Angespülte Leichenteile Schuh-Rätsel an Amerikas Westküste

Elf menschliche Füße in Turnschuhen wurden bisher an der amerikanischen Pazifikküste angespült. Nicht alle konnten Vermissten zugeordnet werden. Weil die anderen Leichenteile verschwunden blieben, steht die Polizei vor einem Rätsel.

Sportschuh, der 2008 mit abgetrenntem Fuß entdeckt wurde: Elf Funde in vier Jahren
AP/ RCMP

Sportschuh, der 2008 mit abgetrenntem Fuß entdeckt wurde: Elf Funde in vier Jahren


Hamburg - Einmal war es nur ein schlechter Scherz: Ein Unbekannter nahm eine skelettierte Tatze, steckte sie in einen schwarzen Turnschuh, stopfte eine Socke und Seetang hinein und legte sie an einen Strand auf Vancouver Island. Rechtsmediziner stellten nach dem Fund im Juni 2008 schnell fest: Die Knochen stammten von einem Tier, nicht von einem Menschen.

"Verwerflich" sei der Scherz, hieß es damals in einem Statement der Gerichtsmediziner von British Columbia. Die Aufregung war verständlich, denn in dieser kanadischen Provinz wurden seit 2007 acht menschliche Füße angespült, abgetrennt vom Rest des Körpers. Drei Füße trug das Meer zudem weiter südlich an Land, an der Pazifikküste des US-Bundesstaates Washington - und immer steckten die Knochen in einem Sportschuh. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel.

Der elfte und bislang letzte Fuß wurde am Dienstag an einem Strand in Vancouver entdeckt. Nun gaben die Ermittler das Ergebnis der Autopsie bekannt: Der Fuß sei nicht gewaltsam abgetrennt worden, sondern habe sich nach langer Zeit im Wasser von allein gelöst. Die Knochen seien bis zum Kniegelenk erhalten gewesen. Den Behörden zufolge wurde zwar eine DNA-Probe entnommen. Allerdings seien nur Rückschlüsse auf das Opfer möglich, wenn dieses Profil auch in einer Datenbank zu finden sei.

Der Fund befeuerte alte Spekulationen, es könne sich um eine Mordserie handeln. Im Netz macht das Schlagwort vom "Reebok Ripper" die Runde. Doch für ein Verbrechen gibt es laut Polizei in keinem der Funde ein Anzeichen. Laut der kanadischen Zeitung "The Globe and Mail" gehören vier der gefundenen Füße zu drei Personen, die als vermisst galten. Die anderen Fälle sind ungeklärt.

Die große Anzahl von Brücken in dem Gebiet deute auf mögliche Suizide hin, sagten Behördensprecher nach dem jüngsten Fund. "Wir können Mord nicht komplett ausschließen", so Gerichtsmediziner Stephen Fonseca. "Wir wissen nicht, warum die Menschen starben. Aber wir haben keinen Beweis dafür, dass sie ermordet wurden."

"Wo sind die anderen Körperteile?"

"Es gibt schrecklich viele Vermisste im Pazifik, entweder Unfallopfer oder Menschen, die Suizid begangen haben", zitiert die Website "24 Hours Vancouver" Gail Anderson, Forensiker der Simon Fraser Universität. "Elf Füße in vier Jahren sind da wirklich nicht allzu viel."

Und warum tauchen immer nur die Füße auf? Es sei nicht ungewöhnlich, dass Körperteile nach einer langen Zeit im Wasser abgetrennt werden, hatten Forensiker schon nach den ersten Funden gesagt. Der Auftrieb der Turnschuhe würde die Füße dann an die Oberfläche bringen.

Doch es gibt auch andere Stimmen. Mark Mendelson, forensischer Berater und ehemaliger Kriminalbeamter, sagte dem Sender CTV: "Ich weiß nicht, ob man an einen Zufall glauben kann." Die Häufigkeit der angespülten Schuhe sei verdächtig. Man müsse sich fragen: "Warum passiert es nur an der Westküste?"

Er habe in seinen 30 Jahren bei der Polizei viele Leichen untersucht, die im Wasser entdeckt wurden. Es sei normal, dass Leichenteile irgendwann an die Oberfläche kommen, so Mendelson. "Aber warum kriegen wir nur die Füße? Warum stecken sie immer in Sportschuhen? Wo sind die anderen Körperteile?" Er sei nicht überzeugt von der Theorie, dass der Auftrieb der Schuhe die Erklärung sei, so der frühere Ermittler. Man müsse auch ein Verbrechen in Betracht ziehen.

hut/AFP

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