EGMR-Urteil Italien muss Amanda Knox mehr als 18.000 Euro Entschädigung zahlen

Italienische Behörden haben die Menschenrechte von Amanda Knox verletzt, so ein aktuelles Gerichtsurteil. Das Land muss die US-Bürgerin entschädigen.

Amanda Knox
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Amanda Knox


Ihr Fall wurde weltweit bekannt und jahrelang verhandelt: Italien muss der erst wegen Mordes verurteilten und dann freigesprochenen US-Bürgerin Amanda Knox mehr als 18.000 Euro Entschädigung zahlen.

Die italienischen Behörden hätten bei der Befragung Knox' mehrere ihrer Menschenrechte verletzt, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Die Ermittler seien nicht den Anschuldigungen der US-Amerikanerin nachgegangen. Sie sei von der Polizei geschlagen und unter Druck gesetzt worden. Außerdem habe Italien nicht zufriedenstellend begründet, warum Knox im Jahr 2007 bei einem entscheidenden Polizeiverhör keinen Anwalt bekommen habe. Damit habe Italien gegen das Recht auf ein faires Verfahren sowie gegen das Misshandlungsverbot verstoßen. Das Urteil kann innerhalb von drei Monaten angefochten werden.

Knox war 2009 wegen Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher in Italien zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Nach fast acht Jahren Justizgerangel wurde sie freigesprochen. Ein Urteil wegen falscher Verdächtigung blieb jedoch bestehen: Knox hatte nach Überzeugung der italienischen Richter einen Bekannten des Mordes an Kercher beschuldigt, obwohl sie um seine Unschuld wusste.

Die Amerikanerin machte jedoch vor dem Straßburger Gericht geltend, dass sie diese Aussage im Schockzustand nach dem Fund der Toten und unter dem Eindruck von Schlägen der Polizei gemacht habe. Außerdem habe ihr weder ein Anwalt noch ein Dolmetscher zur Seite gestanden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, das Urteil sei vom EuGH gefällt worden, wir haben den Fehler korrigiert.

sen/dpa



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