Amoklauf-Drohung "Wir mussten mit dem Schlimmsten rechnen"
Offenburg - Dort, wo der Waldweg einen scharfen Knick nach links macht und ein Jägerstand zwischen den Bäumen hochragt, flattert das rot-weiße Absperrband im Wind: Die Offenburger Polizei hat im "Haargarten", einem Waldstück bei Meißenheim, großflächig abgesperrt. Hinter Bäumen lehnt ein silbernes Mountainbike an einem Stamm. "Von der Beschreibung her ist er es", sagt ein Polizist zu seinem Kollegen. Johannes F., der einen Amoklauf am Technischen Gymnasium in Offenburg geplant haben soll, ist tot - er hat sich mit der Waffe seines verstorbenen Großvaters erschossen.
"Dass er nur von einer Polizeistreife gefunden werden konnte, wird schnell klar, wenn man sich umschaut. Für den Polizei-Hubschrauber stehen die Bäume hier viel zu dicht. Und das Handy, über den die Polizei den 18-Jährigen zu orten hoffte, hat er ausgeschaltet, bevor er mit seinem Mountainbike in den dichten Wald fuhr", schreibt die "Mittelbadische Presse".
"Es war für uns alle natürlich ein Schock und eine ungewohnte Situation", sagt Günter Kriwett, Lehrer am Technischen Gymnasium in Offenburg. Johannes F., Schüler des Gymnasiums, hatte für Aufregung und einen Großeinsatz in Baden-Württemberg gesorgt. Der 18-Jährige besuchte die 12. Klasse des Technischen Gymnasiums und bereitete sich auf das Abitur vor. Zuvor hatte er die Realschule absolviert. "Wir mussten davon ausgehen, dass an diesen Schulen etwas geplant war", sagte Einsatzleiter Hans-Joachim Meyer.
Die Bewohner Offenburgs und in der Umgebung sind noch immer aufgebracht. Nikolausfeiern wurden abgesagt. Eltern behielten ihre Kinder aus Sorge zu Hause. Noch ist jedoch nicht geklärt, ob der 18-Jährige wirklich Morde plante. "Es ist nicht klar, ob Johannes F. im Internet einen Amoklauf an einer Schule angekündigt hat", sagte Renter. Die Polizei habe den Computer des Jugendlichen beschlagnahmt und suche nun nach Hinweisen.
Johannes F. - ein introvertierter Einzelgänger
Seine letzte Nachricht hatte der junge Mann am Dienstagabend per Handy-Kurzmitteilung einem Freund geschickt: "Ich gehe morgen nicht zur Schule. Es geht mir dreckig. "Auf die Antwort seines Freundes hatte der Johannes F. nicht mehr reagiert. Sein Handy war bereits ausgeschaltet.
"Wir mussten mit dem Schlimmsten rechnen", sagt Polizeidirektor Reinhard Renter. "Hier in Offenburg hat die Gefahr ein Gesicht bekommen", sagt Edwin Hilberer, stellvertretender Leiter des Offenburger Polizeireviers. Mit dem mutmaßlichen Suizid des Jugendlichen sei der Fall für die Ermittler nicht beendet. "Die erhöhte Wachsamkeit wird aufrechterhalten, solange keine Entwarnung gegeben werden kann", sagte Landeskultusminister Helmut Rau, der bereits am Dienstagabend alle Schulen des Landes in Alarmbereitschaft versetzt hatte.
Der 18-jährige Johannes F. galt als introvertierter Einzelgänger. Zudem hatte er schulische Probleme. Die Tatsache, dass er die Waffe seines verstorbenen Großvaters bei sich hatte, als die Polizei nach ihm fahndete, habe die Situation zusätzlich verschärft. Die Waffe aus dem Zweiten Weltkrieg war ein Erbstück. Mit ihr tötete sich der Jugendliche selbst. Seine Familie, die in einer kleinen Gemeinde im Ortenaukreis lebt, wird psychologisch betreut.