Amoklauf in Finnland Abiturient erschießt acht Menschen - und überlebt schwer verletzt

Ein finnischer Gymnasiast hat bei einem Amoklauf an seiner Schule in der Stadt Tuusula die Direktorin und sieben Mitschüler erschossen. Danach richtete der 18-Jährige, der die Tat im Internet angekündigt hatte, die Waffe auf sich selbst. Er liegt nun im Krankenhaus.


Helsinki - Ein Polizeisprecher sagte, es seien bislang acht Todesopfer zu beklagen. Der Schütze habe nach der Tat auf sich selbst geschossen und sei ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Toten sind den Angaben zufolge fünf Jungen, zwei Mädchen und eine Frau. Möglicherweise handelt es sich dabei um die Direktorin der Schule.

Der 18 Jahre alte Abiturient hatte am Morgen in seiner Schule das Feuer eröffnet. In dem Schulzentrum mit Gymnasium und einer Handelsschule in der Kleinstadt Tuusula, 60 Kilometer nördlich von Helsinki, war nach den Schüssen Panik ausgebrochen. Schüler und Lehrer sprangen aus Fenstern und über eine Mauer ins Freie. Danach konnten Polizisten weitere Menschen in einer nahe gelegenen Kirche in Sicherheit bringen. Zunächst hatte es geheißen, der Amokläufer habe sich verschanzt und werde belagert. In Tuusula leben 30.000 Menschen, rund 500 besuchen das Gymnasium.

"Er bewegte sich systematisch durch die Flure, klopfte an die Türen und schoss darauf", berichtet ein Lehrer. "Es kam mir absolut unwirklich vor - ein Schüler, den ich selbst unterrichtet habe, rannte auf mich los, schreiend, eine Pistole in der Hand."

Mitschüler berichteten, dass der Schüler auf dem Videoportal YouTube unter dem in Deutsch angegebenen Pseudonym "Sturmgeist89" die bevorstehende Tat indirekt angekündigt habe. Tatsächlich findet sich dort ein gestern veröffentlichtes Video mit dem Titel "Jokela High School Massacre" und dem heutigen Datum.

"Ich bin euer Alptraum"

Zu sehen ist ein Gebäude, offensichtlich die Schule, und rot unterlegte Bilder eines jungen Mannes, der mit einer Waffe in die Kamera zielt. In dem Text des Songs, der im Hintergrund läuft, heißt es: "Ich bin euer schlimmster Feind. Ich bin euer Alptraum, der Wirklichkeit wird." Finnische Medien berichten, der mutmaßliche Täter sei ein Waffennarr gewesen und habe mehrfach gesagt, er bewundere die Diktatoren Stalin und Hitler.

Das Profil von "Sturmgeist 89" ähnelt frappierend den Hinterlassenschaften, die Täter wie die Columbine-Mörder oder der Amokläufer von Montreal ins Internet stellten: wüste Hasstiraden, krude Theorien und der Versuch, die eigene Tat zu rechtfertigen. "Ihr fragt euch vermutlich, warum ich das getan habe und was ich will", schreibt "Sturmgeist 89" und fügt hinzu, die meisten Menschen seien vermutlich "ohnehin zu beschränkt", um seine Motive nachvollziehen zu können. "Die menschliche Rasse ist es nicht wert, dass man um sie kämpft, nur dass man sie tötet", lautet seine Begründung.

In der Liste seiner Lieblingsfilme finden sich die üblichen Horror- und Kriegsfilme - offenbar nach dem Vorbild von "Full Metal Jacket" hatte er seiner Waffe einen Namen gegeben ("Catherine").

"Unfassbare Tragödie"

Gewalttätige Zwischenfälle an finnischen Schulen sind sehr selten, obwohl es viele Schusswaffen im Land gibt. Die Finnen stehen in der weltweiten Liste der Verbreitung von Handfeuerwaffen pro Kopf auf Platz drei. Premierminister Matti Vanhanen bezeichnete die Bluttat als "furchtbare und unfassbare Tragödie".

Der Bürgermeister der Stadt Tuusula, Hannu Joensivusaid, äußerte sich entsetzt. "Das hier ist ein friedlicher Ort, so was ist hier noch nie vorgekommen - und wird wohl auch nie wieder vorkommen."

jdl/ffr/dpa/Reuters/AFP



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