Gerichtsurteil in Florida 16-Jährige darf nicht abtreiben, weil sie nicht »reif« genug sei

Sie soll reif genug sein, um ein Kind auszutragen, aber zu unreif, um über eine Abtreibung entscheiden zu können: In Florida haben Richter einer 16-Jährigen verboten, ihre Schwangerschaft abzubrechen.
Frauen und Männer demonstrieren im Juli in Florida gegen die strikten Abtreibungsgesetze

Frauen und Männer demonstrieren im Juli in Florida gegen die strikten Abtreibungsgesetze

Foto: MediaPunch / IMAGO

Im US-Bundesstaat Florida hat ein Gerichtsurteil für Empörung gesorgt: Ein Berufungsgericht hatte einer 16-Jährigen das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch verweigert und dabei ein Urteil erster Instanz bestätigt. Die Richter argumentierten, die junge Frau sei noch nicht »ausreichend reif«, um über die Abtreibung zu entscheiden, wie auch »The Washington Post« berichtet. 

Die in der zehnten Woche schwangere Jugendliche hatte vor Gericht erklärt, sie sei »nicht bereit, ein Baby zu haben«. Sie gehe noch zur Schule, habe keinen Job, und der Vater des Kindes könne ihr nicht helfen.

»Das ist ein gefährliches und furchtbares Beispiel für Floridas Krieg gegen Frauen«, schrieb die demokratische US-Abgeordnete Lois Frankel beim Kurzbotschaftendienst Twitter. »Wenn ein junges Mädchen zu unreif ist, sich für eine Abtreibung zu entscheiden, wie kann sie dann in der Lage sein, ein Baby auszutragen?«

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Die Abgeordnete Pramila Jayapal bezeichnete die Entscheidung eines Berufungsgerichts in Florida als »abscheulich«. Sie sei »wütend«, dass ein Teenager gezwungen werde, ein Kind auf die Welt zu bringen.

Das Gericht erster Instanz urteilte aber, die Jugendliche habe nicht »klar und überzeugend unter Beweis gestellt, dass sie ausreichend reif ist zu entscheiden, ob sie ihre Schwangerschaft abbricht«. Das Berufungsgericht bestätigte diese Entscheidung.

In Florida brauchen Minderjährige die Zustimmung eines Elternteils, um eine Abtreibung vorzunehmen. Die 16-Jährige hat allerdings keine Eltern mehr. Sie lebt bei einem Verwandten und hat einen staatlich ernannten Vormund. Das Mädchen beantragte deswegen vor Gericht eine Erlaubnis zur Abtreibung.

Das Abtreibungsrecht ist eines der am meisten umkämpften gesellschaftspolitischen Themen in den USA. Der Oberste Gerichtshof des Landes hatte im Juni eine seit fast 50 Jahren geltende Grundsatzentscheidung gekippt, die ein landesweites Grundrecht auf Abtreibungen verankert hatte. In der Folge haben zahlreiche konservativ regierte Bundesstaaten damit begonnen, den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen drastisch einzuschränken.

kha/AFP
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