Angebliche Sex-Partys Unternehmer belasten Strauss-Kahn schwer

Hat er nun - oder hat er nicht? Im Skandal um einen französischen Zuhälterring könnten Unternehmer für Prostituierte bezahlt haben, deren Dienste Dominique Strauss-Kahn in Anspruch genommen haben soll. Der ehemalige IWF-Chef will nun bei der Polizei unbedingt aussagen.

Dominique Strauss-Kahn Mitte Oktober in Paris: Lust-Reisen nach Washington?
AFP

Dominique Strauss-Kahn Mitte Oktober in Paris: Lust-Reisen nach Washington?


Paris - Die Vorwürfe werden immer konkreter: Zwei französische Zeitungen berichten, dass Unternehmer die Rechnungen für Sex-Partys bezahlt haben sollen - an denen auch Dominique Strauss-Kahn teilgenommen haben könnte. Die Treffen sollen nicht nur in Paris stattgefunden haben, sondern auch in Washington, wo der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) lebte.

Ausgangspunkt der Affäre ist ein Callgirl-Ring in der nordfranzösischen Stadt Lille. Nach Überzeugung der Ermittler soll eine Bande gut vernetzter Zuhälter regelmäßig Kunden von Luxushotels in Lille mit Prostituierten aus dem nahe gelegenen Belgien versorgt haben.

Drei Hotels, darunter das Carlton, wurden geschlossen. Polizisten nahmen fünf Verdächtige fest, unter ihnen ein angesehener Anwalt, der Direktor des Carlton sowie sein PR-Manager. Sie müssen sich wegen Zuhälterei verantworten.

Reisen nach Washington?

Die französischen Tageszeitungen "Libération" und "Figaro" berichteten nun, es habe überdies zwei oder drei Reisen der mutmaßlichen Zuhälter nach Washington gegeben. Die letzte habe zwischen dem 11. und 13. Mai stattgefunden, einen Tag vor der Verhaftung Strauss-Kahns in New York. Das Verfahren wegen Vergewaltigung eines Hotel-Zimmermädchens gegen den Franzosen ist inzwischen eingestellt.

Strauss-Kahn wird unter anderem von David Roquet belastet, dem Chef einer Niederlassung des Bauunternehmens Eiffage. Gegen Roquet läuft ein Ermittlungsverfahren wegen bandenmäßiger Zuhälterei. In einem Verhör habe er ausgesagt, im Februar zusammen mit einem weiteren Unternehmenschefs sowie dem Polizeichef des Départements Nord auf Einladung von Strauss-Kahn nach Washington gereist zu sein. Das berichtet "Libération". Dort habe man "auch den IWF besucht." Mit Zustimmung seines Vorgesetzten habe Roquet die Flugtickets bezahlt.

Strauss-Kahn war eingeladen

Roquet und ein anderer Unternehmer sollen aber zudem auch die Rechnungen in dem Pariser Hotel bezahlt haben, in dem Sex-Partys stattfanden, wie "Figaro" schreibt. An ihnen hätten ebenfalls Strauss-Kahn und Polizeikommissar Jean-Christophe Lagarde teilgenommen. Die Baufirma habe den Großteil der Kosten übernommen, zwischen 12.000 und 15.000 Euro. Roquet, der am Freitag suspendiert wurde, versicherte demnach, Strauss-Kahn sei eingeladen gewesen. Eiffage baut derzeit unter anderem die Sportarena in Lille.

Strauss-Kahn hatte nach ersten Berichten über seine angebliche Verwicklung in den Prostitutionsskandal erklärt, er könne eine Befragung kaum abwarten, um seinen guten Ruf wiederherzustellen. Die Berichte bezeichnete er als "Unterstellungen und Schlussfolgerungen, die gewagt und erneut bösartig" seien.

jbr/AFP



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