kreisrunden Beschleunigungsspuren, die bei der Blockade auf der A3 durch einen der Autofahrer gezogen worden waren. Bei einer Kontrolle hatten die Beteiligten laut Polizei zu Protokoll gegeben, man "kenne einen guten Anwalt".

122 Einsätze wegen Hochzeiten in NRW - in sechs Wochen

Bei den aktuellen Razzien stellte die Polizei nach eigenen Angaben umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter sollen Speichermedien, Handys und Computer sein. Auch Drogen und mutmaßlich illegale Medikamente seien beschlagnahmt worden.

"Jeder, der meint, er könne auf Autobahnen und in Innenstädten machen, was er will, muss damit rechnen, dass er unter Umständen auch von Polizeibeamten aus dem Bett geholt wird", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) zu den Durchsuchungen.

"Wer meint, Autobahnen zu blockieren und dadurch andere in Lebensgefahr zu bringen, muss damit rechnen, dass wir als Polizei konsequent gegen ihn vorgehen werden", sagte Polizeipräsident Norbert Wesseler. "Wir werden mit allen rechtsstaatlichen Mitteln daran arbeiten, die Verantwortlichen buchstäblich aus dem Verkehr zu ziehen."

Eskalierte Feiern vor allem türkischer Hochzeitsgesellschaften hatten in den Wochen nach dem Vorfall auf der A3 immer wieder Aufsehen erregt. Ein internes Lagebild der Polizei listete nach Angaben des NRW-Innenministeriums 122 Einsatzanlässe wegen Hochzeiten zwischen dem 1. April und Mitte Mai auf. Innenminister Reul hatte bereits nach den ersten Vorkommnissen gesagt: "Autobahnen und Innenstädte sind keine privaten Festsäle."

Im Video: Inside Polizei - Einsatz auf der Autobahn

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apr/dpa

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