Ärztemord in Weilerbach Gezielte Schüsse auf die Opfer

Im Fall der im pfälzischen Weilerbach ermordeten Ärzte liegt das Obduktionsergebnis vor. Demnach starben beide Opfer durch je eine einzige Kugel. Über das Motiv des Todesschützen wird noch immer gerätselt. Neurologen fordern, mehr in die Sicherheit von Ärzten zu investieren.

Trauer um die Opfer in Weilerbach: Mehr Sicherheit für Ärzte gefordert
DPA

Trauer um die Opfer in Weilerbach: Mehr Sicherheit für Ärzte gefordert


Weilerbach - "Die beiden 48 und 63 Jahre alten Männer sind jeweils durch eine einzige Kugel gestorben", sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch in Kaiserslautern. Das Tatmotiv des 78-jährigen, in der Vergangenheit psychisch offenbar labilen Todesschützen ist nach wie vor unklar. "Wir gehen davon aus, dass wir da auch keine weiteren Erkenntnisse erhalten werden", sagte die Sprecherin.

Der Rentner Adolf N. war wegen einer Kehlkopfkrebserkrankung bei Alexander M., 48, in Behandlung. Am Montag hatte er in der Gemeinschaftspraxis zunächst ordnungsgemäß seine Praxisgebühr entrichtet und sich dann ins Wartezimmer gesetzt. Nachdem er aufgerufen worden war, zog er zwei Waffen und eröffnete das Feuer auf die beiden Ärzte. Nach der Tat floh N. in sein Haus, verletzte mit Schüssen aus dem Fenster einen Polizisten und tötete sich dann mit einer aus dem Zweiten Weltkrieg stemmenden Waffe selbst.

Wie die "Bild"-Zeitung am Mittwoch berichtet, soll Adolf N. auf Grund seiner "auffälligen Persönlichkeit" und paranoider Tendenzen noch Ende Februar auf Anweisung der Polizei von einer Psychologin untersucht worden sein. Diese habe erklärt, der Patient stelle keine Gefahr für sich und seine Umwelt dar.

Neurologen fordern mehr Sicherheit für Ärzte

Nach der Bluttat von Weilerbach haben Neurologen mehr Schutz für medizinisches Personal gefordert. "Ärzte, besonders Psychiater, tragen ein besonders hohes Risiko, Opfer von Gewaltausbrüchen zu werden", sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN), Frank Bergmann. Einer Studie aus den USA zufolge würden Psychiater - nach Taxifahrern, Tankstellenverkäufern und Polizisten - am vierthäufigsten Opfer von Gewalttaten.

"Ärzte und Praxispersonal müssen besser geschult werden. Sie müssen im Studium oder in der Ausbildung lernen, wie man gewaltbereite Patienten erkennt und professionell auf sie reagiert", so Bergamann. Auch sollten Patienten mit psychischen Krankheiten früher und schneller zu einem Spezialisten überwiesen werden. So könne unter Umständen verhindert werden, dass sich ein Wahnsystem verfestigt, das am Ende zu solchen Gewaltausbrüchen führt.

Laut Bergmann ist es durchaus denkbar, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Tumor des Schützen und den Wahnvorstellungen gab: Der Krebs könnte Metastasen im Gehirn gebildet haben.

Trauerfeier für die Opfer

Am Freitag soll den beiden Ärzten mit einer Trauerfeier im pfälzischen Weilerbach gedacht werden. Geplant sei eine allen Bürgern offen stehende Andacht in der protestantischen Kirche, sagte Bürgermeister Horst Bonhagen (SPD) am Mittwoch.

Die Ermittler versuchen derweil weiter, die genauen Hintergründe der Tat aufzuklären. Dazu würden weitere Nachbarn und Zeugen befragt, sagte ein Polizeisprecher in Kaiserslautern. Das Landeskriminalamt untersuche zudem die Tatwaffe und die fünf weiteren, in dem Haus des alleinstehenden Mannes gefundenen Pistolen und Langwaffen. Unklar ist, warum er gerade die beiden Ärzte erschoss, zu denen er laut Zeugenaussagen ein gutes Verhältnis gehabt haben soll.

ala/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.