Messerangriff Altenas Bürgermeister hat Mitleid mit seinem Attentäter

"Er hat sein Leben verpfuscht": Altenas Bürgermeister zeigt sich milde, fordert aber ein rigoroseres Vorgehen gegen Hetzer und Pöbler. Städte und Gemeinden wollen einen Straftatbestand "Politiker-Stalking".

Bürgermeister Andreas Hollstein in Altena
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Bürgermeister Andreas Hollstein in Altena


Werner S. attackierte den Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, mit einem Messer. Der Kommunalpolitiker hat nach eigenen Worten Mitleid mit dem Täter. "Er hat sein Leben verpfuscht", sagte Hollstein der Online-Ausgabe der "Passauer Neuen Presse". Die wirklichen Täter seien "die Brunnenvergifter, die man auch aus den sozialen Netzwerken kennt. Es gibt eine zunehmende Verrohung in der Gesellschaft." Dennoch betonte der CDU-Politiker: "Ich mache weiter."

Hollstein war am Montagabend in einem Imbiss in der sauerländischen Stadt mit einem Messer attackiert und leicht am Hals verletzt worden. Der Angriff hat laut Staatsanwaltschaft ein fremdenfeindliches Motiv. Hollstein ist für sein Engagement für Flüchtlinge bekannt. Gegen einen 56 Jahre alten Werner S. wurde am Dienstag Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen.

Die Ermittler gehen nach ersten Erkenntnissen von einer spontanen Tat des arbeitslosen Maurers aus. Er sei angetrunken gewesen und habe erst in dem Dönergrill bemerkt, dass der andere Kunde der Bürgermeister war. Hinweise, dass der Angreifer Verbindungen in die organisierte rechte Szene gehabt habe, seien bislang nicht gefunden worden, sagte Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli in Hagen. Der Angreifer soll nun vernommen und psychiatrisch begutachtet werden.

"Der Staat muss wehrhafter sein"

Die Staatsanwaltschaft geht von einer Tötungsabsicht aus niedrigen Beweggründen aus. Hintergrund könne neben einer politischen Motivation auch der Umstand sein, dass man ihm das Wasser abgestellt habe, da das Haus, in dem er wohne, zwangsversteigert werden solle, sagte Pauli.

Lichterkette in Altena
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Lichterkette in Altena

Mit einer Lichterkette bekundeten viele Menschen in Altena am Dienstagabend Solidarität mit dem Bürgermeister. Politiker sind in den vergangenen Jahren in Deutschland wiederholt Opfer von Attentätern geworden. Die erneute Gewaltattacke löste Bestürzung aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich "entsetzt über den Messerangriff".

Hollstein forderte ein rigoroseres Vorgehen gegen solche Täter. "Der Staat muss wehrhafter sein", sagte er der Zeitung. "Wir sind nicht rechtzeitig eingeschritten und haben in dieser liberalen Gesellschaft nicht früher Grenzen gezogen. Wer hetzt, gafft, Rettungskräfte angreift, muss mit saftigen Strafen rechnen. Wenn man Politiker anpöbelt und bedroht, ist das kein Kavaliersdelikt."

Video: Der Angriff auf den Bürgermeister

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte die Einführung eines Straftatbestandes "Politiker-Stalking". "Der geltende Stalking-Paragraf 238 Strafgesetzbuch sollte um einen neuen Straftatbestand des 'Politiker-Stalkings' ergänzt werden", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland". Andernfalls würden Führungspositionen in Politik und Verwaltung immer unattraktiver. "Hasskriminalität bedroht die staatlichen Ämter", sagte Landsberg.

wit/dpa

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