Bushidos Ehefrau als Zeugin vor Gericht »Es gab keinen Bushido ohne Arafat Abou-Chaker«

Waren der Rapper Bushido und die Berliner Clan-Größe Arafat Abou-Chaker Freunde? Die Ehefrau des Musikers zeichnet vor Gericht ein anderes Bild dieser Beziehung.
Von Wiebke Ramm
Anna-Maria und Anis Ferchichi (2012): »Es war noch schlimmer, es war nicht auszuhalten«

Anna-Maria und Anis Ferchichi (2012): »Es war noch schlimmer, es war nicht auszuhalten«

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Es geht an diesem Mittwoch noch einmal um jene Tage im Dezember 2014, als Bushido seine Frau schlug und sie sich von ihm trennte. So hatte es Anis Ferchichi alias Rapper Bushido vor Gericht dargestellt, so beschreibt es auch Anna-Maria am Montag im Saal 500 des Landgerichts Berlin. Der Vorsitzende Richter im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder hat noch Fragen, die Verteidigung auch.

Dem Gewaltausbruch soll ein heftiger Streit am Chiemsee zwischen Arafat Abou-Chaker und Bushidos Frau vorausgegangen sein. Anna-Maria Ferchichis Pullover sei damals in einem Restaurant ein wenig verrutscht, wodurch ihr Rücken zu sehen gewesen sei. Abou-Chaker sei ausgerastet und habe sie als »Hure« beschimpft. Bushido soll stumm daneben gesessen haben. Zurück in Berlin soll Bushido seine Frau geohrfeigt haben, woraufhin sie am nächsten Tag die Koffer gepackt habe, um mit ihren Kindern zu ihren Eltern nach Bremen zu fliehen.

Warum rief Bushido damals, als er seine Frau beim Kofferpacken erwischte, ausgerechnet Arafat Abou-Chaker an und bat ihn vorbeizukommen?

»Für mich ist das eine Situation, wo ich meinen besten Freund anrufe«, sagt der Vorsitzende Richter Martin Mrosk am Mittwoch. Aber doch nicht den Mann, den man für seinen Peiniger hält. Nach Angaben von Bushido war seine jahrelange Beziehung mit Abou-Chaker nicht freiwillig, sondern erzwungen. Es soll keine Freundschaft, sondern eine Art Zwangsehe gewesen sein.

»Es gab nur die Abou-Chakers in seinem Leben«

Ihr Mann habe damals weder einen besten noch überhaupt einen Freund gehabt, sagt seine Frau. »Es gab nur die Abou-Chakers in seinem Leben.« Arafat Abou-Chaker habe gesagt, wie die Dinge zu laufen haben, ihr Mann habe gehorcht. »Der General befiehlt, der Soldat springt?«, fragt der Richter. »Es war noch schlimmer«, sagt Anna-Maria Ferchichi, »es war nicht auszuhalten.« Abou-Chaker habe Bushido »wie ein Maskottchen« behandelt. »Er hat alles bestimmt in seinem Leben.«

Wie schon am vorherigen Verhandlungstag stellt sie Abou-Chaker als Kontrollfreak dar. »Ich glaube, dass das pathologisch ist.« Erneut berichtet sie, wie sehr sie darunter gelitten habe, dass Abou-Chaker sich »massiv« in ihr Leben eingemischt habe. Sie stellt ihn als geldgierig dar. »Vielleicht ist das so ein Dagobert-Duck-Syndrom, anders kann ich mir das nicht erklären.« Bushido habe das Geld verdient und Abou-Chaker es ihm abgenommen.

Arafat Abou-Chakers Verteidiger Martin Rubbert meldet sich zu Wort. Er hat da auch noch ein paar Fragen. Es geht um einen Chat zwischen Anna-Maria Ferchichi und seinem Mandanten am 11. Oktober 2014 – zwei Monate, bevor sie sich von Bushido getrennt haben will. Rubbert verliest die Nachrichten.

