Untersuchung in den Niederlanden Abschuss von MH17 - Ermittler werfen vier Verdächtigen Mord vor

Fast 300 Menschen starben beim Abschuss des Passagierflugs MH17 über der Ukraine. Internationale Ermittler gaben nun die Identität der Tatverdächtigen preis. Es sind drei Russen und ein Ukrainer.

Absturzstelle in der Ukraine (Archivbild)
Dmitry Lovetsky/ AP

Absturzstelle in der Ukraine (Archivbild)


Vier Verdächtige sollen für den Abschuss des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 verantwortlich sein. Das gaben internationale Ermittler in Utrecht bekannt. Die Männer werden des Mordes in 298 Fällen beschuldigt.

Der niederländische Chefermittler Fred Westerbeke sagte auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, dass es sich bei den Verdächtigen um drei Russen und einen Ukrainer handele: den Ex-Geheimdienstoffizier Sergej Dubinski, den Kommandanten der prorussischen Rebellen, Igor Girkin, sowie Oleg Pulatow, ebenfalls einen Rebellenoffizier. Auch der Ukrainer Leonid Kharchenko gilt als tatverdächtig. Er war Rebellenkommandant in Donezk. Alle vier Männer werden sich in den Niederlanden ab dem 9. März 2020 vor Gericht verantworten müssen.

Zwei der Verdächtigen sollen sich den Ermittlungen zufolge in Russland aufhalten, ein dritter sei zuletzt in der Ostukraine gesichtet worden. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Verdächtigen zum Prozess erscheinen werden. Das Verfahren in den Niederlanden kann aber auch in Abwesenheit der Angeklagten stattfinden. Russland lehnt die Auslieferung eigener Staatsbürger ab.

Für die vier Hauptverdächtigen wurden internationale Haftbefehle ausgestellt. Sie sollen verantwortlich dafür sein, dass die Rakete aus Russland in die Ostukraine transportiert worden sei.

Die Ermittler erklärten, sie hätten Beweise dafür gefunden, dass Russland den Raketenwerfer zur Verfügung gestellt habe, der für den Abschuss der Passagiermaschine genutzt wurde. Zu diesem Schluss war das Joint Investigation Team (JIT) bereits in seinem Zwischenbericht gekommen. Das Raketensystem, mit dem MH17 abgeschossen wurde, gehörte demnach zu den russischen Streitkräften - ebenso wie sämtliche Fahrzeuge in einem Konvoi, der die Raketen transportiert habe. Zahlreiche Fotos, Videos und Zeugenaussagen würden das belegen.

Vor Bekanntgabe der Namen der Tatverdächtigen hatten die Ermittler die Hinterbliebenen informiert. Silene Fredriksz-Hoogzand verlor ihren Sohn und dessen Freundin bei dem Absturz von MH17. Sie zeigte sich erleichtert, dass nach fünf Jahren endlich jemand zur Verantwortung gezogen werde. "Dies ist der erste Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit", sagte der Niederländer Hans de Borst.

Im Video: Todesflug MH17 - Das Recherche-Puzzle (SPIEGEL TV vom 11.1.2015)

SPIEGEL TV

Die Maschine war am 17. Juli 2014 über der Ostukraine von einer Luftabwehrrakete abgeschossen worden. 298 Menschen starben, die meisten waren Niederländer.

Bereits vor einem Jahr hatten die Ermittler bekannt gegeben, dass die Maschine mit einer Luftabwehrrakete des Typs Buk abgeschossen worden war.

jpz/ala/Reuters/AP/dpa

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