Protest gegen A49-Ausbau Abseilaktion über Autobahnen in Hessen - neun Aktivisten in U-Haft

Sie sollen sich über Autobahnen in Hessen abgeseilt haben: In Hessen wurden Haftbefehle gegen mehrere Aktivisten erlassen. Es bestehe Fluchtgefahr, argumentieren die Behörden.
Abseilaktion über der A5 am Montag, dem 26. Oktober

Abseilaktion über der A5 am Montag, dem 26. Oktober

Foto: Boris Roessler / dpa

Neun Personen, die sich bei Protestaktionen gegen den Ausbau der Autobahn 49 im hessischen Dannenröder Forst von mehreren Autobahnbrücken abgeseilt haben sollen, sitzen in Untersuchungshaft. Gegen zwei weitere Umweltschützer habe es ebenfalls Haftbefehle gegeben, diese seien jedoch gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main.

Die Behörde wirft den Aktivisten Nötigung vor. Sie begründete die Haftbefehle mit Fluchtgefahr, weil die Beschuldigten die Feststellung ihrer Identität vereitelt haben sollen.

"Skandalöse Justizentscheidungen"

Die Haftbefehle seien "skandalöse Justizentscheidungen", teilten hingegen die Aktivisten am späten Dienstagabend mit. Sie warfen den Behörden "politische Justiz" vor. Das Gesetz gebe eine Haft für die Aktionen nicht her, sie sei jedoch politisch gewollt, "um diese Form von Protest zu unterbinden".

Am Montagmorgen hatten sich Aktivisten über drei Autobahnen in Hessen abgeseilt. Die betroffenen Abschnitte der Autobahnen 3, 5 und 661 in der Region Frankfurt und Wiesbaden wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt. Bis zum Mittag beendeten Beamte die Protestaktionen. Zwölf Demonstranten, die sich von Brücken abgeseilt haben sollen, kamen in Gewahrsam. Gleiches galt für 18 Aktivisten, die die Aktionen vor Ort unterstützten.

Während der Abseilaktion an der Brücke über die A661 ereigneten sich zwei Unfälle. Bereits vor zwei Wochen hatte sich bei einer ähnlichen Protestaktion von Aktivisten an der A3 ein Unfall ereignet, bei dem ein Autofahrer schwer verletzt wurde. Er fuhr mit seinem Wagen in ein Stauende. Die Polizei ermittelt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Die Aktivisten wiesen einen Zusammenhang zwischen Aktion und Unfall zurück.

Seit mehr als einem Jahr protestieren Umweltschützer in Hessen gegen den umstrittenen Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel, die durch das Waldgebiet um den Dannenröder Forst führen soll. Der eigentliche Bau der Autobahn soll laut dem Landkreis Vogelsberg im September 2021 beginnen. Derzeit laufen bereits vorbereitende Arbeiten. Dabei sollen bis Februar kommenden Jahres zunächst 27 Hektar Wald gefällt werden. Die Rodungen begannen vor rund drei Wochen und werden seitdem von Protesten begleitet.

bbr/dpa/AFP
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