Tödliche Fahrt in Berlin Sechs Verletzte kämpfen weiter um ihr Leben, Fahrer hatte wohl psychische Probleme

Ein Auto fuhr in eine Menschenmenge, eine Frau starb, sechs Menschen befinden sich laut Polizei weiter in lebensbedrohlichem Zustand. Der Fahrer sei in Gewahrsam, er sei zuvor bereits mehrfach aufgefallen.
Rettungskräfte in der Tauentzienstraße in Berlin (am 8. Juni)

Rettungskräfte in der Tauentzienstraße in Berlin (am 8. Juni)

Foto: Fabrizio Bensch / REUTERS

Nach der Todesfahrt in Berlin befinden sich laut Polizei weiterhin sechs Menschen in einem lebensbedrohlichen Zustand. Neben der toten Lehrerin seien 31 Menschen verletzt worden, teilt die Polizei mit . Dazu zählten auch Menschen, die unter Schock stünden. Neben den betroffenen Schülerinnen und Schülern aus Hessen, von denen sieben Jugendliche und ein Lehrer schwer verletzt seien, gebe es derzeit 14 weitere Verletzte.

Nach Angaben der Feuerwehr von Mittwochabend wurden insgesamt 22 Menschen in Berliner Krankenhäusern behandelt. »Wir selbst haben vor Ort 17 Menschen versorgt und in Krankenhäuser gebracht«, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Davon seien sechs Betroffene lebensbedrohlich und drei schwer verletzt gewesen. Weitere Menschen hätten sich eigenständig in Kliniken gemeldet.

Ein Großteil der Betroffenen sei verletzt worden, als ein Mann an der Ecke Ku'damm/Rankestraße in die Menschengruppe gefahren ist. Weitere Verletzte habe es gegeben, als der Wagen knapp 200 Meter weiter an der Ecke Tauentzienstraße/Marburger Straße im Schaufenster einer Parfümerie landete.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger und die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (beide SPD) sprachen inzwischen von einer Amokfahrt eines psychisch gestörten Menschen. Die Polizei nutzte den Begriff »Amoktat« zunächst nicht. »Es gibt Tendenzen in diese Richtung, wir legen uns da aber noch nicht fest.«

Spranger sagte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus, der Deutsch-Armenier habe in der Vergangenheit psychische Probleme gehabt. »Die genauen Umstände müssen im Rahmen der laufenden Ermittlungen noch geklärt werden.« Bei der Polizei sei er mehrfach aufgefallen, es habe Ermittlungen gegeben wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Beleidigung. Über politische und extremistische Taten sei nichts bekannt. »Auch im Zusammenhang mit verfassungsfeindlichen Bestrebungen ist der Tatverdächtige bisher nicht aufgefallen.«

Der Mann befinde sich demnach im Polizeigewahrsam und werde am Donnerstag einem Richter vorgeführt. Der Richter kann einen Haftbefehl ausstellen, sodass der Mann in Untersuchungshaft kommt. »Die Ermittlungen werden von der Mordkommission geführt und laufen auf Hochtouren. Die Maßnahmen vor Ort sind abgeschlossen«, so Spranger weiter. Die Polizei habe am Mittwochabend die Wohnung des Mannes durchsucht. »Zurzeit wird sowohl das Mobiltelefon als auch der Computer sehr intensiv untersucht.«

sak/dpa
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