"Feiger Angriff" Staatsschutz ermittelt nach Attacke auf ZDF-Kamerateam

Der Angriff auf ein Kamerateam der ZDF-Satiresendung "heute-show" verstört das Land. Die Motive der Täter sind weiter unklar. Laut Polizei wurden sechs Menschen festgenommen.
Foto: Christoph Soeder/ dpa

Fünf Menschen wurden verletzt, vier von ihnen so schwer, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten: Nach dem Angriff auf ein Kamerateam der ZDF-Satiresendung "heute-show" am Mai-Feiertag in Berlin ermittelt nun der Staatsschutz. Das sagte Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik im RBB-Inforadio.

Nach Dreharbeiten zum Demonstrationsgeschehen am 1. Mai sei das ZDF-Team aus einer Gruppe von etwa 20 vermummten Personen heraus attackiert worden. "Das war ein durchaus feiger Angriff", sagte Slowik. Zu weiteren Erkenntnissen, etwa dem politischen Hintergrund der Täter, wollte sie sich wegen der laufenden Ermittlungen zunächst nicht äußern.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtete, der Zwischenfall habe sich bei einer nicht erlaubten Versammlung von Gegnern der Anti-Corona-Maßnahmen am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte ereignet. Das ZDF-Team war am Nachmittag nach Dreharbeiten von Vermummten angegriffen worden.

Sechs Personen festgenommen

Dem Sender zufolge wurden die Mitarbeiter attackiert, als sie auf dem Weg zu ihren Fahrzeugen waren. Laut Polizei wurden sechs Menschen festgenommen. Einige der Tatverdächtigen sollten noch am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden, wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mitteilte.

"Was mich schockiert, ist die unverhältnismäßige Gewalt gegen die Presse", sagte Harald Ortmann, Geschäftsführer der Produktionsfirma TV United, die in Berlin gedreht hatte, dem SPIEGEL. "Das war keine normale Prügelei, das hatte eine neue Qualität." Der 58-Jährige arbeitet schon seit vielen Jahren für die "heute-show", seit mehr als 30 Jahren ist er rund um den Globus mit der Kamera unterwegs. "Aber so einen gezielten Angriff auf ein Team habe ich noch nie erlebt." Natürlich passiere es bei einem Dreh schon mal, dass jemand "die Hand an die Optik legt oder vielleicht jemanden schubst". "Aber mit so etwas habe ich nicht gerechnet."

Heiko Maas: "Lasst Euch Euren Humor nicht von feigen Gewalttätern nehmen"

ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler verurteilt den Angriff. "Die Pressefreiheit ist - gerade in diesen Tagen - ein hohes Gut", sagte er. Die "heute-show" schrieb auf Twitter, man sei "schwer betroffen" über den Vorfall. "Mehrere Teammitglieder sind im Krankenhaus, unser Reporter Abdelkarim ist unverletzt."

In dem Kurznachrichtendienst bekundeten viele Menschen ihre Solidarität. "Wir stehen an Eurer Seite! Lasst Euch Euren Humor und Eure Leidenschaft nicht nehmen von feigen Gewalttätern", schrieb etwa Außenminister Heiko Maas (SPD).

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"Ein Angriff gegen Medien ist ein direkter Angriff auf unsere Demokratie", schrieb Grünenfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Und die NGO "Reporter ohne Grenzen" fordert eine schnelle Aufklärung des Angriffs.

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Auch die Reaktion des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) auf den Vorfall war eindeutig: "Ich wünsche den Kolleginnen und Kollegen, die bei der Attacke verletzt wurden, gute und schnelle Genesung", sagte DJV-Vorsitzender Frank Überall. "Das war ein feiger und durch nichts zu rechtfertigender Überfall auf Journalisten, die ihrer Aufgabe der Berichterstattung nachgekommen sind."

jus/dpa/AFP
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