Anna-Maria Ferichichi: »Hallo! Bin mir sicher, Anis hat dir gesagt, dass wir uns letzte Woche getrennt haben. Ich bin mit den Kindern in Bremen bei meinen Eltern, wo ich auch bleiben möchte. Anis möchte, dass ich mir eine Wohnung in Berlin nehme, das werde ich nicht tun. Mein Zuhause ist hier bei meiner Familie, und ich brauche die Unterstützung, um die Kinder großzuziehen. Ich würde mir so sehr wünschen, dass das alles friedlich über die Bühne gehen wird, aber im Moment sieht es nicht so aus. Anis wird seine Kinder sehen können, wann immer er will. Man kann sich auf halber Strecke treffen.«

Arafat Abou-Chaker antwortet: »Hey, guten Morgen.« Von ihrer Trennung wisse er. »Ich finde das übertrieben schade. Das meine ich auch ernst.« Er schreibt: »Es wird alles im Guten geklärt, alles andere werde ich nicht dulden, von beiden Seiten.«

»Danke!«, antwortet Anna-Maria Ferchichi. Abou-Chaker rät ihr, in Bremen abzuwarten. »Bleib erst mal ein paar Tage da, und dann setzen wir uns hin und reden und klären alles im Guten.« Er schreibt: »Aber Anna, vergiss nicht, ist das wirklich euer Interesse? Deswegen möchte ich, dass ihr 100-mal überlegt.« Er endet mit: »Wenn was sein sollte, melde dich.« »Danke«, schreibt sie zurück, »mach ich.«

Am 14. Oktober fragt sie Abou-Chaker, ob er Zeit habe zu telefonieren. »Ja, klar«, antwortet er. Sie schreibt: »Danke, Arafat, wirklich! Ich will einfach nicht, dass diese Kinder Scheidungskinder werden.« »Ich auch nicht«, entgegnet er.

Für die Verteidigung passt eine derart vertraute Kommunikation nicht zu Anna-Maria Ferchichis Darstellung vor Gericht. Dass sie sich in einer Ehekrise an Abou-Chaker wendet, passe nicht zu ihrer Behauptung, Abou-Chaker habe sie und ihren Mann permanent »kontrolliert«, sie »ständig gedemütigt und drangsaliert« und Bushido »psychisch terrorisiert«. Wenn Abou-Chaker all das getan habe, stelle sich die Frage, »wieso sie sich dann aus Bremen an ihn wendet, wenn sie ihrem Peiniger doch endlich entkommen ist«. Aus der Kommunikation ergebe sich zudem, dass die Trennung nicht im Dezember, sondern im Oktober 2014 erfolgt sei, sagt Rubbert.

Für die Verteidigung zeige die Kommunikation zwischen Bushidos Frau und Abou-Chaker, dass Anna-Maria Ferchichis Aussage vor Gericht »eine erhebliche Belastungstendenz« zulasten des Angeklagten aufweise. Ihre Darstellung Abou-Chakers habe »mit dem tatsächlichen damaligen Verhältnis der beiden kaum etwas zu tun«.

Anwalt Steffen Tzschoppe bittet darum, sich den Chatverlauf anschauen zu dürfen, dann wolle er gegebenenfalls Stellung nehmen. Tzschoppe ist Bushidos Anwalt. Falls er mit seiner Bitte verhindern will, dass dessen Frau vorschnell auf die Vorwürfe der Verteidigung reagiert, gelingt ihm das nicht. »Ich würde gerne darauf antworten«, sagt Anna-Maria Ferchichi.

»Natürlich ist Arafat nicht 100 Prozent schuld, dass ich mich von meinem Mann trennen wollte«, sagt sie nun. Die damalige Trennung sei »ein schleichender Prozess« gewesen. Sie habe gedacht, sie müsse Arafat überzeugen, bei ihren Eltern in Bremen bleiben zu dürfen. An ihm habe kein Weg vorbeigeführt. »Er war wie die Hälfte meines Mannes. Es gab keinen Anis oder Bushido ohne Arafat Abou-Chaker.« Mit ihrem Mann habe sie damals nicht gesprochen. Deshalb habe sie stattdessen mit Abou-Chaker telefoniert. »Mein Mann war ein Riesenarschloch zu dieser Zeit.«

Die Verteidigung wird wohl noch weitere Fragen haben. Doch die Verhandlung ist an diesem Tag vorbei. Am Montag geht es weiter.

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