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09. Juni 2017, 07:47 Uhr

US-Bundesstaat Alabama

Dreifachmörder mit Giftspritze hingerichtet

Robert Melson ermordete 1994 drei Menschen in einem Schnellimbiss. Dafür wurde er nun in Alabama hingerichtet. Seine Verteidiger kritisierten das Prozedere: Es schaffe "die Illusion eines friedlichen Todes".

Im US-Bundesstaat Alabama ist zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Mensch hingerichtet worden. Um 22.27 Uhr am Donnerstagabend (Ortszeit) wurde Robert Melson für tot erklärt. Der 46-Jährige schüttelte den Kopf, als er gefragt wurde, ob er letzte Worte habe. Als ihm die tödliche Injektion verabreicht wurde, zitterte seine Hand, und er atmete schwer.

Melson hatte 1994 zusammen mit einem Komplizen einen Schnellimbiss im Ort Dadsden überfallen. Er schoss auf vier Angestellte, von denen drei starben. Der Überlebende konnte Melsons Komplizen - einen ehemaligen Angestellten in dem Imbiss - identifizieren. Der Hinweis führte Ermittler schließlich auch zu Melson.

Die Familie eines Opfers verschickte eine Mitteilung, drei junge Menschen seien "wegen ein paar Hundert Dollar" gestorben. Die Hinterbliebenen kritisierten die Versuche von Melsons Anwälten, Alabamas Hinrichtungsprozedere als unmenschlich darzustellen.

"Was denkt er über die drei Menschen, die litten, als er sie erschoss?"

"Seit 21 Jahren sitzt er in der Todeszelle, unterstützt vom Staat Alabama, und denkt, er solle bei der Hinrichtung kein bisschen Schmerz erleiden", heißt es in der Mitteilung. "Was denkt er über die drei Menschen, die litten, als er sie erschoss?"

Mit einer Reihe von Eingaben hatten Melsons Anwälte versucht, die Hinrichtung zu verhindern. Sie konzentrierten sich auf die Nutzung des Beruhigungsmittels Midazolam, das einige US-Bundesstaaten für Hinrichtungen verwenden, weil andere Mittel nicht mehr verfügbar sind.

Midazolam soll verhindern, dass Todeskandidaten Schmerzen spüren, bevor ihnen Medikamente verabreicht werden, die die Atmung und den Herzschlag stoppen. Diese Wirkung blieb aber bei mehreren Hinrichtungen aus. Es gab Fälle, in denen Verurteilte auch nach Verabreichung des Medikamentencocktails Anzeichen für Bewusstsein und Schmerzen zeigten.

Melsons Anwälte argumentierten, Midazolam betäube den Verurteilten nicht. Es sehe nur so aus, weil ein Paralytikum weitere Bewegungen verhindere. Alabamas Hinrichtungsprozedere sei eine Illusion, schrieben die Anwälte. "Es schafft die Illusion eines friedlichen Todes, in Wahrheit ist es alles andere als das."

Die Justizbehörden in Alabama beriefen sich auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA, der den Einsatz von Midazolam bei vielen Hinrichtungen gebilligt habe. Melson habe sich über Jahrzehnte seiner gerechten Strafe entzogen, teilte Alabamas Justizminister Steve Marshall mit.

ulz/AP

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