Amokfahrt von Trier Verteidigung fordert Unterbringung des Angeklagten in der Psychiatrie

Mehrere Menschen starben bei einer Amokfahrt in Trier. Die Staatsanwaltschaft verlangt lebenslange Haft für den mutmaßlichen Täter, die Verteidigung hingegen sieht eine eingeschränkte Schuldfähigkeit des Angeklagten.
Gedenken an die Opfer der Amokfahrt im Dezember 2020

Gedenken an die Opfer der Amokfahrt im Dezember 2020

Foto: Oliver Dietze / dpa

Im Prozess um die tödliche Amokfahrt  in Trier hat die Verteidigung am Donnerstag die Unterbringung des Angeklagten in einer geschlossenen Psychiatrie gefordert. Das Urteil in dem Verfahren vor dem Landgericht Trier soll nach Angaben der Vorsitzenden Richterin Petra Schmitz am 16. August verkündet werden – fast ein Jahr nach Prozessbeginn.

Die Pflichtverteidiger Martha Schwiering und Frank Kay Peter verwiesen in ihrem Plädoyer auf das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen, wonach der Angeklagte an einer paranoiden Schizophrenie leidet und vermindert schuldfähig ist.

Verteidigung sieht »keine besondere Schwere der Schuld«

Trotz der vielen Opfer komme eine Verschiebung des Strafrahmens in Betracht, sagte Schwiering. Die Voraussetzungen für die Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld seien nicht erfüllt. Einem Wahnkranken, wie es der Angeklagte sei, stünden keine Handlungsalternativen zur Verfügung. Aus diesem Grund sei bei ihm von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit auszugehen, sagte die Verteidigerin.

Daher forderten sie keine lebenslange Haft und keine besondere Schwere der Schuld für den mutmaßlichen Amokfahrer, wie die beiden Anwälte erklärten. Sie machten auch keine Angaben dazu, wie lange der 52-Jährige aus ihrer Sicht in eine geschlossene Psychiatrie kommen sollte. Die Verteidiger sprachen den Verletzten und Hinterbliebenen der Opfer der Amokfahrt ihr tiefes Mitgefühl aus. Der Angeklagte verzichtete darauf, sein Recht auf das letzte Wort vor der Urteilsfindung wahrzunehmen. Er hatte auch während des Prozesses geschwiegen.

Die Staatsanwaltschaft Trier hatte lebenslange Haft für den 52-Jährigen und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Wegen der psychischen Erkrankung des Mannes beantragte die Anklagebehörde zudem ebenfalls seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Auch Opferanwälte plädierten als Vertreter der Nebenklage auf eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 waren fünf Menschen getötet worden. Zudem gab es zahlreiche Verletzte und Traumatisierte. Seit dem 19. August 2021 steht der Angeklagte als mutmaßlicher Täter vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor, außerdem schwere Körperverletzung in 14 Fällen.

Der Angeklagte soll am 1. Dezember 2020 mit seinem Auto durch die Fußgängerzone gerast sein. Dabei wurden fünf Menschen direkt getötet, ein 77-Jähriger starb elf Monate später. Auf seinem Weg durch mehrere Straßen erfasste der Täter Passanten offenbar wahllos, aber gezielt mit hoher Geschwindigkeit.

»Feindselige Haltung gegenüber der Gesellschaft«

Verteidiger Peter sagt unter Bezug auf das Gutachten, der Angeklagte habe sich Ende der Neunzigerjahre verändert: Er habe sich von seiner Freundin getrennt, seinen Job verloren, den Kontakt zur Schwester abgebrochen und die Zahl seiner sozialen Kontakte verringert. Hier könne seine psychische Krankheit eine Rolle gespielt haben. Sie habe bei dem Mann im Laufe der Jahre eine »feindselige Haltung gegenüber der Gesellschaft« gefördert.

Der Angeklagte habe sogar seine Verteidiger abgelehnt. An den Zeitraum der ihm vorgeworfenen Straftaten habe er nach eigenen Worten keine Erinnerung. Die Staatsanwaltschaft hatte den 52-Jährigen beim Prozessauftakt als alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz, frustriert und mit einem sich entwickelnden »allgemeinen Gesellschaftshass« geschildert.

swe/dpa/AFP
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