Fall Amanda Knox Gericht wirft Ermittlern eklatante Fehler vor

Der Mordprozess gegen die Amerikanerin Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito war blamabel für die italienische Justiz. Jetzt hat das Oberste Gericht seinen Freispruch schriftlich begründet - und rechnet mit den Ermittlern ab.

Knox während einer Gerichtsverhandlung: In letzter Instanz freigesprochen
REUTERS

Knox während einer Gerichtsverhandlung: In letzter Instanz freigesprochen


Jahrelang hat die italienische Justiz versucht, den barbarischen Mord an Meredith Kercher aufzuklären. Bereits kurz nach der Tat präsentierten die Ermittler drei Verdächtige: Darunter Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito. Es folgten Prozesse, Verurteilungen und Freisprüche - bis das Oberste Gericht die beiden im März dieses Jahres in letzter Instanz für unschuldig erklärte.

Nun hat das Gericht das Urteil schriftlich begründet. Darin werfen die Richter den Ermittlern eklatante Fehler vor: Diese seien falschen Spuren nachgegangen und hätten sich auch von dem enormen Medieninteresse an dem Fall beeinflussen lassen. Die Polizei habe der Öffentlichkeit möglichst schnell Schuldige präsentieren wollen, teilte das Gericht mit.

Die halbnackte Leiche von Meredith Kercher war am 2. November 2007 in der Via della Pergola Nr. 7, im malerischen italienischen Universitätsstädtchen Perugia gefunden worden. Die Studentin war vor ihrem Tod vergewaltigt worden, ihr Körper von Messerstichen übersät.

Amanda Knox und Raffaele Sollecito wurden deshalb 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, 2011 wurden sie freigesprochen. Knox kehrte in die USA zurück. Der Fall ging durch weitere Instanzen, Knox und Sollecito wurden erneut verurteilt und dann im März endgültig freigesprochen.

Ein dritter Verdächtiger sitzt bereits seit Jahren im Gefängnis: Rudy Guede wurde in einem Schnellverfahren zunächst zu 30, später zu 16 Jahren Haft verurteilt. Die Ermittler hatten immer wieder betont, Rudy Guede könne die Tat nicht allein begangen haben.

brk/dpa/AP

insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Utu 07.09.2015
1. Bisschen dünn, der Artikel
Ist schon klar, dass im Rahmen eines solchen Artikels keine tiefgreifende Urteilsanalyse erwartet werden kann. Aber etwas mehr als nur die Wiedergabe pauschaler Vorwürfe wäre schon ganz nett gewesen. Welche Punkte sprachen denn nun gegen eine Täterschaft der beiden Angeklagten?
Annabelle1811 07.09.2015
2. Das ist schon eigenartig!
Und was führt zu diesem Ergebnis, daß die beiden bisher Verdächtigten plötzlich unschuldig sind? Was ist mit den gefundenen Spuren von Amanda Knox an der Toten? Der einzig Schwarze an der Tragödie wurde schnellstens verurteilt. Wenn er schuldig ist, warum hat man nicht versucht, über ihn mit Versprechungen zu reduziertem Strafmaß mehr rauszufinden. Ich habe das Gefühl, hier wird möglichst schnell versucht, alles abzuschließen. Mir tun eigentlich am meisten die Eltern von Meredith Kercher leid, weil sie die schändliche Tat an ihrer Tochter nicht gesühnt sehen. Und Amanda Knox und ihr italienischer Freund haben sicher etwas mit dem Mord zu tun, wenn sie unter Drogen standen, wie berichtet.
puqio 07.09.2015
3. Nicht schlüssig
Das ist nicht nur dünn, sondern nicht schlüssig. Wenn die beiden 2009 vom Gericht für lange Haftstrafen verurteilt wurden, und dann erst im März 2015 freigesprochen wurden, dann stimmt beim Gericht etwas nicht. Wie kann ein Richter ohne schlüssige Beweise Menschen zu langen Haftstrafen verurteilen? Wir der Richter zur Rechenschaft gezogen? Handelt die italienische Gerichtsbarkeit nach Lust oder Laune? Spielen Beweise in Italien keine Rolle? Da tun sich viele Fragen auf. Keine einzige davon wird in diesem Beitrag beantwortet. Das ist nicht nur dünn, das ist ungenügend.
wellemueller 07.09.2015
4. Seichte Urteilsbegründung
Zitat von UtuIst schon klar, dass im Rahmen eines solchen Artikels keine tiefgreifende Urteilsanalyse erwartet werden kann. Aber etwas mehr als nur die Wiedergabe pauschaler Vorwürfe wäre schon ganz nett gewesen. Welche Punkte sprachen denn nun gegen eine Täterschaft der beiden Angeklagten?
Weiß ich auch nicht! Aber insgesamt finde ich die Situation beschämend, weil ein derart schrecklicher, furchtbarer und grausamer Mord von Seiten der Justiz so lapidar begründet und zu den Akten gelegt wird.
ohminus 07.09.2015
5.
Zitat von Annabelle1811Und was führt zu diesem Ergebnis, daß die beiden bisher Verdächtigten plötzlich unschuldig sind? Was ist mit den gefundenen Spuren von Amanda Knox an der Toten? Der einzig Schwarze an der Tragödie wurde schnellstens verurteilt. Wenn er schuldig ist, warum hat man nicht versucht, über ihn mit Versprechungen zu reduziertem Strafmaß mehr rauszufinden. Ich habe das Gefühl, hier wird möglichst schnell versucht, alles abzuschließen. Mir tun eigentlich am meisten die Eltern von Meredith Kercher leid, weil sie die schändliche Tat an ihrer Tochter nicht gesühnt sehen. Und Amanda Knox und ihr italienischer Freund haben sicher etwas mit dem Mord zu tun, wenn sie unter Drogen standen, wie berichtet.
Ich habe eher das Gefühl, Sie sind mit dem Fall nicht vertraut. Erstens: Was führt zu diesem Ergebnis, dass die beiden unschuldig sind? Antwort: Der Mangel an Beweisen für Schuld. Zweitens: Was ist mit den Spuren von Amanda Knox an der Toten? Antwort: Die beiden haben eine Wohnung zusammen verwendet. Es wäre merkwürdig, wären KEINE Spuren von Knox an der Toten wären. Drittens: Sie haben bei einem LETZTINSTANZLICHEN Urteil das Gefühl, hier würde versucht, möglichst schnell etwas abzuschließen? Antwort: Sorry, das ist bei einer durch alle Instanzen gegangenen Berufungskette hanebüchener Unsinn. Viertens: Warum wurde nicht versucht, über den Verurteilten mit Versprechungen eines reduzierten Strafmaßes mehr herauszufinden? Antwort: Die Frage ist falsch, denn genau das wurde getan. Genau deswegen wurden Knox und ihr Freund angeklagt. Fünftens: Ihre Verachtung für Drogennutzer ist völlig ohne jegliche Relevanz. Die Verwendung von Drogen ist kein Beweis für einen Mord.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.