Absturz von Flug AF447 Verfahren wegen Air-France-Unglück mit 228 Toten eingestellt

Vor zehn Jahren stürzte eine Air-France-Maschine vor Brasilien ins Meer. Alle Menschen an Bord starben, darunter 28 Deutsche. Die französische Justiz geht nun nicht mehr gegen Airbus und die Airline vor.

Die brasilianische Marine birgt 2009 ein Wrackteil von Air-France-Flug AF447: Vereiste Sensoren
REUTERS/Brazilian Air Force/Handout

Die brasilianische Marine birgt 2009 ein Wrackteil von Air-France-Flug AF447: Vereiste Sensoren


Lange war die Ursache für den Absturz von Air-France-Flug 447 unklar. Erst im Mai 2011 konnten Leichen und der Flugdatenschreiber aus etwa 4000 Metern Tiefe geborgen werden. Inzwischen ist klar, dass unter anderem vereiste Sensoren mitverantwortlich waren für das Unglück.

Trotzdem bleibt der Absturz mit 228 Toten vor gut zehn Jahren vorerst ohne juristische Folgen: Das Verfahren gegen Air France und den europäischen Flugzeugbauer Airbus wurde nun eingestellt. Der Unfall erkläre sich durch das beispiellose Zusammenkommen mehrerer Umstände, ließen französische Ermittler verlauten.

Hinterbliebene reagierten empört. Eine Vereinigung von Angehörigen der Opfer wolle Beschwerde gegen die Anordnung der Ermittlungsrichter einlegen, kündigte der Anwalt der Gruppe, Alain Jakubowicz, an.

Streit über Schulung der Piloten

Die Air-France-Maschine war am 1. Juni 2009 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris in ein schweres Gewitter geraten und von den Radarschirmen verschwunden. Der Airbus stürzte 650 Kilometer von der Insel Fernando de Noronha entfernt in den Atlantik. Unter den Opfern waren auch 28 Deutsche.

Mit ihrer jetzigen Entscheidung stellen sich die Ermittlungsrichter gegen die Staatsanwaltschaft, die erst kürzlich ankündigt hatte, Air France wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht bringen zu wollen. Die Ermittler hatten der Airline nach früheren Angaben unter anderem vorgeworfen, die Piloten des Airbus A330 nicht ausreichend geschult zu haben.

