Polizei veröffentlicht Video vom Baldwin-Verhör »Ich drehe mich um, spanne die Pistole. Peng, sie geht los«

Die Polizei hat eine Reihe von Videos vom Filmset veröffentlicht, auf dem der tödliche Schuss auf Kamerafrau Halyna Hutchins fiel. Sie zeigen Schauspieler Alec Baldwin bei Zielübungen und im Verhör.
Alec Baldwin am Set, aufgenommen von einer Bodycam: »Ich nehme die Waffe langsam heraus. Ich drehe mich um, spanne die Pistole«

Alec Baldwin am Set, aufgenommen von einer Bodycam: »Ich nehme die Waffe langsam heraus. Ich drehe mich um, spanne die Pistole«

Foto: Santa Fe County Sheriff / dpa

Die 42 Jahre alte Kamerafrau Halyna Hutchins starb im vergangenen Oktober, als sich bei Dreharbeiten zum Western »Rust« ein Schuss aus der Requisitenwaffe von Schauspieler Alec Baldwin löste. Die Polizei von Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico hat nun Text-, Bild- und Videomaterial veröffentlicht, das bei den Ermittlungen verwendet wird. Dazu zählen unter anderem Polizei-Bodycam-Aufnahmen, Fotos und Videos vom Tatort sowie Textnachrichten zwischen Filmcrewmitgliedern in den Tagen vor und nach dem Vorfall. Auch ein Video von einer Vernehmung Baldwins ist nun öffentlich.

Die Dreharbeiten fanden auf einer Filmranch am Stadtrand von Santa Fe in einer kleinen Kirche statt. In den Videos ist etwa Baldwin zu sehen, wie er offenbar kurz vor dem mutmaßlichen Unfall im Kostüm Zielübungen mit der Waffe macht. Die Aufnahmen der Bodycam eines Polizisten zeigen die Szenen unmittelbar nach der Tat. Außerdem sind Sanitäter zu sehen, die neben der am Boden liegenden Hutchins knien.

Baldwin erläutert Hergang des Unglücks

Eine andere Aufnahme zeigt Baldwin im Verhör mit Polizisten. Er schildert den Hergang des Vorfalls aus seiner Sicht. Baldwin weiß zu diesem Zeitpunkt aber offenbar nicht, dass Hutchins lebensgefährlich verletzt worden ist.

»Ich nehme die Waffe langsam heraus. Ich drehe mich um, spanne die Pistole«, sagt Baldwin. »Peng, sie geht los. Sie [Hutchins, d. Red.] schlägt auf dem Boden auf. Er geht schreiend zu Boden.« Mit »er« meint Baldwin an dieser Stelle Regisseur Joel Souza, der offenbar von demselben Schuss in die Schulter getroffen wurde.

Auf einem der Videos, die von der Polizei von Santa Fe County herausgegeben wurden, scheint Baldwin das Ziehen seines Revolvers am Set des Films »Rust« zu üben

Auf einem der Videos, die von der Polizei von Santa Fe County herausgegeben wurden, scheint Baldwin das Ziehen seines Revolvers am Set des Films »Rust« zu üben

Foto: Santa Fe County Sheriff / dpa

Souza berichtet in einem anderen Video von dem Unglück. Es habe »einen sehr lauten Knall« gegeben, »und dann fühlte es sich an, als hätte mich jemand in die Schulter getreten.« In dem Video fragt Souza, ob es Hutchins gut gehe.

Baldwin zeigt sich bei der Vernehmung geschockt darüber, dass er eine Waffe mit scharfer Munition in der Hand hatte. Er sagt, die Waffe hätte nicht geladen sein sollen.

Die Aufnahme der Bodycam eines Polizisten von Santa Fe County: Rettungskräfte versorgen die angeschossene Kamerafrau

Die Aufnahme der Bodycam eines Polizisten von Santa Fe County: Rettungskräfte versorgen die angeschossene Kamerafrau

Foto: Santa Fe County Sheriff / dpa

In einem offenbar später an diesem Tag von der Polizei aufgenommenen Video macht Baldwin ein paar hektische Anrufe, während er auf ein Treffen mit den Strafverfolgungsbeamten wartet. »Sie haben keine Ahnung, wie unglaublich und seltsam das ist«, sagt er am Telefon.

Baldwin dementiert Probleme mit Schusswaffen

In einem der Videos vom 21. Oktober sagt Baldwin wiederholt, dass es am Set von »Rust« keinerlei Probleme mit Schusswaffen gegeben habe. Diese Aussagen stehen im Widerspruch zu neueren Erkenntnissen von US-Arbeitsschutzbehörden, die vergangene Woche die höchstmögliche Geldbuße von fast 137.000 US-Dollar gegen die Filmproduktionsfirma verhängt hatten. Im dazu veröffentlichten Bericht heißt es, dass die Produzenten eine »offensichtliche Gleichgültigkeit gegenüber den mit Schusswaffen verbundenen Gefahren« an den Tag gelegt hätten.

Die Sicherheitsregeln seien »routinemäßig« nicht eingehalten worden, so hätte es etwa niemals »scharfe Munition« am Drehort geben oder eine Waffe auf eine Person gerichtet werden dürfen, heißt es in dem Untersuchungsbericht. Der »tragische Vorfall« hätte vermieden werden können. Die Produktionsfirma hat angekündigt, die Feststellungen und Sanktionen anzufechten.

Baldwin hatte in einem Interview mit ABC News gesagt, dass er am Set die Waffe auf ihre Anweisung auf Hutchins gerichtet habe. Die Waffe sei losgegangen, ohne dass er den Abzug betätigt habe.

Der Sheriff von Santa Fe County, Adan Mendoza, sagte in einer Erklärung, die Ermittlungen seiner Behörde seien offen und im Gange, man warte auf die Ergebnisse der ballistischen und forensischen Analyse des FBI sowie auf Untersuchungen von Fingerabdrücken und DNA.

ktz/AP/Reuters