Akte Diana Die fünf tödlichen Fehler der Unfallhelfer

Neue Details im Todesfall Diana: Der britische Top-Chirurg Thomas Treasure hat schwere Vorwürfe gegen die französischen Ärzte und Rettungskräfte erhoben. Die Liste der Fehler, die die Helfer begangen haben, umfasst fünf Punkte.


London - Prinzessin Diana hätte möglicherweise gerettet werden können, behauptete Mediziner Thomas Treasure vor Gericht. Laut "Times" listete er fünf zentrale Behandlungsfehler auf: Auf dem Weg ins Krankenhaus sei die Prinzessin über einen Tubus beatmet worden - das sei nicht unbedingt notwendig gewesen. Außerdem hätte der Notarzt die Schwerverletzte so schnell wie möglich ins Krankenhaus bringen müssen und nicht auf der Strecke anhalten dürfen.

Auch im Krankenhaus sei dann nicht alles optimal verlaufen: Ein Spezialistenteam hätte bereits auf die Patientin warten sollen. Nachdem die inneren Blutungen der Prinzessin auf dem Röntgenbild lokalisiert waren, hätte der Chirurg ihren Brustkorb nicht von der Seite, sondern von vorn öffnen sollen - so hätte das verletzte Blutgefäß in Herznähe schneller gefunden werden können. Auch die Menge an Adrenalin, die die Prinzessin erhalten habe, sei zu hoch gewesen, sagte Thomas Treasure. "Sie haben sie nicht verloren, weil sie es nicht versucht haben. Aber es war nicht unbedingt produktives Versuchen."

Auf die Frage, ob Prinzessin Diana hätte gerettet werden können, sagte der Arzt: "Ja, gerade noch." Auch der Gerichtsmediziner Scott Baker räumte ein, dass die Kombination ihrer inneren Verletzungen zwar sehr selten sei, es aber theoretisch möglich gewesen wäre, die Prinzessin zu retten.

Am Unfallort hatten die Einsatzkräfte 35 Minuten benötigt, um die schwer verletzte Diana aus dem Mercedes zu retten. Noch im Tunnel erlitt die Prinzessin einen Herzstillstand und musste wiederbelebt werden. Erst nachdem der Notfallarzt die Patientin gegen 1.40 Uhr - eine gute Stunde nach dem Unfall - für den Transport stabilisiert hatte, wurde sie ins Krankenhaus gebracht.

Dabei habe sich die Prinzessin heftig gegen die Behandlung gewehrt, habe sich einen Schlauch aus dem Arm gerissen und musste fixiert werden. Auf dem Weg ins Krankenhaus hatte der Notarzt dann den Fahrer angewiesen, langsam zu fahren. Wenige Minuten vom Krankenhaus entfernt hielt er den Wagen sogar vollständig an, weil der Blutdruck der Prinzessin gefährlich gesunken war.

Das britische Gericht, das den Unfalltod der Prinzessin untersucht, wurde von Experten über den Unterschied zwischen britischen und französischen Rettungseinsätzen informiert, berichtet die englische "Times": Schwerverletzte würden in Großbritannien schnellstmöglich in ein Krankenhaus transportiert, um dort behandelt zu werden - das Prinzip heißt "scoop and run", frei mit "einpacken und weg" zu übersetzen. In Frankreich dagegen werde nach dem Prinzip "stay and play" vorgegangen: Die Rettungskräfte schöpfen vor Ort alle Behandlungsmöglichkeiten aus, um den Patienten für den Transport ins Krankenhaus zu stabilisieren.

hei/AFP/AP



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