Vorwürfe gegen Dozenten am Abraham Geiger Kolleg Zentralrat der Juden weitet Untersuchung aus

Im Frühjahr wurden Vorwürfe sexualisierter Gewalt am Abraham Geiger Kolleg öffentlich. Der Zentralrat der Juden beauftragte eine Kanzlei mit der Untersuchung der Vorwürfe – die nun eine weitere Einrichtung umfasst.
School of Jewish Theology an der Universität Potsdam

School of Jewish Theology an der Universität Potsdam

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Jürgen Ritter / IMAGO

Nach Vorwürfen sexualisierter Belästigung am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam wird die Untersuchung nach Angaben des Zentralrats der Juden auf die School of Jewish Theology an der Universität Potsdam ausgeweitet. Dies teilte der Zentralrat am Mittwoch in Berlin als Zwischenstand der Untersuchung mit, die die Kölner Anwaltskanzlei Gercke Wollschläger in seinem Auftrag führt.

Die Anwaltskanzlei hat nach Angaben des Zentralrats der Juden in Deutschland Erkenntnisse erlangt, die nahelegen, den Untersuchungsauftrag auf die School of Jewish Theology auszuweiten. Der Zentralrat sei der Ausweitung gefolgt, um keinerlei Zweifel an der Untersuchung durch die Kanzlei aufkommen lassen zu können. Er sei nicht in die Untersuchung involviert. Das Institut für Jüdische Theologie ist Teil der Universität Potsdam. Künftige progressive Rabbiner studieren gleichzeitig dort und am Abraham Geiger Kolleg.

Lückenlose, vorbehaltlose und unabhängige Aufklärung sei oberstes Gebot, betonte Zentralratspräsident Josef Schuster: »Wir müssen möglichst verhindern, dass im Rahmen der Untersuchung einzelne, eventuell relevante Bereiche ausgespart werden und dadurch nach Veröffentlichung des Gutachtens Raum für Vorwürfe entstehen könnte, die Aufklärung sei fragmentarisch oder halbherzig betrieben worden.« Was genau die bisher 75 Befragungen der Kanzlei ergeben haben, blieb offen.

Die Vorwürfe der sexualisierten Belästigung durch einen Dozenten am Abraham Geiger Kolleg wurden im Mai in einem Bericht der »Welt«  öffentlich. Auch der SPIEGEL berichtete ausführlich . Der Rektor des Rabbinerkollegs, Walter Homolka, ließ seine Ämter ruhen. Homolka war auch Vizedirektor der School of Jewish Theology und Vorsitzender der Leo Baeck Foundation.

Nach Angaben des Zentralrats wurden Interviews mit Verantwortungsträgern der Einrichtungen sowie mit Betroffenen und Hinweisgebern geführt. Bei den Einrichtungen handele es sich neben dem Abraham Geiger Kolleg um die Leo Baeck Foundation, das Zacharias Frankel College, das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk, die Union progressiver Juden und die Allgemeine Rabbinerkonferenz. Weitere Interviews seien geplant. Mit Ergebnissen sei Ende des Jahres zu rechnen.

Die Universität Potsdam hatte vor Kurzem angekündigt, bald erste Untersuchungsergebnisse zu veröffentlichen. Dazu sei für Ende September oder Anfang Oktober eine Pressekonferenz geplant. Am Abraham Geiger Kolleg werden seit 1999 Rabbiner für jüdische Gemeinden ausgebildet.

wit/dpa
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