Vierfachmord in den Alpen Ex-Mann von getöteter Frau starb am selben Tag

Iqbal al-Hilli, ihr Mann, ihre Mutter und ein Radfahrer wurden vor gut zwei Jahren in den französischen Alpen ermordet. Nun wird bekannt: Der frühere Ehemann der Frau starb am selben Tag in den USA.

Tatort des Vierfachmordes in den französischen Alpen 2012: Waldparkplatz bei Chevaline
AP

Tatort des Vierfachmordes in den französischen Alpen 2012: Waldparkplatz bei Chevaline


Annecy - Es scheint offenbar eine neue Wendung im Fall des Vierfachmordes in den französischen Alpen zu geben. "Wir haben einige überraschende Dinge über Iqbal al-Hilli herausgefunden, und wir haben noch keine Antworten auf einige der Fragen", sagte der leitende Ermittler Benoit Vinnemann dem britischen "Guardian". Demnach war die Frau, eines der Opfer, vor ihrer Ehe mit Saad al-Hilli, von 1999 bis 2000 mit einem US-Amerikaner verheiratet, erzählte ihrer Familie davon aber nichts.

Das Verbrechen von Chevaline gilt als einer der mysteriösesten Mordfälle der vergangenen Jahre. Ein Unbekannter hatte dort im September 2012 das irakisch-stämmige Ehepaar al-Hilli und die Mutter der Ehefrau auf einem Waldparkplatz erschossen. Ebenfalls getötet wurde ein offenbar zufällig vorbeikommender Radfahrer. Nur die beiden kleinen Kinder des bei London lebenden Paares überlebten.

Nun wurde bekannt: Iqbal al-Hillis früherer Ehemann starb am 5. September 2012, dem Tag des Vierfachmordes in den Alpen, im US-Bundesstaat Mississippi. Die offizielle Todesursache: Herzversagen. Doch Ermittler Vinnemann kann sich offenbar vorstellen, dass es bei dem Mord auf dem Parkplatz um die 47-Jährige ging: "Gibt es ein Familiengeheimnis, das wir bisher nicht gefunden haben? Betrifft es Saad, oder doch seine Frau Iqbal?" Staatsanwalt Eric Maillaud teilte der BBC hingegen mit, man sehe keinerlei Zusammenhang zwischen dem Vierfachmord und dem Tod des Ex-Mannes.

Als eine heiße Spur galt bislang ein möglicher Erbstreit. Das französisch-britische Ermittlerteam hatte im Juni 2013 den Bruder des getöteten Familienvaters vorläufig festnehmen lassen, wegen des Verdachts auf Verschwörung zum Mord. Für einen Haftbefehl gab es aber nicht ausreichend Belastungsmaterial - die Ermittler mussten den Verdächtigen wieder freilassen.

Die Staatsanwaltschaft verfolgte zudem Kontakte des getöteten Familienvaters in dessen Geburtsland Irak und schloss auch einen Zusammenhang mit dem beruflichen Umfeld des Briten nicht aus. Er war in der Raumfahrtbranche tätig.

Im Februar war zwischenzeitlich ein Mann festgenommen worden. Verdachtsmomente hätten sich durch Vernehmungen und Durchsuchungen der vergangenen Tage nicht erhärtet, hieß es jedoch wenige Tage später. Es fehlten Hinweise auf eine "direkte Verbindung" zwischen dem früheren Polizisten und der Tat.

Die Ermittler hatten bei dem 48-Jährigen etliche Waffen und Munition entdeckt. Zeugenaussagen zu Phantombildern hatten ihn mit dem Mord in Verbindung gebracht. Eine Analyse von Handydaten ergab, dass er sich zur Tatzeit in der Nähe des Tatorts aufhielt.

wit

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