Nach Entscheidung des Supreme Court Mann in Alabama mit Giftspritze hingerichtet

1996 erschoss Matthew Reeves einen Mann mit einer Schrotflinte, stahl ihm 360 Dollar und feierte danach den Mord. Nun wurde dem an einer geistigen Behinderung leidenden Reeves Gift injiziert.
Das Holman-Gefängnis in Alabama: Hier wurde Matthew Reeves hingerichtet

Das Holman-Gefängnis in Alabama: Hier wurde Matthew Reeves hingerichtet

Foto: Jay Reeves / AP

Der US-Bundesstaat Alabama hat am Donnerstag nach einer Entscheidung des höchsten US-Gerichts, des Supreme Court, einen geistig behinderten, verurteilten Mörder mit der Giftspritze hingerichtet.

Die Anwälte des Verurteilten Matthew Reeves, 43, hatten versucht, die Hinrichtung zu verhindern: Sie hatten darauf verwiesen, dass Reeves die Möglichkeit verwehrt worden sei, durch eine andere – unerprobte, aber möglicherweise weniger schmerzhafte – Hinrichtungsmethode zu sterben.

2018 durften Todeskandidaten in Alabama sich aussuchen, ob sie per Giftspritze oder per Ersticken durch Stickstoff hingerichtet werden wollen. Ihren Wunsch sollten sie auf einem Formular deutlich machen. Reeves füllte das Formular jedoch nicht aus. Seine Anwälte verwiesen darauf, dass Reeves geistig behindert war und eine Leseschwäche hatte. Er hätte daher Hilfe gebraucht, um das Formular zu verstehen, argumentierten die Anwälte.

Ein Mord für 360 Dollar

Zunächst hatte ein Richter entschieden, Reeves dürfe deshalb nur per Ersticken durch Stickstoff hingerichtet werden. Am Mittwoch hatte ein Berufungsgericht die Entscheidung bestätigt – der Bundesstaat Alabama zog daher vor den Supreme Court. Dieser verwarf am Donnerstag die Entscheidung der anderen Gerichte – der Mann durfte auch per Giftspritze hingerichtet werden.

Hingerichteter Reeves: Mit der Giftspritze getötet

Hingerichteter Reeves: Mit der Giftspritze getötet

Foto: Alabama Department of Corrections / AP

Reeves hatte 1996 einen Mann überfallen und getötet, der ihn und einige weitere Männer in seinem Auto mitgenommen hatte. Der damals 18 Jahre alte Reeves hatte den Mann mit einer Schrotflinte erschossen und ihm 360 Dollar gestohlen. Anschließend war er auf eine Party gegangen, auf der er getanzt und die Zuckungen des sterbenden Mannes nachgeahmt hatte. Eine Person hatte bezeugt, dass an Reeves’ Händen noch Blut geklebt habe, als er auf der Feier war.

Keine einstimmige Entscheidung des Supreme Court

Reeves Anwälte kritisierten die Entscheidung, die das Gericht nicht begründete. »Die außergewöhnliche Autorität des Supreme Courts sollte genutzt werden, um seine Bürger zu schützen, und sie nicht ohne weitere Erklärung ihrer Rechte berauben«, teilten sie mit.

Die Entscheidung war nicht einstimmig: Von den neun Richterinnen und Richtern stimmten nur fünf zu. Die Richterin Amy Coney Barrett sagte, sie würde den Wunsch des Bundesstaats ablehnen. Und drei weitere Richterinnen und Richter waren der Meinung, die Hinrichtung solle nicht stattfinden.

Schon im Oktober hatte das Gericht in einem ähnlichen Falle genauso entschieden: Die Anwälte eines Mannes mit einem IQ von etwa 70 hatten genauso argumentiert wie Reeves’ Anwälte: Der Mann habe nicht verstanden, dass er sich hätte aussuchen können, wie er hingerichtet werden wolle. Auch in diesem Fall entschied der Supreme Court, dass der Mann per Giftspritze hingerichtet werden durfte.

has/AP
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