apr/AFP/dpa



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Deep Thought 05.09.2019
1. Das ist ein Skandal !!!
Wer sich mit den FAKTEN des Absturzes befasst hat (Flugdatenschreiber und Cockpit-Stimmenaufzeichnung wurden geboren und ausgewertet), der weiß: 1) Die Pilotenfehler waren HIMMELSCHREIEND. Erstens hatte der Kapitän in der Nacht zuvor nicht viel geschlafen, zudem sich trotz vor dem Flugzeug liegender Schwerwetterfront als Erster unbesorgt in die Koje gelegt und kam erst Sekunden vor dem Aufprall zurück. zweitens waren der 1. Offizier und der jüngste der Piloten extrem schlecht ausgebildet und der 1- Offizier hat in völliger Verkennung der Situation den völlig überforderten 3. Piloten solange das Steuer überlassen, bis er selbst ebenfalls nach Übernahme der Kontrolle jede Menge Anfängerfehler beging. Das Cockpit-Resource-Management (CRM) ist von entscheidender Bedeutung - hier ist von "Management" keine Spur zu bemerken, die Kommunikation war unterirdisch, die Fehlersuche ebenfalls und der Kapitän wurde erst gerufen, als das Flugzeug im Freien Fall und unrettbar war. 2) Grund für die vielen Fehler der Piloten war die bekannte, schlechte Ausbildung bei der Air France. 3) Der technische Grund lag NICHT bei Airbus, sondern ebenfalls bei Air France: ALLE Pitotsonden waren zugefroren (Grund dafür: siehe unter 4), damit war keine Information über die Fluggeschwindigkeit zur Verfügung. Daher ging aus Sicherheitsgründen der Autopilot nach Ankündigung über das System aus und das Flugzeug hätte "einfach nur" manuell auf Kurs und der bestehenden Höhe gehalten werden müssen. Der 3.Pilot hat jedoch in Panik das Flugzeug manuell stets hochgezogen, obwohl um die 100 mal (!!) das System vor Stall WARNTE (was von beiden Piloten völlig ignoriert wurde) und es damit in kritische Höhe gebracht, wo der Auftrieb immer kleiner wurde und schliesslich der Flieger über einen Strömungsabriss wie ein Stein mit der Nase eher nach oben vom Himmel fiel. Jetzt wäre nur noch ein bewusster Sturzflug (Nase nach unten) lebensrettend gewesen, weil dadurch wieder stabiler Auftrieb erreicht worden wäre, um die Maschine anschliessend wieder abzufangen und unter Kontrolle zu behalten. Das taten beide Piloten nicht - und der herbeigerufene Kapitän kam erst 4 Sekunden vor dem Aufschlag darauf. 4) Warum sind die Pitotsonden zugefroren? Airbus hatte in einem Rundschreiben ALLE AIRLINES DIESER WELT AUFGEFORDERT, in diesem Flugzeug eingebauten Pitotsonden gegen bessere, die aufgrund einer effizienteren Heizung eben NICHT zufroren, auszutauschen. Air France verzichtete jedoch als so ziemlich einzige Fluggesellschaft darauf! Warum? Ganz einfach: a) es hätte Geld gekostet b) die (noch) eingebauten Pitotsonden stammen aus frz. Produktion - und da war neben Geizigkeit und Nachlässigkeit der Air France bei der Ausbildung, wohl auch ein gehöriges Maß an nationalistischer Industriepolitik (frz. Produkte sind ja immer die besten der Welt, jedenfalls für Air France?) die Ursache für das Unglück..... eine Kultur der eher mäßigen professionellen Disziplin der Piloten kam noch dazu. Die Einstellung der Verfahren sind kein Zufall.... nirgendwo in der EU ist die Staatsraison so extrem wie in Frankreich. DA hält der Justizapparat gerne immer wieder schützend die Hände vor Schuldige..
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2.
Zitat von Deep ThoughtWer sich mit den FAKTEN des Absturzes befasst hat (Flugdatenschreiber und Cockpit-Stimmenaufzeichnung wurden geboren und ausgewertet), der weiß: 1) Die Pilotenfehler waren HIMMELSCHREIEND. Erstens hatte der Kapitän in der Nacht zuvor nicht viel geschlafen, zudem sich trotz vor dem Flugzeug liegender Schwerwetterfront als Erster unbesorgt in die Koje gelegt und kam erst Sekunden vor dem Aufprall zurück. zweitens waren der 1. Offizier und der jüngste der Piloten extrem schlecht ausgebildet und der 1- Offizier hat in völliger Verkennung der Situation den völlig überforderten 3. Piloten solange das Steuer überlassen, bis er selbst ebenfalls nach Übernahme der Kontrolle jede Menge Anfängerfehler beging. Das Cockpit-Resource-Management (CRM) ist von entscheidender Bedeutung - hier ist von "Management" keine Spur zu bemerken, die Kommunikation war unterirdisch, die Fehlersuche ebenfalls und der Kapitän wurde erst gerufen, als das Flugzeug im Freien Fall und unrettbar war. 2) Grund für die vielen Fehler der Piloten war die bekannte, schlechte Ausbildung bei der Air France. 