Zur Ausgabe
Artikel 22 / 77
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Holocaust Justiz beendet Fahndung nach NS-Verbrecher Alois Brunner

Der SS-Hauptsturmführer Alois Brunner deportierte über 128.000 Juden in die Vernichtungslager. Zuletzt lebte er in Syrien. Die Kölner Justiz vermutet, er sei dort auch gestorben.
aus DER SPIEGEL 29/2022
Ankunft ungarischer Juden im Vernichtungslager Auschwitz 1944

Ankunft ungarischer Juden im Vernichtungslager Auschwitz 1944

Foto: Reinhard Schultz / IMAGO

Die Kölner Justiz hat den Haftbefehl gegen den seit 1945 flüchtigen NS-Verbrecher Alois Brunner aufgehoben und Fahndung und Verfahren eingestellt. 110 Jahre nach seiner Geburt gilt Brunner juristisch als tot. Der schmächtige Bauernsohn aus dem Burgenland war enger Mitarbeiter des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann und an der Deportation und Ermordung von mehr als 128.000 Juden und Jüdinnen beteiligt. Brunner galt als Sadist und besonders fanatischer Antisemit. Sein jüngstes nachgewiesenes Opfer war ein zweijähriges Mädchen namens Monique.

Aus: DER SPIEGEL 29/2022
Foto:

Titelillustration: Maren Amani für den SPIEGEL

Keiner da, der sich kümmert

Die düsteren Prognosen von Wirtschaftsexperten tat man über Jahre als überzogen ab. Nun ist der Personalmangel da – und trifft Deutschland mit Wucht. Gesucht werden nicht nur Menschen mit Spitzenqualifikationen, sondern auch mit ganz alltäglichen Berufen. Ohne sie droht dem Land der Kollaps.

Lesen Sie unsere Titelgeschichte, weitere Hintergründe und Analysen im digitalen SPIEGEL.

Zur Ausgabe

Zur NSDAP in Österreich war der gelernte Kaufmann 1931 mit 19 Jahren gestoßen. Nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an das »Dritte Reich« 1938 machte er Karriere in Eichmanns Wiener »Zentralstelle für jüdische Auswanderung«. Eichmann und Brunner entwickelten dort eine besonders effiziente Methode, die Opfer auszuplündern, ehe man sie aus dem Lande trieb und ab 1941 systematisch umbrachte.

Später folgte Brunner seinem Chef nach Berlin. Brunner ließ jüdische Opfer aus Thessaloniki, Paris, Nizza oder Pressburg verschleppen. Eichmann soll über Brunner gesagt habe, er sei sein »bester Mann«.

Bei Kriegsende tauchte Brunner unter, arbeitete unter falschem Namen in Essen unter Tage. 1954 setzte er sich nach Ägypten und später Syrien ab, wo er unter dem Namen Georg Fischer lebte. Rudolf Vogel, CDU-Politiker und später Staatssekretär, half nach der Aussage von Zeugen bei der Flucht (mehr zum Netzwerk Brunners lesen Sie hier ).

1961 erließ das Amtsgericht Frankfurt am Main einen Haftbefehl, 1984 folgte ein weiterer Haftbefehl des Amtsgerichts Köln. Die Bundesregierung stellte auch ein Auslieferungsersuchen, dieses blieb jedoch ergebnislos. Das syrische Regime leugnete die Anwesenheit des NS-Verbrechers.

Brunner überlebte in Damaskus zwei Briefbombenanschläge, die dem israelischen Geheimdienst zugerechnet werden. In einem Interview verhöhnte er 1987 seine Opfer als »menschlichen Abfall« und erklärte: »Ich bedaure nichts und würde es wieder tun.« Die Kölner Staatsanwaltschaft vermutet, Brunner sei in Syrien gestorben.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Zur Ausgabe
Artikel 22 / 77
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.