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27. November 2018, 12:41 Uhr

Insel vor Indien

Hilfsorganisation fordert, Suche nach getötetem US-Missionar einzustellen

Die Versuche, die Leiche von John Allen Chau zu bergen, sind laut einer Hilfsorganisation "unglaublich gefährlich". Sie wären sowohl für die Ureinwohner als auch die Einsatzkräfte zu riskant.

Mehr als eine Woche ist es her, dass der US-Amerikaner John Allen Chau auf der indischen Insel North Sentinel vermutlich von Ureinwohnern getötet wurde. Die Suche nach der Leiche des jungen Mannes gestaltet sich schwierig. Bislang haben sich Einsatzkräfte der Andamanen-Insel nur genähert. Eine Nichtregierungsorganisation fordert nun, die Bergungsversuche komplett einzustellen.

Chau wollte das Inselvolk bei seinem Besuch am 17. November offenbar zum Christentum bekehren. Nach indischen Behördenangaben hatte er Fischer bestochen, damit sie ihn in die Nähe der Insel bringen, und war dann per Kajak an Land gefahren. Die Ureinwohner töteten Chau daraufhin offenbar mit Pfeilen. Die Fischer, die Chau zu der Insel brachten, haben nach eigenen Angaben gesehen, dass die Ureinwohner seine Leiche am Strand vergruben. (Mehr zu dem Fall lesen Sie hier.)

Jegliche Bergungsmaßnahmen würden "unglaublich gefährlich" für beide Seiten sein, teilte Stephen Corry von Survival International mit. Es bestehe die Gefahr, dass die Polizisten tödliche Krankheiten auf die Insel einschleppen würden, auf der das Volk der Sentinelesen isoliert lebt (Lesen Sie hier, was zu den Sentinelesen bekannt ist). Die Leiche Chaus solle in Ruhe gelassen werden, ebenso wie die Sentinelesen, sagte Corry.

Für die Einsatzkräfte wiederum bestehe die Gefahr, von den Ureinwohnern attackiert zu werden: "Derartige Bemühungen bei vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit endeten damit, dass die Sentinelesen versuchten, ihre Insel mit Gewalt zu verteidigen", hieß es. Nach Polizeiangaben waren zuletzt 2006 zwei Fischer, die sich auf die Insel verirrt hatten, von dem Volk getötet worden.

Den Behörden zufolge will man bei möglichen Bergungsarbeiten zumindest sehr vorsichtig vorgehen: "Sie sind eine Kostbarkeit", sagte Dependera Pathak, der Polizeichef der Andamanen, über die Sentinelesen. "Wir können uns nicht mit Gewalt unseren Weg bahnen. Wir wollen ihnen nicht schaden."

Vorerst sollen die Suchmaßnahmen sogar ganz ausgesetzt worden sein, berichtet die BBC unter Berufung auf Teilnehmer eines Treffens, das am Montag von Regierungsseite einberufen worden war. Die Entscheidung sei getroffen worden, weil der Einsatz zu riskant sei. Außerdem wolle man die Sentinelesen nicht stören. Allerdings sei am Morgen erneut ein Boot in die Region geschickt worden. Es gehe jedoch nur darum, "die Situation zu überprüfen".

bbr/AP

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