3) Der technische Grund lag NICHT bei Airbus, sondern ebenfalls bei Air France: ALLE Pitotsonden waren zugefroren (Grund dafür: siehe unter 4), damit war keine Information über die Fluggeschwindigkeit zur Verfügung. Daher ging aus Sicherheitsgründen der Autopilot nach Ankündigung über das System aus und das Flugzeug hätte "einfach nur" manuell auf Kurs und der bestehenden Höhe gehalten werden müssen. Der 3.Pilot hat jedoch in Panik das Flugzeug manuell stets hochgezogen, obwohl um die 100 mal (!!) das System vor Stall WARNTE (was von beiden Piloten völlig ignoriert wurde) und es damit in kritische Höhe gebracht, wo der Auftrieb immer kleiner wurde und schliesslich der Flieger über einen Strömungsabriss wie ein Stein mit der Nase eher nach oben vom Himmel fiel. Jetzt wäre nur noch ein bewusster Sturzflug (Nase nach unten) lebensrettend gewesen, weil dadurch wieder stabiler Auftrieb erreicht worden wäre, um die Maschine anschliessend wieder abzufangen und unter Kontrolle zu behalten. Das taten beide Piloten nicht - und der herbeigerufene Kapitän kam erst 4 Sekunden vor dem Aufschlag darauf. 4) Warum sind die Pitotsonden zugefroren? Airbus hatte in einem Rundschreiben ALLE AIRLINES DIESER WELT AUFGEFORDERT, in diesem Flugzeug eingebauten Pitotsonden gegen bessere, die aufgrund einer effizienteren Heizung eben NICHT zufroren, auszutauschen. Air France verzichtete jedoch als so ziemlich einzige Fluggesellschaft darauf! Warum? Ganz einfach: a) es hätte Geld gekostet b) die (noch) eingebauten Pitotsonden stammen aus frz. Produktion - und da war neben Geizigkeit und Nachlässigkeit der Air France bei der Ausbildung, wohl auch ein gehöriges Maß an nationalistischer Industriepolitik (frz. Produkte sind ja immer die besten der Welt, jedenfalls für Air France?) die Ursache für das Unglück..... eine Kultur der eher mäßigen professionellen Disziplin der Piloten kam noch dazu. Die Einstellung der Verfahren sind kein Zufall.... nirgendwo in der EU ist die Staatsraison so extrem wie in Frankreich. DA hält der Justizapparat gerne immer wieder schützend die Hände vor Schuldige..
Hmmm, und wie lange fliegt der EuFi schon im deutschen Luftraum - trotz aller Risiken? Warum fliegt er noch immer, obwohl es im Juni Todesopfer gab? Ja, Ihre Kritik man sicher berechtigt sein, aber die Schlussfolgerung ist es sicher nicht!
joes.world 05.09.2019
3. ad #1
Weiß zwar nicht, ob sie Verbindungen zu Airbus haben, aber wenn alles stimmt, wie sie es beschreiben, ist es eine echte Sauerei der Ermittlungsrichter. Ein Schlag ins Gesicht für alle Angehörigen der Toten. Als Laie versteht man überhaupt nicht, wie man den Flieger nur wegen Vereisung der Pitotsonden verlieren kann. Denn nicht alle Instrumente brauchen die Pitotsonden. Relative Fluglage, ob der Flieger steigt oder sinkt und ob er gerade fliegt oder Kurven macht, kann man doch auch vom Attitude Indicator ablesen. Und somit einfach gerade weiterfliegen. So man nicht in Panik verfällt und die einfachsten Dinge vergisst. So schlimm die französische Justiz auch sein muss. Ist es bei uns wirklich besser? Als die Lufthansa-Tochter von dem von der Lufthansa ausgebildeten Piloten absichtlich zum Absturz gebracht wurde - wurde auch kein Verfahren gegen Lufthansa gestarten. Wegen fahrlässiger Tötung. Weil die Lufthansa nicht die psychischen Probleme des Piloten erkannte. Obwohl diese scheinbar sehr sichtbar waren. NUr wollte das anscheinend keiner in einem Verfahren klären. Ob oder ob es da ein Vergehen der Lufthansa gab. Denn dafür sind Verfahren da. Haben Air France und Lufthansa am Ende zu gute Kontakte in die Politik?
lebowski-bln 05.09.2019
4. @Deep Thought
Danke für die Hintergrundinformationen. Sehr ausführlich und sehr interessant.
chiefseattle 05.09.2019
5. Af447
Es wäre sicher ein vermeidbarer Unfall gewesen, wenn die Piloten das Flugzeug manuell gesteuert hätten. Statt dessen versuchten sie 'by the book' eine Lösung zu finden. Es ist sicherlich eine Aufgabe der Schulung, situationsorientierte Piloten zu schulen und Air France hat hier nicht den besten Ruf. Das Flugzeug war für einen Austausch der Pitots vorgesehen, leider passierte der Unfall wenige Wochen vorher. Airbus trifft keine Schuld, aber Air France sollte schon eine klare Ansage erhalten.
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