Aachen Gericht verurteilt "Brummi-Andi" zu mehr als vier Jahren Haft

Der Kriminelle "Brummi-Andi" wurde zahlreicher Straftaten für schuldig befunden, unter anderem der Körperverletzung. Einige Vorwürfe hielt das Landgericht Aachen jedoch für nicht erwiesen.

Der Angeklagte neben seinem Anwalt Marcus Hertel im Landgericht Aachen
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Der Angeklagte neben seinem Anwalt Marcus Hertel im Landgericht Aachen


Das Landgericht Aachen hat einen als "Brummi-Andi" bekannt gewordenen Serienstraftäter zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. 20 Straftaten sahen die Richter als erwiesen an - unter anderem versuchte schwere Brandstiftung, Körperverletzung und Geldfälschung.

Verurteilt wurde der 33-Jährige auch wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Mit hoher Geschwindigkeit war er demnach in Solingen in einer Wohnstraße unterwegs gewesen. Obwohl ihm ein Auto entgegenkam, sei er wie üblich rabiat und aggressiv und nur auf seine eigenen Belange bedacht gewesen, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Obwohl die Fahrerin des anderen Autos noch auf die Bordsteinkante auswich, kam es zur Kollision. Zwei geparkte Autos wurden dabei demoliert.

Die im Raum stehende Sicherungsverwahrung verhängten die Richter nicht. Es wäre noch verfrüht, von einem Hang zu gefährlichen Straftaten zu sprechen, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Beneking. "Ob es so kommen wird, hängt von Ihnen ab", sagte er zu dem Angeklagten.

"Irgendwann ist Schluss mit Jugendlichkeit"

Zuvor hatte ein Gutachter keinen krankhaften Hang zu erheblichen oder gefährlichen Straftaten gesehen. "Wir sind der Meinung, Anhaltspunkte für eine gewisse Nachreifung gesehen zu haben. Aber irgendwann ist Schluss mit Jugendlichkeit", sagte Beneking.

72 Straftaten waren in dem Aachener Verfahren angeklagt, von 52 wurde der 33-Jährige freigesprochen - darunter von den schwerwiegenden Vorwürfen Zwangsprostitution und Zuhälterei. Wichtige Zeugen seien unglaubwürdig gewesen, sagte Beneking: "Im Zweifel für den Angeklagten".

Für die Staatsanwältin Tanja Gülicher-Schmitt waren die angeklagten Taten allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Sie hatte für 26 Straftaten mehr als fünf Jahre Haft gefordert. Aus ihrer Sicht sollte der Angeklagte lebenslang keine Fahrerlaubnis mehr bekommen, weil er berauscht und rücksichtslos auf den Straßen unterwegs war.

Bereits als Jugendlicher hatte der heute 33-Jährige mit gestohlenen Lastwagen Spritztouren unternommen und dabei im Alter von 14 Jahren einen Polizisten getötet, als er mit einem gestohlenen Lastzug in den Niederlanden eine Straßensperre durchbrach. Dafür hatte ihn das Landgericht Düsseldorf 2001 zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt.

bbr/dpa



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