Zugunglück in Aichach Strafbefehl gegen Fahrdienstleiter erlassen

Bei der Kollision starben zwei Menschen: Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Fahrdienstleiter des Zugunglücks von Aichach eine Strafe wegen fahrlässiger Tötung erwirkt. Sie geht von menschlichem Versagen aus.

Unfallstelle
DPA

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Nach dem tödlichen Zugunglück im bayerischen Aichach hat die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen den Fahrdienstleiter beantragt. Der Antrag sieht eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von zehn Monaten wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen, fahrlässiger Körperverletzung in 13 Fällen und fahrlässiger Gefährdung des Bahnverkehrs vor.

Das Amtsgericht Augsburg hat den Strafbefehl laut Staatsanwaltschaft erlassen. Damit dürfte eine öffentliche Hauptverhandlung gegen den 25-Jährigen abgewendet sein.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, "eine Hilfssperre am mechanischen Stellwerk" nicht angebracht zu haben. Diese hätte die Einfahrt eines weiteren Zugs in den Bahnhof von Aichach und damit den Zusammenstoß der beiden Züge verhindert, hieß es.

Keine Hinweise auf Ablenkung oder Drogenkonsum

Bei dem Unglück im Mai 2018 war eine Regionalbahn wenige Hundert Meter vor dem Bahnhof mit einem stehenden Güterzug zusammengeprallt. Der Regionalzug auf dem Weg von Augsburg nach Ingolstadt stieß frontal auf die Lok eines stehenden Güterzugs. Dabei kamen der 37 Jahre alte Lokführer und eine 73 Jahre alte Passagierin ums Leben. 13 Personen wurden laut Staatsanwaltschaft verletzt, einer davon schwer. Zunächst war von 14 Verletzten die Rede gewesen.

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Zugunglück: Kollision in Aichach

Als Unglücksursache geht die Staatsanwaltschaft von menschlichem Versagen aus. "Die Ermittlungen haben keine Hinweise darauf ergeben, dass Betäubungsmittel- oder Alkoholeinfluss beziehungsweise eine Ablenkung durch Handynutzung oder Gespräche" für den Unfall verantwortlich seien, teilte die Anklagebehörde mit.

Bereits zwei Jahre vor dem Unglück von Aichach hatte ein schweres Zugunglück Bayern erschüttert. Im oberbayerischen Bad Aibling waren im Februar 2016 zwei Züge der Bayerischen Oberlandbahn frontal zusammengestoßen. Zwölf Menschen starben, 89 wurden verletzt. Der Fahrdienstleiter hatte auf seinem Handy gespielt und Signale falsch gestellt. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

apr/srö

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