Rückkehr von Amanda Knox "Ikone des massenmedialen Prozesses"

Vier Jahre saß Amanda Knox in Italien wegen Mordverdachts in Haft, dann wurde sie endgültig freigesprochen. Nun ist die US-Amerikanerin zurück in dem Land. Bei einem emotionalen Auftritt kritisierte sie die Medien.

Antonio Calanni/ AP/ DPA

Die Sache geht ihr offensichtlich immer noch nahe. Amanda Knox steht an einem Podium in Modena, bei einer Strafrechtskonferenz. Sie weint, wischt sich ihre Tränen weg. An manchen Stellen des Vortrags versagt ihr die Stimme. Immer wieder atmet sie tief durch.

2011 verließ die US-Amerikanerin Italien. Knox war zuvor wegen Mordes an der Britin Meredith Kercher verurteilt und freigesprochen worden. Nach jahrelangem Justizgerangel wurde sie im Jahr 2015 endgültig entlastet (lesen Sie hier mehr über den Fall). Sie hatte angekündigt, nie wieder in das Land zurückzukehren.

Doch nun hat Knox ihre Meinung geändert. Sie sei nach Italien gekommen, weil sie es einfach "musste", sagte sie. Die 31-Jährige ist Stargast beim "festivalgiustiziapenale" in Modena. Das ist eine Veranstaltung der Strafkammer und dem "Italy Innocence Project" der Universität Rom, das unschuldig Verurteilten helfen soll.

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Italien: Der Fall Amanda Knox

Trotz ihres Freispruchs wisse sie, dass sie vor allem in Italien eine umstrittene Person sei, sagte Knox. Sie werde immer mit der Tragödie, mit dem Mord an ihrer Freundin verbunden sein.

Am 2. November 2007 war in Perugia die Leiche der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher gefunden worden. Zugedeckt mit einer Decke, halbnackt und mit durchschnittener Kehle. Knox war Kerchers Mitbewohnerin, kurz nach der Tat geriet sie ins Visier der Ermittler. Boulevardmedien tauften Knox "Engel mit den Eisaugen".

Es sei eine Geschichte kreiert worden und eine Version ihrer selbst, die zu dieser Geschichte passte, sagte Knox in Modena. Ungehemmt hätten die Medien spekuliert, Schlagzeilen mit mutmaßlichen "Orgien" gemacht, ihr "normales" Intimleben verdreht und daraus Profit geschlagen. In der Erzählung sei sie eine "psychopathische, dreckige, unter Drogen stehende Hure" gewesen. "Es war eine falsche Geschichte", sagte Knox. "Ich bin kein Monster, ich bin einfach nur Amanda."

Einige Menschen hätten gesagt, dass sie mit ihrer Anwesenheit erneut die Familie ihrer ermordeten Mitbewohnerin Meredith Kercher traumatisiere. "Sie täuschen sich", sagte Knox.

Ob sie damit richtig liegt, ist fraglich: Der Anwalt der Familie hatte zuvor gesagt, ihre Rückkehr nach Italien sei unangemessen, wie der "Guardian" berichtete. Überhaupt sei ihre Rückkehr in die Öffentlichkeit schmerzhaft für die Kerchers. Die Hinterbliebenen äußern sich laut dem "Guardian" selten zu dem Fall.

Knox dagegen verdiente mit einem Buch angeblich Millionen, wurde in einer Netflix-Dokumentation interviewt, zuletzt veröffentlichte sie einen Essay über mediale Vorverurteilung. Die aktuelle Medienumgebung, heißt es darin, "lässt einem zwei Optionen: alles privat zu halten oder sich den Medien gänzlich zu offenbaren, als Stoff für andere". Sie habe sich deshalb entschieden, ihr Leben zu offenbaren.

Noch immer hat sie Angst

Noch immer habe sie Angst, belästigt und verhöhnt zu werden, sagte Knox. Im Vorfeld ihrer Reise hätten viele gesagt, sie sei verrückt, nach Italien zurückzukehren. "Mir wurde gesagt, dass es nicht sicher ist, dass ich auf den Straßen angegriffen werde, dass ich irrtümlich beschuldigt und wieder ins Gefängnis geschickt werde." Sie sei eingeladen worden, deswegen sei sie gekommen. Gezahlt worden sei ihr nichts.

"Wir haben Amanda eingeladen, weil wir glauben, dass sie die Ikone, also das Symbol des massenmedialen Prozesses ist", sagt die Anwältin Elena Lenzini vom Organisationskomitee. Knox' Geschichte könne die Probleme eines medienwirksamen Prozesses veranschaulichen.

Bis heute ist der Mordfall nicht vollständig aufgeklärt. Der einzig rechtskräftige Verurteilte ist Rudy Guede. Er sitzt wegen Beihilfe zum Mord im Gefängnis. Wer noch dabei war, ist unklar.

jpz/dpa/AFP

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