Attacke auf ZDF-Kamerateam Mutmaßliche Angreifer kommen vorerst frei

Am Rande einer Demonstration zum 1. Mai wurden mehrere Mitarbeiter der ZDF-"heute-show" teils schwer verletzt. Nun sind sechs Verdächtige wieder auf freiem Fuß. Der Chef der TV-Produktion zeigte sich erschüttert von der Gewalt des Angriffs.
Übergriff auf ZDF-Kamerateam in Berlin: Verdächtige aus Gewahrsam entlassen

Übergriff auf ZDF-Kamerateam in Berlin: Verdächtige aus Gewahrsam entlassen

Foto: Christoph Soeder/ dpa

Nach dem gewaltsamen Angriff auf ein Kamerateam der ZDF-Sendung "heute-show" in Berlin sind die Tatverdächtigen aus dem Gewahrsam entlassen worden. Es seien keine Haftbefehle erlassen worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin auf Twitter mit. Bei vier der Festgenommenen habe kein dringender Tatverdacht vorgelegen, bei zwei seien keine Haftgründe gegeben gewesen.

Laut Polizei handelte es sich bei den Festgenommenen um vier Männer im Alter von 24, 25 und 31 Jahren sowie um eine 25 und eine 27 Jahre alte Frau. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich nicht weiter zu möglichen Hintergründen der Tat oder der Identität der Festgenommenen äußern.

Zuvor hatte Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik mitgeteilt, dass in der Sache der Staatsschutz ermittle. Zu weiteren Erkenntnissen, etwa dem politischen Hintergrund der Täter, wollte sie sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht äußern. Slowik bezeichnete den Angriff jedoch als "feige".

Das insgesamt siebenköpfige ZDF-Team hatte am Nachmittag des 1. Mai bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln, an der auch Rechtspopulisten und Anhänger von Verschwörungstheorien teilgenommen hatten, gefilmt. Auf dem Rückweg zu ihren Fahrzeugen wurden sie laut Polizei von 20 bis 25 Vermummten nahe den Hackeschen Höfen und dem Alexanderplatz angegriffen. Laut Polizei setzten die Angreifer dabei auch eine Metallstange ein, insgesamt wurden sechs ZDF-Mitarbeiter verletzt.

"So einen gezielten Angriff auf ein Team habe ich noch nie erlebt"

Nach Angaben des Senders wurden neben einem Redakteur, einem Kameramann und einem Kameraassistenten auch drei Securitymitarbeiter, die das Kamerateam begleitet hatten, im Krankenhaus behandelt. "Alle sechs haben das Krankenhaus bereits gestern wieder verlassen", teilte das ZDF mit.

"Was mich schockiert, ist die unverhältnismäßige Gewalt gegen die Presse", sagte Harald Ortmann, Geschäftsführer der Produktionsfirma TV United, die in Berlin gedreht hatte, dem SPIEGEL. "Das war keine normale Prügelei, das hatte eine neue Qualität." Der 58-Jährige arbeitet schon seit vielen Jahren für die "heute-show", seit mehr als 30 Jahren ist er rund um den Globus mit der Kamera unterwegs. "Aber so einen gezielten Angriff auf ein Team habe ich noch nie erlebt." Natürlich passiere es bei einem Dreh schon mal, dass jemand "die Hand an die Optik legt oder vielleicht jemanden schubst". "Aber mit so etwas habe ich nicht gerechnet."

Politiker verurteilen den Angriff

ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler hatte den Angriff bereits am Vortag verurteilt. "Die Pressefreiheit ist - gerade in diesen Tagen - ein hohes Gut", sagte er. Politiker bekundeten nach Bekanntwerden des Angriffs ihre Solidarität mit den Journalisten.

"Wir stehen an Eurer Seite! Lasst Euch Euren Humor und Eure Leidenschaft nicht nehmen von feigen Gewalttätern", schrieb Außenminister Heiko Maas (SPD) auf Twitter.

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"Ein Angriff gegen Medien ist ein direkter Angriff auf unsere Demokratie", sagte Grünenfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nannte den Vorfall einen "feigen Angriff auf das Team der 'heute-show' und damit auch auf die Pressefreiheit in unserem Land."

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Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall, wünschte den Betroffenen schnelle Genesung. "Das war ein feiger und durch nichts zu rechtfertigender Überfall auf Journalisten, die ihrer Aufgabe der Berichterstattung nachgekommen sind", sagte Überall. Die NGO "Reporter ohne Grenzen" forderte eine schnelle Aufklärung des Angriffs.

fek/dpa
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