AfD-Landratskandidat in Thüringen Polizei ermittelt gegen Robert Sesselmann
Robert Sesselmann im Thüringer Landtag im November 2022
Foto: IMAGO/Jacob SchröterDie Thüringer Polizei ermittelt nach SPIEGEL-Informationen gegen den AfD-Politiker Robert Sesselmann.
Hintergrund ist demnach ein Vorfall am Montagabend in der Stadt Sonneberg im Süden Thüringens. Sesselmann soll einen Mann verbal bedroht haben, der CDU-Plakate aufhängen wollte. Sesselmann soll ihm vorgeworfen haben, der Mann habe sich an Sesselmanns Plakaten zu schaffen gemacht.
Sesselmann habe zu dem Mann offenbar gesagt, er wisse, wo dieser wohne. Sie würden ihm jemanden »auf den Hals hetzen« und dafür sorgen, dass er keine Aufträge mehr bekomme.
Die Polizei machte zu dem Vorfall nur spärliche Angaben. In einer am Mittag veröffentlichten Pressemitteilung hieß es lediglich, es sei ein »möglicherweise strafrechtlich relevanter Sachverhalt im Zusammenhang mit dem Anbringen von Wahlplakaten bezüglich der Landratswahl in Sonneberg« bekannt geworden.
Der AfD-Gebietsverband Sonneberg teilte dem SPIEGEL zu dem Vorfall mit, ein Plakatierer habe Plakate der AfD verdreht und unleserlich gemacht. »Der AfD- Kandidat stellte den Plakatierer aus seinem Fahrzeug heraus zur Rede und machte ihn darauf aufmerksam, dass
dies zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehe und forderte ihn auf, die Plakatverdrehung in Zukunft zu unterlassen.« Niemand habe den AfD-Transporter verlassen.
Ein »Wortgefecht«
Zu den Personalien der betroffenen Personen wurden keine Angaben gemacht. In der Mitteilung war von einem »Wortgefecht« der beiden Männer die Rede. Der Kreiswahlleiter des Landkreises Sonneberg sei informiert worden.
Bei der Wahl zum Landrat im Kreis Sonneberg verfehlte AfD-Kandidat Robert Sesselmann am 11. Juni mit 46,7 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit nur knapp. Der zweitplatzierte CDU-Bewerber Jürgen Köpper erreichte gerade einmal 35,7 Prozent. Am Sonntag geht es in die Stichwahl.
Der AfD-Kandidat Sesselmann sitzt für seine Partei im Thüringer Landtag und betreibt seine Politik unter der Führung von Landes- und Fraktionschef Björn Höcke, der laut einer Gerichtsentscheidung als Faschist bezeichnet werden kann. Der 50-jährige Jurist Sesselmann ist in Sonneberg geboren, im Wahlkampf um das Landratsamt erklärte er, er kämpfe in Sachen Ukrainekrieg »für Friedensverhandlungen und ein Ende der Sanktionspolitik«. Er wolle ein Ende der »Energie- und Wärmewende« und die sofortige Abschiebung krimineller und abgelehnter Asylbewerber: »Denn wir sind nicht das Weltsozialamt!« (Lesen Sie hier mehr darüber.)
Zur Stichwahl am 25. Juni haben Linke, SPD, Grüne und FDP zur Wahl des CDU-Bewerbers Jürgen Köpper aufgerufen.