Münchner Amoklauf Bundeswehr alarmierte Feldjäger auf Bitten der Polizei

Am Abend des Amoklaufs von München wurden Feldjäger in Alarmbereitschaft versetzt. Nach Informationen des SPIEGEL reagierte die Bundeswehr damit auf eine informelle Anfrage der Polizei.
Absperrung nach Amoklauf in München

Absperrung nach Amoklauf in München

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Etwa anderthalb Stunden, nachdem am Freitagabend vor zwei Wochen im Münchner Olympia-Einkaufszentrum die ersten Schüsse fielen, tagte im Dienstzimmer des Polizeipräsidenten der Krisenstab. Für die Bundeswehr saß der Leiter des Kreisverbindungskommandos mit am Tisch, ein Oberstleutnant der Reserve. Die Situation war unübersichtlich, aus mehreren Stadtteilen wurden Schießereien gemeldet, die Behörden hatten eine "akute Terrorlage" ausgerufen. Nach Informationen des SPIEGEL sollten alle Optionen geprüft werden. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Ob es denkbar sei, dass Feldjäger der Bundeswehr helfen könnten?, wollte die Polizei wissen. Bei Absperrungen und beim Regeln des Verkehrs. Und ob es dafür genügend Kräfte gäbe. Der Oberstleutnant versprach, sich zu kümmern, und meldete die Frage über das bayerische Landeskommando nach Berlin.

Nach Absprache mit der Ministerin entschied die Bundeswehrführung, etwa hundert Feldjäger in München und Ulm und eine Sanitätseinheit in Alarmbereitschaft zu versetzen. Die Soldaten wurden teilweise aus dem Feierabend geholt und warteten in ihren Kasernen auf weitere Befehle. Da sich die "große Terrorlage" im Laufe des Abends nicht bestätigte, wurden sie von der Polizei nicht angefordert. Die Alarmierung wurde erst nach Mitternacht aufgehoben.

Militärs sprechen von "Paris-plus-Szenario"

Der 18-jährige David Sonboly hatte an jenem Abend vor dem Einkaufszentrum neun Menschen erschossen und sich anschließend selbst getötet. Meldungen zu Schüssen an anderen Orten in München stellten sich als falsch heraus.

Nachdem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Alarmbereitschaft ihrer Soldaten zwei Tage später in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" an die große Glocke gehängt hatte, war zunächst der Eindruck entstanden, die Bundeswehr habe die Einheiten auf eigene Initiative hin in Bereitschaft versetzt. Der Schritt hatte die Debatte um einen Bundeswehreinsatz im Inneren angefeuert.

Das Bundesverfassungsgericht hat die Schwelle für einen Einsatz bewaffneter Soldaten im Inland sehr hoch gelegt. Erlaubt wäre danach ein Einsatz bei einem Terrorangriff, der "katastrophische Ausmaße" hat. Selbst ein Anschlag wie in Paris würde dieses Kriterium wohl nicht erfüllen. Die Militärs sprechen von einem "Paris-plus-Szenario", also mehreren schweren Terroranschlägen gleichzeitig in verschiedenen Städten.

Konstantin von Hammerstein
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