Amstetten-Prozess Josef F. bekennt sich in allen Anklagepunkten schuldig

Jetzt also doch: Der Inzesttäter von Amstetten hat sich am vorletzten Verhandlungstag auch der Sklavenhaltung, des Mordes und der Vergewaltigung schuldig bekannt. Bisher hatte Josef F. nur ein Teilgeständnis abgelegt - doch die Videoaussage seiner Tochter habe ihn umgestimmt, sagt er.

St. Pölten - Das Eingeständnis seiner Schuld kam überraschend: Am heutigen Mittwochmorgen gab der Amstettener Inzesttäter Josef F. auch die Anklagepunkte Mord und Sklaverei zu. Bislang hatte der 73-Jährige diese schwersten Delikte zurückgewiesen und seine Schuld nur bei den Vorwürfen Inzest und Freiheitsentzug eingeräumt. Die Anklagepunkte Vergewaltigung und schwere Nötigung gestand er zu Prozessbeginn zunächst teilweise.

"Ich bekenne mich schuldig der angelasteten Straftaten im Sinne der Anklage", sagte F. nun, am dritten Verhandlungstag. Er verbarg seinen Kopf nicht mehr hinter einer Aktenmappe, sondern zeigte beim Betreten des Gerichtssaals sein Gesicht.

Auf die Frage, was ihn zu seinem Sinneswandel bewegt habe, sagte F.: "Die Videovernehmung meiner Tochter."

Der 73-Jährige bekannte, er sei verantwortlich für den Tod eines Babys, das er mit seiner Tochter Elisabeth in seinem Kellerverlies gezeugt hatte. Der kleine Michael war 1996 krank auf die Welt gekommen und 66 Stunden nach der Geburt gestorben. Er habe das Kind nicht absichtlich umkommen lassen, sondern dessen Gesundheitszustand falsch eingeschätzt, so F.

Psychiatrisches Gutachten soll verlesen werden

Am heutigen Mittwoch soll das psychiatrische Gutachten des Angeklagten verlesen werden. Die Staatsanwaltschaft will auf Grundlage der Expertise erreichen, dass F. in einer Anstalt für Kriminelle untergebracht wird, und damit - unabhängig vom Strafmaß - seine Rückkehr in die Freiheit ausschließen.

F. wird vorgeworfen, im August 1984 seine damals 18-jährige Tochter Elisabeth in den Keller seines Amstettener Mehrfamilienhauses gesperrt zu haben. Während ihrer Gefangenschaft zeugte er mit ihr sieben Kinder, von denen eines kurz nach der Geburt starb. Darauf bezieht sich der Mordvorwurf, da das Baby nach Auffassung der Anklage möglicherweise hätte gerettet werden können, wenn F. Hilfe ermöglicht hätte.

Drei der Kinder holte der Patriarch nach oben und zog sie mit seiner Frau auf, die drei anderen mussten im Verlies leben und sahen nie das Tageslicht, bis der Fall voriges Jahr im April durch die schwere Erkrankung eines der Kinder aufflog.

jdl/AFP/AP/Reuters/dpa
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