Urteil in Ansbach Rund 160 Rinder in Stall verendet – Landwirt zu Bewährungsstrafe verurteilt

Fünf Lastwagenladungen brauchten die Behörden, um die toten Tiere abzutransportieren: Ein depressiver Landwirt hat zahlreiche Rinder verenden lassen. Den Betrieb will er nun ohne Tiere weiterführen.
Der Stall des Landwirts: Rund 160 Rinder verendet

Der Stall des Landwirts: Rund 160 Rinder verendet

Foto: Daniel Karmann / dpa

Weil er etwa 160 Rinder so sehr vernachlässigte, dass sie starben, ist ein Landwirt zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren und zu einem lebenslangen Tierhaltungsverbot verurteilt worden. Die Tiere seien qualvoll und langsam zugrunde gegangen, sagte der Richter Armin Abendschein am Amtsgericht im bayerischen Ansbach.

Der heute 44 Jahre alte Landwirt hatte über einen längeren Zeitraum seine mehr als 200 Rinder nicht ordentlich mit Wasser und Futter versorgt. Weil der Landwirt einem Gutachter zufolge an einer Depression litt, war er zu dem Zeitpunkt vermindert schuldfähig.

Als die Polizei durch einen anonymen Anruf im Mai 2021 auf die Missstände auf dem Hof im Landkreis Ansbach aufmerksam wurde, lagen schon 160 Tiere tot im Stall. Weitere mussten wegen ihres schlechten Zustands eingeschläfert werden.

Fünf Lastwagenladungen

Die Expertin vom Veterinäramt wirkte im Gericht erschüttert von den Missständen. Das Sterben müsse sich über Monate hingezogen haben, sagte Birgit Badewitz. »Die Tiere waren in unterschiedlichem Verwesungszustand.« Manche Kadaver seien sicherlich ein Jahr alt gewesen. Fünf Lastwagenladungen hatte die Behörde von dem Hof abtransportieren lassen.

»Es war ein ganz langer, schleichender Prozess«, sagte Richter Abendschein. Der Angeklagte habe sich nach der Übernahme des Betriebes von seinem Vater immer mehr aufgebürdet. Irgendwann sei ihm die Arbeit über den Kopf gewachsen. Der Landwirt fing an, die Büroarbeit zu vernachlässigen, ließ Briefe und Mahnungen liegen. Der Hof geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Dann kam die Coronakrise, der Landwirt konnte seine Rinder offenbar nicht mehr vermarkten.

»Das war der Zeitpunkt, wo bei ihm Verzweiflung eingesetzt hat«, sagte sein Verteidiger Marc Zenner. Er sei in Depressionen abgeglitten und habe sich mit Alkohol betäubt. Nach dem Fund der Tiere sei er endgültig zusammengebrochen und in psychiatrische Behandlung gekommen. Einem Gutachten zufolge war er zu dem Zeitpunkt vermindert schuldfähig.

Landwirt will Betrieb weiterführen

Der Landwirt habe versucht zu vertuschen, was in seinem Stall vorgehe, sagte der Richter in der Urteilsbegründung. Er habe sich geschämt und sich auch keine Hilfe gesucht, weil er um seine Existenz, aber auch um sein Ansehen gefürchtet habe, sagte der Psychiater Peter Sauer. Im Dorf hatte sein Betrieb offenbar als vorbildlich gegolten. Auch das Veterinäramt hatte nach Angaben der Expertin Badewitz bei früheren Kontrollen nie Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt.

Seinen Betrieb will der Verurteilte nun weiterführen: ohne Tiere, nur noch mit Ackerbau und Biogasanlage.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

ptz/dpa
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