Seit mehr als neun Monaten in Untersuchungshaft Kinderfotograf Achim Lippoth soll wegen Missbrauchs vor Gericht

Laut »Zeit Magazin« steht der prominente Kinderfotograf Achim Lippoth vor einem Prozess. Es geht um schwere Missbrauchsfälle und besonders erschüttertes Vertrauen. Der Fotograf bestreitet die Vorwürfe.
Vertrauen ausgenutzt: Die scheinbar helfende Hand (Symbolbild)

Vertrauen ausgenutzt: Die scheinbar helfende Hand (Symbolbild)

Foto: DPA

Ab dem 31. Mai muss sich der berühmte Kinder- und Modefotograf Achim Lippoth gegen den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht Köln verteidigen, berichtet das »Zeit Magazin« . Der Fotograf sitze seit mehr als neun Monaten in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Köln liste in ihrer Anklageschrift 17 Taten auf. Sie werfe Lippoth zwölf Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch sowie vier Fälle von sexuellem Missbrauch vor, in einem Fall gehe es um den Besitz von kinderpornografischem Material.

Auf Anfrage des Magazins habe Lippoths Anwalt erklärt, der Fotograf wolle sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Im Juli 2021 verwies der Rechtsbeistand auf das damals noch nicht abgeschlossene Ermittlungsverfahren und schrieb: »Der Vorwurf wird von unserem Mandanten bestritten.«

Laut Anklageschrift reichen die Taten dem Bericht zufolge von 1999 bis in den Juni 2021. Betroffen sollen insgesamt sechs Kinder sein, die zur mutmaßlichen Tatzeit zwischen sieben und 13 Jahre alt waren. Alle sollen für ihn in der Vergangenheit als Kindermodels gearbeitet haben.

Bilder auch für eine Anti-Missbrauch-Kampagne

Der 54-Jährige zählt zu den renommiertesten Kinderfotografen der Gegenwart. Lippoth fotografierte Werbekampagnen mehrerer großer Firmen, ebenso wie für Medien, darunter der SPIEGEL  und das »Zeit Magazin«, das nun die Vorwürfe enthüllt. Mit seinen Bildern gewann er beim wichtigsten Werbefestival der Welt in Cannes fünf Löwen, das von ihm gegründete Kindermodemagazin »Kid's Wear« wurde mit mehreren Branchenpreisen ausgezeichnet. Oft schien er die Rollen von Kindern und Eltern zu reflektieren. Seine Website  ziert ein Beitrag für das »New York Magazine« zur Erziehung von Jungen in Zeiten von MeToo.

Auf ein Engangement fällt im Licht der Vorwürfe ein besonderer Schatten: Lippoth fotografierte auch eine Kampagne  gegen sexuellen Missbrauch für die Nichtregierungsorganisation Innocence in Danger. Der damalige Slogan: »Sexually abused children are betrayed by someone they trust.« (»Sexuell missbrauchte Kinder werden von jemandem betrogen, dem sie vertrauen.«)

Das Magazin zitiert aus der Anklageschrift, Lippoth habe im Laufe der Zeit für die Kinder »die Rolle eines erwachsenen Freundes bzw. zum Teil auch eine Vaterrolle« eingenommen. Mit den Eltern soll Lippoth sich angefreundet haben. »Im Zuge dieser freundschaftlichen Kontakte bzw. familienähnlichen Zusammenschlüsse« habe er die Lage ausgenutzt.

Die Recherchen gehen noch über die Anklage hinaus. Demnach könnte es noch mehr mutmaßliche Opfer geben als in der Anklageschrift auftauchen. Viele seien nie von den ermittelnden Stellen befragt worden. Außerdem habe es über die vergangenen 25 Jahre schon drei Anzeigen gegen Achim Lippoth gegeben. Erst bei der vierten Anzeige im Juni 2021 habe die Polizei mit umfangreichen Ermittlungen begonnen, schreibt das »Zeit Magazin«.

Anmerkung der Redaktion: Nach Veröffentlichung dieser Meldung teilten die Medienanwälte von Herrn Lippoth mit, dass dieser sich ergänzend wie folgt einlasse: »Die Anklage ist das Ergebnis höchst unfairer und suggestiver Ermittlungen. Die Vorgehensweise der Kriminalpolizei verrät viel über tief sitzende Vorurteile und einen unfassbar blinden Jagdeifer. Konstrukte von jahrzehntealtem Geschehen werden von entlassenen Mitarbeitern, angeblich engagierten Medienvertretern und in ihrer Zuneigung enttäuschten Frauen befeuert. Die Verteidigung ist optimistisch, in einer objektiven Hauptverhandlung dem Gericht die wahren Tatsachen näher bringen zu können.«

ak
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