Anklage Schwerverbrecher Thomas Wolf kommt vor Gericht

Thomas Wolf war fast neun Jahre lang der meistgesuchte Verbrecher Deutschlands, bis er Ende Mai festgenommen werden konnte. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben - wegen Entführung, Erpressung und Banküberfällen.


Wiesbaden - Der Schwerverbrecher Thomas Wolf muss sich im kommenden Jahr vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat Anklage gegen den 56-Jährigen wegen erpresserischen Menschenraubs und schwerer räuberischer Erpressung erhoben, wie ein Sprecher am Dienstag mitteilte. Er bestätigte damit einen Bericht des "Wiesbadener Kuriers". Dem Blatt zufolge könnte der Prozess im Februar oder März beginnen.

Wolf hatte die Polizei fast neun Jahre lang in Atem gehalten, die Ermittler fahndeten mit internationalem Haftbefehl nach ihm. Silvester 1999 war er aus einem Hafturlaub nicht ins Gefängnis von Moers-Kapellen in Nordrhein-Westfalen zurückgekehrt, wo er unter anderem wegen Bankraubs eine Gesamtstrafe von 21 Jahren hätte verbüßen sollen.

Im Jahr 2000 soll Wolf eine Bank in Hamburg überfallen und dabei umgerechnet etwa 256.000 Euro erbeutet haben. Zur Anklage kommen soll auch ein Banküberfall in den Niederlanden im August 2003. Die niederländischen Behörden hätten eine entsprechende Anfrage gestellt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Im März 2009 hatte Wolf dann die Frau des Bankangestellten in seine Gewalt und ein Lösegeld von 1,8 Millionen Euro erpresst.

Wolf hatte nach seiner Flucht aus dem Gefängnis fast acht Jahre mit falscher Identität in Frankfurt gewohnt. Seine Lebensgefährtin wusste laut Polizei nichts von seinen kriminellen Aktivitäten. Erst Ende Mai 2009 wurde er vor einer Kneipe auf der Hamburger Reeperbahn von der Polizei gefasst. Eine Frau hatte den entscheidenden Hinweis gegeben.

Nach seiner Festnahme hatte er zunächst wochenlang über den Verbleib des Lösegelds geschwiegen, führte dann die Polizei aber doch noch zu den Verstecken in Niedersachsen. Die Beamten konnten fast die komplette Summe sicherstellen.

Laut "Wiesbadener Kurier" könnte der Auftakt des Prozesses im Februar oder März sein. Wolf droht eine Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren, die zu der noch nicht verbüßten Haft von sechs Jahren hinzukommt. Die Staatsanwaltschaft strebt außerdem eine anschließende Sicherungsverwahrung an. Der 56-Jährige habe eine erhebliche kriminelle Energie bewiesen und sei ein Sicherheitsrisiko.

Wolf hatte seit seinem 15. Lebensjahr eine Straftat nach der anderen begangen. Er saß von 1981 bis 2000 in mehreren Gefängnissen - und gilt als Ausbrecherkönig. 1982 gelang ihm aus einer Gefängnisklinik die Flucht, 1988 entkam er aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Gütersloh, 1989 türmte er aus der JVA Geldern.

siu/dpa



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