Abschuss von Flug MH17 Ukraine will Verdächtigen festnehmen

Neben drei Russen soll auch ein Ukrainer für den Abschuss von Flug MH 17 verantwortlich sein. Der Generalstaatsanwalt des Landes hat nun angekündigt, den Mann festzunehmen.

Juri Lutsenko: Ukrainischer Generalstaatsanwalt
ROBIN VAN LONKHUIJSEN/EPA-EFE/REX

Juri Lutsenko: Ukrainischer Generalstaatsanwalt


Vier ranghohe prorussische Rebellen werden nach dem Abschuss von Flug MH17 wegen 298-fachen Mordes strafrechtlich verfolgt. Das kündigten die Ermittler in den Niederlanden an.

Einer der Verdächtigen ist Ukrainer: Leonid Kharchenko, ein Kommandant der Rebellen in Donezk. Der Generalstaatsanwalt des Landes, Juri Lutsenko, hat nun laut der Nachrichtenagentur Interfax angekündigt, den Mann festzunehmen.

Die drei übrigen Verdächtigen sind den Angaben zufolge russische Staatsbürger: der Kommandant der pro-russischen Rebellen Igor Girkin, der frühere russische Geheimdienstoffizier Sergej Dubinski und Oleg Pulatow, ebenfalls ein hoher Offizier bei den Rebellen.

Im Video: Todesflug MH17 - Das Recherche-Puzzle (SPIEGEL TV vom 11.1.2015)

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Die Boeing-777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 war am 17. Juli 2014 über der Ostukraine von einer Luftabwehrrakete des russischen Typs Buk abgeschossen worden. 298 Menschen starben, die meisten waren Niederländer. An dem internationalen Ermittlerteam JIT beteiligen sich die Niederlande, Malaysia, die Ukraine, Australien und Belgien.

Der Strafprozess gegen die vier Männer solle am 9. März 2020 in den Niederlanden beginnen, sagte der leitende niederländische Staatsanwalt Fred Westerbeke. "Das ist ein wichtiger Schritt."

Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Verdächtigen zum Prozess erscheinen werden. Das Verfahren in den Niederlanden kann aber auch in Abwesenheit der Angeklagten stattfinden. Russland lehnt die Auslieferung eigener Staatsbürger ab.

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Der beschuldigte Girkin wies noch am Mittwoch eine Verwicklung der Rebellen in der Ostukraine in den Abschuss zurück. "Alles was ich sagen kann, ist, dass die Boeing nicht von den Rebellen abgeschossen wurde", sagte der Verdächtige der Nachrichtenagentur Interfax. "Die Rebellen haben mit dieser Katastrophe nichts zu tun - weder ich noch andere."

Girkin ist der Staatsanwaltschaft zufolge ein ehemaliger Offizier des russischen Geheimdienstes FSB und war unter dem Namen Igor Strelkow oberster Militärbefehlshaber und selbsternannter Verteidigungsminister der Rebellen in der Ostukraine. Ein zweiter Verdächtiger ließ über einen Sprecher ebenfalls eine Beteiligung zurückweisen.

Auch Russland hatte immer wieder jede Verantwortung für die Tragödie zurückgewiesen. Der russische Präsident Wladimir Putin gab unmittelbar danach der Ukraine die Schuld, weil sie trotz des Krieges nicht - wie vorgeschrieben - den Luftraum gesperrt, sondern lieber Überfluggebühren kassiert habe. Unmittelbar vor der Abschuss der MH17 waren Militärmaschinen teils auf großer Höhe abgeschossen worden.

wit/Reuters/AFP/dpa

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