Anklage wegen Vergewaltigung Ex-Staatsanwalt gesteht Lüge im Polanski-Fall

Neue Entwicklung im Fall Roman Polanski: Ein ehemaliger Staatsanwalt hatte behauptet, den Richter vor mehr als 30 Jahren zu einer Haftstrafe für den Regisseur gedrängt zu haben. Jetzt hat er seine Äußerung als Lüge bezeichnet - er habe die Sache nur etwas "aufpeppen" wollen.

REUTERS

New York - Der frühere US-Staatsanwalt David Wells gestand seine Lüge in einem Gespräch mit dem Fernsehsender CNN. Er habe entgegen früheren Angaben nie mit dem Richter des Polanski-Verfahrens gesprochen, sagte Wells dem Sender am Donnerstag (Ortszeit). "Ich habe diese unbedachten Äußerungen nur gemacht, um die Sache ein bisschen aufzupeppen."

Der Staatsanwalt hatte im vergangenen Jahr in dem Dokumentarfilm "Roman Polanski: Wanted and Desired" gesagt, er habe damals den Richter Laurence Rittenband von der Notwendigkeit einer Haftstrafe für den Regisseur Roman Polanski überzeugt, obwohl die Verteidigung zuvor bereits eine mildere Lösung ausgehandelt hatte.

Wells' Äußerungen weckten den Verdacht, der Richter habe sich beeinflussen lassen. Für Polanski war die Darstellung in der Dokumentation Anlass, eine Einstellung des Verfahrens zu beantragen. Über den Antrag ist noch nicht entschieden.

Der französisch-polnische Filmemacher hatte 1978 gestanden, im Jahr zuvor ein 13-jähriges Mädchen betrunken gemacht und sexuell missbraucht zu haben. Als es Anzeichen gab, dass der Richter sich nicht an die Vereinbarung mit der Verteidigung halten würde, war Polanski kurz vor Urteilsverkündung aus den USA geflohen. Wells hatte mit dem Verfahren nicht selbst zu tun, war aber am gleichen Gericht tätig. Am vergangenen Samstag wurde Polanski in Zürich festgenommen.

"Polanski hat sich eines Verbrechens schuldig bekannt"

In Los Angeles reagierte der oberste Staatsanwalt, Steve Cooley, auf die Kritik, die die Verhaftung Polanskis vor allem in Frankreich und bei der Hollywood-Prominenz ausgelöst hat. Er verfolge niemanden aus Rachsucht, sagte der Chefankläger von Los Angeles und sprach von einem Gerichtsverfahren, das abgeschlossen werden müsse. Ein Haftbefehl des Obergerichts sei vollstreckt worden, und nun folge das weitere Verfahren.

"Wir machen unsere Arbeit", sagte Cooley. Das Auslieferungsverfahren werde nach den Bestimmungen im bilateralen Auslieferungsvertrag zwischen den USA und der Schweiz durchgezogen.

Cooley reagierte auch auf Stimmen, die Polanskis Verfehlungen herunterspielten und von "angeblichen Verbrechen" sprachen. "Herr Polanski hat sich eines Verbrechens schuldig bekannt", sagte Cooley und erinnerte daran, dass noch fünf oder sechs viel ernstere Anklagepunkte anhängig seien. "Diese werden nicht beigelegt, bevor er endlich seine Strafe erhält", sagte der Staatsanwalt.

Er spielte auf den Umstand an, dass Polanski 1978 vor seiner Flucht aus den USA nur im Anklagepunkt des ungesetzlichen Geschlechtsverkehrs ein Schuldbekenntnis abgelegt hatte. Der Richter hatte zugesichert, im Gegenzug die schwereren Vorwürfe wie Vergewaltigung unter Abgabe von Drogen, Kindsmissbrauch und Sodomie fallen zu lassen.

Schwarzenegger ist gegen Vorzugsbehandlung

Keine Angaben machte Cooley, wie die US-Staatsanwaltschaft über die Reisepläne Polanskis zum Filmfestival in Zürich informiert worden war. Seine Sprecherin Sandi Gibbons sagte, man habe vier Tage vor der Verhaftung von den Reiseplänen "erfahren". Sie erinnerte zudem daran, dass der Fall innerhalb weniger Tage erledigt werden könnte, falls Polanski seinen Widerstand gegen die Auslieferung aufgeben und für die Bestrafung nach Los Angeles reisen würde.

Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat sich unterdessen gegen eine Vorzugsbehandlung für Polanski ausgesprochen. "Es kommt nicht darauf an, ob es sich um Roman Polanski oder um jemand anderen handelt", sagte Schwarzenegger CNN am Donnerstag und fügte hinzu: "Ich denke, diese Dinge müssen behandelt werden wie bei jedem anderen."

Der frühere Filmschauspieler sagte, er sei ein Bewunderer von Polanskis Werk, dennoch dürfe man dem Regisseur keine Vorzugsbehandlung geben. Auf die Frage, ob er eine Begnadigung Polanskis erwägen würde, sagte Schwarzenegger, er erhalte viele solche Gesuche und würde einem solchen von Polanski keine besondere Beachtung schenken.

siu/dpa/AP

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JensDD 28.09.2009
1. Wie würden all die
Zitat von sysopWegen sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen stand Roman Polanski vor über 30 Jahren in den USA vor Gericht. Er flüchtete während des Prozesses und kehrte nie wieder in die Staaten zurück. Jetzt wurde er in der Schweiz festgenommen. Sollen die US-Behörden aus der Auslieferung des Regisseurs bestehen?
aufgeregten Gutmenschen denn reagieren wenn ein "ganz normaler" Sexualstraftäter nach 30 jahren gefaßt würde? Relativiert künstlerischer Ruhm individuelle Schuld?
villefranche 28.09.2009
2. Sollen die US-Behörden aus der Auslieferung des Regisseurs bestehen?
ja, denn die Zeit heilt keine Verbrechen. Er hat sich durch Flucht seiner Verantwortung entzogen,damals eine Minderjährige missbraucht. Was würde man heute - 2009 - sagen, wenn sich ein Vergewaltiger der Verantwortung entziehen wollte ? Nur weil er prominent ist keine Strafverfolgung ? Was ist das für ein Auffassung von Rechtssystem. Nur Arme in den Knast ?
specchio, 28.09.2009
3. So wollten es doch alle
Also die allgemeine Forderung bei derartigen Vorwürfen (oder Verbrechen, denn Polansky hat es ja zugegeben) lautet doch, dass die Verfolgung und die Strafen zu lasch sind. Hier hätte es zwar anders laufen sollen, aber eigentlich müsste Gott und die Welt doch zufrieden sein? Und dass das Opfer vetrzeiht und vergibt, ist wahrscheinlich nobel, aber doch auch nicht automatisch strafbefreiend. Ok, mir ist das eigentlicch egal, was die mit dem alten Mann machen, aber irgeendwie kommt es mir im Moment folgerichtig und gesetzeskonform vor.
Dagget, 28.09.2009
4.
Ich versteh die Aufregung auch nicht. Der Mensch hatte die Tat gestanden und sich danach abgesetzt, um der wohl verdienten Strafe zu entgehen. Was sollt das, wenn die Tatschuld erwiesen ist, gehört er auch ins Gefängnis, ganz gleich, was für gute Filme er auch gedreht haben mag, speziell bei einem derartigen Schwerstverbrechen.
Tabman 28.09.2009
5.
Das sollte man sich merken: Als Sexualstraftäter mal eben ein paar erfolgreiche Kinofilme drehen, um sich das Wohlwollen der Öffentlichkeit zu sichern.
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