Vater des Amokläufers "Unser Leben in München ist erledigt"

Die Eltern des Münchner Amoktäters erhalten nach Aussage des Vaters Morddrohungen. Laut einem Zeitungsbericht zeigte er Mitschüler, die seinen Sohn gemobbt hätten, vor Jahren an - ohne Ergebnis.

Tatort am Olympia-Einkaufszentrum
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Tatort am Olympia-Einkaufszentrum


Die Eltern des Münchner Amokläufers David Sonboly bekommen einem Medienbericht zufolge Morddrohungen. Ihm selbst gehe es schlecht und seine Frau weine seit einer Woche, sagte der Vater der "Bild am Sonntag". "Wir bekommen Morddrohungen", fügte er hinzu. "Unser Leben in München ist erledigt."

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Heft 31/2016
Wie Deutschland sich gegen den Terror wehren kann

Vor gut einer Woche hatte der 18-jährige David Sonboly nahe des Olympia-Einkaufzentrums neun Menschen erschossen, überwiegend Jugendliche. Anschließend tötete er sich selbst. Der junge Mann war psychisch krank, er war nach SPIEGEL-Informationen bis Juni freiwillig in psychiatrischer Behandlung bei einem niedergelassenen Arzt. Als ein mögliches Motiv für seinen Amoklauf gilt sein Gefühl, in der Schule gemobbt worden zu sein.

Sein Vater sagte nun, dass er von den Plänen des 18-Jährigen nichts wusste. Auch von einer Waffe habe er keine Kenntnis gehabt. Die hatte sich Sonboly nach den bisherigen Erkenntnissen im sogenannten Darknet besorgt, einem verborgenen und verschlüsselten Bereich des Internets.

Im Gespräch mit der "Bíld am Sonntag" nannte der Vater seinen Sohn bei seinem früheren Namen Ali. Den Geburtsnamen ließ der spätere Amoktäter - womöglich als Reaktion auf das Mobbing - in David ändern. Danach wollte er offenbar nicht mehr mit Ali angesprochen werden.

Der Vater sagte der "Bild am Sonntag" zudem, sein Sohn "Ali" habe ihm nie von dem Mobbing in der Schule erzählt - davon habe er vor vier Jahren erst über einen Mitschüler erfahren. Er habe seinen Sohn anschließend von der Schule genommen und mit der Lehrerin gesprochen, sagte der Vater. Einige der Schüler habe er angezeigt, die Ermittlungen seien aber eingestellt worden.

Am Sonntag findet in München ein Gedenkgottesdienst zu Ehren der Opfer in der Münchner Frauenkirche statt. Zu einer Gedenkstunde im bayerischen Landtag werden auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

cht/AFP

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